Messerbräuche. Studien zur Rechtsgeschichte und Volkskunde 39
Mend wordher yesthen saa paamynth och hand beer syne wapnealligewell, tha schall hans handt meth then samme kniff, swerdteller spind giennemsthinges.
Hwo andhen slaar med kniff, tha schall hans hand stynngesygiennem.Nur bei Ergreifung auf frischer Tat schreibt das Durchschlagen vordie Rigaer Rechtsaufzeichnung für Hapsal 1 (von 1279):
we dem anderen wundeth myth eyne meste, also dath ith nenedothwunde is effte lemede, kan meyn eyne vorwynnen myth tuge,he schal eme darvor beterende myt XII mark penynge unde derstath VI mark penynge. werth ock dath mest bogrepen an synerhanth, meyn schal yth eme dorch de hanth slan, effte he sal dehanth losen van dem rade myt XII mark penynge.Vereinzelt findet sich auch im friesischen Recht 2 eine einschlägigeBestimmung:
thet ma anda londe nen long sax ne droge; sa hwa sa ther mithi
enne mon sloge, thet hine müh twam ieldon gulde, and ma him
sine ferra hond opa tha thingstapule of sloge; ac wndaderne, thet
mam thet sax thruch sine ferra hond sloge midda alle Riostringon.
Weiters ist das viel angeführte oldenburgische Messeredikt zu
erwähnen, die Verordnung 3 wegen Messerzücken von 1638. Wenn
durch das Messerzücken niemand verwundet wurde, so besteht die
Strafe lediglich im Prangerstehen, wobei das Messer am Pranger
dazugesteckt wird; bei Verwundung wird das Messer am Pranger
durch die Hand durchgeschlagen. Die Dauer des Prangerstehens
ist auf drei Stunden bemessen:
Wenn einer ein Messer, den andern damit zu beleidigen undSchaden zuzufügen zücket, ihn aber nicht verwundet, soll auf demLande ohne weitern Prozeß, auf einen Predigttag, an einen dazuabsonderlich vor dem Kirchhof gesetzten Pfahl, auf welchen seinMesser zu stecken, in den Städten auf dem Markte, bei dergleichenPfahl drei Stunden stehen, und also die Schande büßen. Wiedann an Orten, da kein Pfahl zu finden, unsere Voigte . . . den-selben ungesäumt setzen zu lassen . . haben.Würde einer sich noch weiter muthwillig vergehen, und mit demMesser einen andern verwunden, gleichwol solcher Schadenicht tödtlich seyn; so soll er an gedachten Pfahl gestellet, das
1 Napiersky, Quellen des Rigaer Stadtrechts, 1876, S. 21.
2 v. Richthofen, Friesische Rechtsquellen, 1840, S. 117.
3 Hellfeld, Repertorium juris privati, 1753ff. III (1760) 2123.