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Messerbräuche : Studien zur Rechtsgeschichte und Volkskunde
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Messerbräuche. Studien zur Rechtsgeschichte und Volkskunde 19

vum super altare 1 und so oft. Bei mehreren Schenkern geschiehtdas mit gesamter Hand, wie uns eine Urkunde von 1080 ausVendömes belehrt 2 :

ego et duo filü mei cullellum unum super altare Domini manibusnostris concoraliter imposuimus.In der IJegel wurde das Übergabssymbol auf dem Hauptaltar nieder-gelegt. Doch erzählt eine Urkunde aus Chartres, daß der Schenkergenötigt gewesen wäre, das Messer an einem Nebenaltar, dem desheiligen Laurentius, niederzulegen, weil an jenem Tage das Ge-dränge in der Kirche so groß war, daß es unmöglich war, bis zumMarienaltar durchzukommen 3 .

Auch ein Aussätziger konnte mit dem Messersymbol stiften 4 :sciendum quod Willelmus de Caluz leprosus dedit abbatiae s. Tri-nitatis et misit super altare per unum cultellum . . domum quan-dam apud Caluz . . ut reciperelur in maladeriam beati Thomae.Vereinzelt scheint das Messer sogar über dem Altar festgestecktworden zu sein; das ersehen wir aus einer Norfolker Urkunde 5 :quod s. Edwardus quondam rex Angliae . . dedit Deo ac s. Ed-mundo ac monachis domus illius . . in Brok per quendam cul-tellum, quem dicit ipsum s. Edwardum fixisse super altum altaremonasterii dictae abbatiae et ibidem dimisisse in perpetuammemoriam.Damit kommen wir in den Kreis der Bräuche, die in einem Messer-stecken bestehen 6 . Welche Absicht damit verfolgt wurde, daß dasMesser über den Altar gesteckt wurde, ist nicht ersichtlich. Mög-licherweise stand dies auf einer Linie mit dem Aufhängen einesVotivs. Doch wäre es auch denkbar, daß damit ein Schutz, eineAbwehr beabsichtigt war, wie bei andern Messersteckungen. Votiv-charakter möchte ich auch dem kleinen Bleimesser zusprechen, vondem Lecocq berichtet 7 .

1 Lecocq / Mömoires de la societe archeologique de l'Eure-et-Loir 3(1863), 141.

2 Ebenda; ferner E. Mayer, Einkleidung im germanischen Recht / Fest-schrift für Wach 1913, S. 56.

3 Es ist die eine Urkunde, die wir samt dem Messer im Bilde bringen.Tafel 1, rechts.

4 Cartulaire de l'abbaye de la Sainte Trinite de Caen, Paris Bibl. Nat.Ms. lat. 5650.

5 Ellis / Archaeologia 17 (1814), 312.

6 Siehe § 13, 16.' S. unten § 4.

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