Kudolf wird Herzog von Schwaben. 25
Ueber Bertold's Verhalten in diesen Jahren gegenüber dem Hofe undRudolf verlautet keinerlei sichere Nachricht, mag nun der planreiche 73 Manndie Zurücksetzung mit guter Art und fernerer Hoffnung getragen haben, mager etwa auch mit wenig verstelltem Missmuth den landfremden Herzog übersich selber, der der Mächtigste in Schwaben war, geduldet haben 73 . Offenen,feindseligen Trotz bekundete Graf Bertold nicht, und um so eher konntedie Kaiserin an eine Entschädigung für ihn denken, die auch in dem InteresseRudolfs war, das ihr so sehr am Herzen lag, insofern nämlich, als eine ander-weitige Aufgabe Bertold von den schwäbischen Dingen abziehen musste. Einesolche wurde aber möglich, als i. ,T. 1061 Konrad (III) von Kärnthen starb,dem das Herzogthura erst Weihnachten 1056 oder Anfang 1057 übergebenworden war 74 . Er war nur dem Namen nach Herzog gewesen; ein gewaffneterHeereszug im Herbst 1058, den ihn die Verhältnisse im Lande in dasselbezu machen nöthigten, damit er überhaupt nur die Regierung antreten könne,und den er in einer Art Umgehung von Süden her versuchte, war trotz dersehr zahlreichen Truppen gänzlich fehlgeschlagen 75 .
71 „cousiliorum maohiuamenta, quibus satis pollebat" Ekkeh. Uraug.
'* „quod [Rudolfs Erhebung] animum Berhtoldi non parum commovit" Ekkeh.Uraug. 198. Gerade der späte Ekkehard erzählt auch erst Bertold's Groll gegeu Kudolf selbst,übrigens zeitlich an sonderbar falscher Stelle, nämlich nach der Entsetzung in Kärnthen.Es bleibt fraglich, wie viel Werth hier auf den Erzähler zu legeu ist.—Henking S. 3 f. hat denSchluss gezogen: da Bertold in den sechziger und siebziger Jahren so treu zu Rudolf steht,kaun er in den fünfziger Jahren nicht Groll gegen ihn als glücklicheren Rivalen empfundenhaben und deshalbmuss auch der angebliche Grund zum Groll, das Versprechen Schwabens auBertold, aus der Luft gegriffen sein. Aber dergleichen Beweisführung setzt eher Figuren, alslebende, wandelbare oder auch rechnende Menschen voraus; eine auf gleichen Anschauungenund Zielen beruhende Gemeinsamkeit der Gegnerschaft gegen einen Dritten vermag dochwohl nach mehrjähriger Frist und unter ganz veränderten Verhältnissen alte Wettbewerber— die darum noch nicht Feiudo gewesen zu sein brauchten; denn wegen Rudolfs, nichtdurch ihn war Bertold zurückgesetzt worden — zu nähern und aneinandcrzuschliessen.
74 Ueber Konrad (oder Kuno) s. Ann. Altah. SA. 61 (danach die Zeitbestimmungim Text) und Lambert SA. 39 zu 1057; dazu K. Tangl, d. Grafen, Markgrafen undHerzöge von Kärnthen aus dem Hause Eppenstein (Archiv f. K. österr. Geschqu. IV. VI.XL XII.) insbes. VI 338. v. Ankershofen, Handb. d. Gesch. d. Herzogth. Kärnthen,Klagenf. 1842—1874, Bd. H, 1, 686ff. U. Wahnschaffe, d. Herzogthum Kärnthen unds.Marken im XL Jahrh. Lpz. Diss. (Klagenfurt.) 1878. S. 62f. Stein dorff, Jahrbb.Heinr. III. Bd. II 332, 4.
75 So möchte ich die Nachrichten der Altahenses (zu 1058) SA. 63: Autumnali igiturtempore dux Charintanorum Chuono Longobardiam valida manu est ingressus, sed resi-stentibus sibi provincialibus turpitcr est regressus" uud des minder verlässlichen LambertSA.41: „Chuono dux Carentinorum, contractu ingentibus copiis ad oecupandum ducatumsuum, quem tanto tempore metu rebollionis non inviserat, primam profectionem parabat;sed morte praeventus coeptum iter non explevit" vereinigen. Vgl. auch WahnschaffoS. 63. Huber's Bemerkung (MJÖG. X 149) gegen Meli, dass die Deutung auf einen Zuggegen Kärnthen „ein starkes Versehen" sei, ist flüchtig.