Druckschrift 
Geschichte der Herzöge von Zähringen
Entstehung
Seite
28
Einzelbild herunterladen
 

28 1061.

zunehmen wäre, Bertold I habe von vornherein nur für seinen unmündigen Sohndie Regierung übernehmen sollen; das steht zu sehr mit den Quellen mit Ein-schluss Ekkehard's, wie mit der ganzen Sachlage in Widerspruch. Soweit wurdenauch Erbansprüche auf Herzogsämter in der Mitte des 11. Jahrhunderts nochgar nicht anerkannt, und am wenigsten solche wie diese. Aber sie konntennebenbei wohl betont und ausgenutzt werden. So glaube ich denn, dassBertold I in eigener Person ordnungsgemäss von der Reichsgewalt mit der"Wahrnehmung des herzoglichen Amtes in Kärnthen betraut wurde, ohnedass am Anfang seine Ehe mit Richwara dazu beigetragen hatte; dass erdanach jedoch zur Verstärkung dieser Stellung gegenüber sowohl den Kärnth-nern, wie der Krone, eine mütterliche Anwartschaft als für seinen Sohn be-stehend hervorhob und für den letzteren, Hermann, innerhalb der nächstenJahre, wenn nicht ganz, so doch zum Theil auf jene Erbansprüche hin vomKönige eine Mitübertragung des Herzogthums auswirkte, die zunächst inHermann's Titel eines Markgrafen (von Verona) zum Ausdruck kam.

Zu Kärnthen, das i. J. 976 als eigenes Herzogthum von Baiern ab-gezweigt worden war und, nach einer baldigen vorübergehenden Personal-union mit letzterem, seit 995 dauernd von ihm getrennt blieb, gehörten ausserdem eigentlichen neuen Herzogthum jenes Namens, das längere Zeit noch dasganze heutige Steiermark als Kärnthner Mark und einen Theil Niederöster-reichs a3 in sich schloss, auch die Mark Verona nebst den Grafschaften Friaulund Istrien, welche durch Otto I i. J. 952 zum deutschen Reiche gezogen

König. (Bemerkenswerth ist die Anwendung desselben Zeitwortes, committere, für die Ein-setzung beider Zähringer, wodurch vielleicht gesagt sein sollte, dass des Sohnes Rechthinter dem des Vaters nicht zurückstand.) Dass Ekkehard von dem gleichnamigenSohne spricht, ist eine für ihn sehr erklärliche Verwechselung, da der in Kärnthen that-sächlich mit betheiligte Hermann, der auch von dort seinen Titel führte, zu des ChronistenZeit längst gestorben und statt seiner damals Bertold IT, der in Hermann's Rechte ein-trat (s. u.), als Sohn des ehemaligen Kärnthnerherzogs hervorragend bekannt gewordenwar. (Es ist dies nicht die einzige Verwechslung zu Gunsten des Namens Bertold's, derja der eigentlichste der Familie war und bis zur Selbstverständlichkeit typisch gewordenerschien.) Weiteres über diesen Kärnthner Titel des Sohnes s. unten im Capitel überHermann. Ekkehard's Nachricht stellt also eine Art Trümmerstück einer für ihn schonnicht mehr ganz erreichbaren besseren und ausführlicheren Kenntniss dar; für seinen Zu-sammenhang braucht er sie keineswegs und das scheint mir sehr dafür zu sprechen,dass sie nicht seine Zuthat ist. Eine weitere höchst beachtenswerthe Stütze scheint mirobige ganze Annahme zu erhalten durch das anderweitig nicht zu erklärende Eindringendes Namens Hermann in Bertold's Familie mit seinem ältesten Sohne, in dessen Linie erweitergeführt ward; (vielleicht sogar noch durch das des Namens Konrad.) Der alte salischcName Hermann wäre dann von Hermann II von Schwaben (dessen Sohn Hermann HIihn auch trug) über seine Tochter Mathilde, die Mutter Konrad's II von Kärnthen, undüber dessen Tochter Richwara an deren Sohn gelangt.

8S St. 2566, Zahn, ÜB. d. Herzogt. Steiermark. Graz 1875 ff. I 74. Wahnschaffe S. 5.