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Rechtsbrauch und Kinderspiel : Untersuchungen zur deutschen Rechtsgeschichte und Volkskunde
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42 E. Frh. v. Künssberg:

Taufe und Beichte, wählen einen Bischof 1 und parodieren diePredigt 2 .

Wir können also nur etwa in Form einer Museumswanderungdie Schatzkammer rechtlicher Bräuche, die uns das. Kinderspielund Kinder brauch bewahrt haben, kennen lernen. Freilich emp-fiehlt es sich, dabei eine Ordnung nach dem Rechtsstoffe vorzu-nehmen, der darin ersichtlich wird. Wir beginnen mit öffentlichemRecht, behandeln dann die privatrechtlichen Erinnerungen, danndie Nachahmungen und Parallelen aus dem Strafrecht und schließenmit prozeßrechtlichen Bruchstücken.§61. 1. In mancherlei Kinderspruch und Spiel gibt es Kaiserwürde

und Königtum. So in dem Auszählverschen, das die Standes-gliederung vergangener Jahrhunderte wiederspiegelt, so gleich-gültig dem gesunden Kindersinne sonst soziale Schichtungen sind:Kaiser, König, Edelmann, Bürger, Bauer, Bettelmann" 3 . Auchdie Schweiz, die etwa ein halb Jahrtausend vom Reich losgelöst

1 Beim Gregoriusfest, an das fast nur mehr die Gregoribretzeln undPrüfungswecken erinnern, die an Schulkinder auf Gemeindekosten ausge-teilt werden. DWB. IV, 1, 6, Sp. 4f. Fehrle, Feste, 7.gregörlen" Hoff-manh-Krayer, Feste und Bräuche des Schweizervolkes, 140. Meyer, DVk.131f. Wehrhak, Kinderlied 4. S. 71. Boesch, Kinderleben, 75f., 79f., 105.Roc.hholz, Alem. Kinderlied, 501 ff. Kneppler, Schulwesen im Elsaß, 433ff.445. eselbischof, eselpapst Verwys-Verdam, Middelnederl. Woordenb. II,733. Der Unschuldige Kinder-Tag dürfte ein Nachklang der römischenSaturnalien sein. Wie in Rom das Verhältnis zwischen Herr und Sklave, sodrehte sich an diesem Tag das zwischen Lehrer und Schüler um. Ein Schulabt,Schulbischof oder Schulkönig wurde gewählt usw. Ziegler, G. d. Pädagogik 4 ,1917, S. 28. Ein anderes Bischofspiel (Bischof weihen" um 1700 Bolte,ZVk. 19, 405) bestand darin, daß man mit einem nassen Taschentuch leichteBackenstreiche gab ohne dabei lachen zu dürfen; sonstVater Eberhard"genannt.

Zum episcopus puerorum vgl. auch Moser. G. d. deutschen Musik I. 98.

2 Wehrhan, Kinderlied 4, S. 71. Boesch, Kinderleben, S. 80, wo dasreizende Bild von Chodowiecki. De Cock-Teirlinck, Kinderspel en Kinder-lust in der Genter ZeitschriftVolkskunde" 8, 168ff.; vgl. ebd. 20 (1909),73ff. Becker, Gebetsparodien in: Volksk. Unters, f. HoFFMANK-KRAYERl6ff.Laukfer, NddVk. 63. Lohre, BrandenbVk. 323.

3 In Sachsen-Altenburg auch mit dem Zusatz:Schuster, Schneider,Leineweber, Doktor, Kaufmann, Totengräber". Eine schwäbische Abart:Kaiser, König, Kurfürst, Graf, Edelmann, Bettelmann, Bauer, Soldat"(SchwabWB. 4, 149).

Der Berliner Humor machte in der Revolution den VersKaiser, König, EdelmannEbert, Haase, Scheidemann."