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Geschichte der Herzöge von Zähringen
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Das Versprechen der schwäbischen Herzogswürde. 23

schwer in Agnes', der noch jungen Kaiserwittwe Händen. Wir haben keineSpur, dass freundlichere Beziehungen auch zwischen ihr und Bertold jemalsgewaltet hatten, und war sie nicht auch in ganz anderer Lage, als der mächtigeHeinrich gewesen war, mochte sie sich nicht mit Recht scheuen, Schwaben,das Land, das vor allen der Krone und ihren salischen Trägern, den Nach-kommen Gisela's bisher in Treuen nahe stand, Demjenigen zu überlassen,dessen ohnehin grosse Macht und Bedeutung im Lande dasselbe am ehestendem Kaiserhause entfremden konnte, dessen zur Anhänglichkeit zwingendenGlanz der Kaiser mit sich in's Grab genommen zu haben schien? Ihr Ge-mahl hatte selber, ehe er an Bertold's Erhöhung dachte, den Schwaben nach-einander zwei landfremde Herzöge gegeben und auch die Kaiserinwittwe hatja entsprechend gehandelt, indem sie mit Baiern Otto von Nordheim, denSachsen belieh. Die Verfügung, die sie nun über Schwaben traf, hielt sicheben nur in den gleichen Bahnen.

Agnes von Poitiers hatte vierzehn Jahre als Kaiserin unter den Deutschengelebt, aber darum kann es nicht verwundern, dass Derjenige, den sie per-sönlich gern hatte und auf den in dieser Zeit, da bei des Reiches halber Ver-waisung die Gelüste geistlicher und weltlicher Fürsten nach Selbständigkeitund auch nach Einfluss und Herrschaft ihre Stimme laut heischend bei derkaiserlichen Familie erhoben, sie sich zu stützen gedachte, ein Mann war, demromanisches Wesen vertraut und heimisch war, der ferner durch den Nordmark-grafen Lotar oder Udo weitläufig mit dem Kaiserhause verwandt war, näm-lich Graf Rudolf vom Sisgau, dessen von den Königen stammendes Fa-miliengut in Burgund, zwischen dem Rhein, der Saöne und den Walliser Alpenlag und den später die Nachlebenden mit der Bezeichnung, die schon RudolfsGrossvater nach seinem Grafensitz gegeben worden war, wieder Rudolf vonRheinfelden 67 nannten. Diesem Manne vertraute sie auch, was ihrem Herzenam nächsten stand: sie verlobte ihm, den sie den Schwaben zum Herzog ein-setzte, ihre Tochter Mathilde 69 , ein zwölfjährig Kind; was sie ihm hingab,

07 Ueber Rudolfs Herkunft und Familienbesitz vgl. W. Gis i's auch von Meyer vonKnonau, Heinr. IV, 1652 gewürdigte höchst beachtenswerthe Untersuchung (vgl. Anm. 30)Der Ursprung des Hauses Rheinfelden", Anz. f. schw. Gesch., 1887, 25ff., auch K. B. H.Krause, FzDG. XV 643ff.

08 Ekkehard S. 198 erklärt, dass Agnes Schwaben statt an Bertold an Rudolf gab,dadurch, dass letzterer ihre Tochter Mathilde, die bei Bischof Rumold von Constanz auf-erzogen wurde, durch Entführung zu seiner Gemahlin gemacht und von der Kaiserin, nach-dem sie ihm Verzeihung gewährt, das Herzogthum causa ßiac empfangen habe. Demwiderspricht nach Giesebrecht auch Grund (S. 89 ff.) mit Recht. Rudolf's Erhebungzum Herzog wird einfach berichtet bei Bertold MGSS. V 270 zu 1057, und Lambert SA.S. 40 zu 1058, und zwar je zugleich mit dem Tode Otto's von Schweinfurt; die zeitlichenWidersprüche erklären sich wohl dadurch, dass beide Schriftsteller der Einfachheit wegenOtto's Tod und Rudolfs Erhebung miteinander erzählen wollen und Bertold nun beide Er-