Druckschrift 
Geschichte der Herzöge von Zähringen
Entstehung
Seite
21
Einzelbild herunterladen
 

Tausch mit Eberhard von Neuenbürg. 21

das Baumaterial herangefahreu wurde, und einem zweiten, der zwischen derStadt Schaffhausen und dem Dorfe Hilzingen gelegen war.

So war diese Angelegenheit im guten Einvernehmen der heiden naheverwandten Grafen und zu Beider Nutzen geregelt. Und nunmehr dürfen wirBertold I in seine bedeutenderen, mit den grösseren Reichsangelegenheitenverknüpften Schicksale folgen.

Die Chronik Ekkehard's von Aura erzählt, Kaiser Heinrich III habe ineinem seiner letzten Jahre Graf Bertold die Nachfolge im HerzogthumSchwaben für den Todesfall des dortigen Herzogs Otto von Schweinfurt ver-sprochen und ihm als Zeichen der Erinnerung an das kaiserliche Wort denRing von seiner Hand übergeben 65 . Der Chronist steht mit dieser Nachricht

06 Ekkehardi Uraug. Chron. MGSS. VI 198. Als erster mit entschiedenen Zweifelngriff diese Erzählung an F. 0. Grund, die "Wahl Rudolfs von Rheinfelden zum Gegen-könig, Göttinger Dissertation, Lpz. 1870, und seiner Verwerfung hat sich die 4. Aufl. vonGiesebrecht's Gesch. d. deutschen Kaiserzeit Bd. III wenigstens genähert, vgl. S.63 u.1091, dagegen 0. Henking, Gebhardlll, Bischof von Constanz 10841110, Züricher Disa.,Stuttg. 1880 S. 3 und E. Steindorff, Jahrbücher des deutschen Eeiches unter Heinrich IIIBd. II Lpz. 1881 Nachträge S. 496 Grund's Beweisführung fast mehr wie er selbst als'bindend hingenommen (nicht dagegen Ranke, Weltgeschichte VII 220). Nur hättesich Grund, statt sogleich gegen die Glaubwürdigkeit des ganzen Berichtes über Bertoldund Rudolf, besser gegen die einzelnen Theile getrennt gerichtet. Ueber das Schweigender übrigen Quellen vgl. den Text. Dass Ekkehard gerade bei dieser Gelegenheit um-sichtig war, zeigt auch das von ihm (aus dem Chron. Wirzib.) mitgetheilte genaue Todes-datum Otto's von Schweinfurt. Grund (Excurs I) verkennt die Stellung Bertold's inSehwaben und zugleich sein Verhältniss zu der Krone; auch einso kräftiger Kaiser"konnte sich sehr wohl einen ihm besonders ergebenen Herzog von Schwaben belohnendsichern wollen; ferner verkennt Grund, dass Kaiserin Agnes nicht ohne weiteres geradeso, wie ihr Gemahl, über Bertold zu denken brauchte und dass ihr persönlich Rudolfnäher stand. Aus dem späteren Verhältniss Bertold's zu Rudolf darf man nichts herleitenwollen, vgl. unten Anm. 73. Grund's Worte S. 93Der Graf Berchtold wäre gerade einegute Handhabe gewesen, Rudolf mit Gewalt zur Herausgabe Mathilden's zu zwingen" setzendasjenige, was er selbst verdienstlicher Weise widerlegt, den Raub der Kaisertochter,voraus eben weil er leider durchaus gegen die ganze Erzählung beweisen will. S. 97 hälter dann doch selbst, trotzdem er vieles nicht beachtet, was für Ekkehard spricht, das Ver-sprechen des Kaisers fürnicht entschieden" widerlegt; er verwirft es hauptsächlich nur,weil es sich in Gemeinschaft mit anderen allerdings mit Recht beanstandeten Theilender Erzählung findet. Trotz alledem und trotz des im Text Gesagten trete ich nicht mitgerade unerschütterlicher Ueberzeugung für das Versprechen ein; insbesondere die Ueber-gabe des Ringes wird in der That ein bekannten Sagen angenäherter Zusatz des Geredessein. Denn 1092, als Bertold's gleichnamiger Sohn Herzog der Schwaben ward, ist sicher-lich viel von der einstigen Zusage Schwabens durch den Kaiser an den Vater des aus demneuen Geschlechte erwählten Herzogs im Volke gesprochen worden.

Nachtr. Mit G. Buchholz' Arbeit: Ekkehard von Aura. I. Lpz. 1888 ward ichnach Bearbeitung dieser Parthicn bekannt. Seine Auseinandersetzungen S. 47 ff., denenGrund's entsprechend, sind schon durch obiges für diesen Punct miterledigt. Auch Buch-holz selbst glaubt gerade hier Bamberger Quellen Ekkehard's annehmen zu dürfen, S. 49