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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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VII. Marlborough. 205

von England mit dem Titel eines Baron von Sandbridge nnd schickte ihn alsGesandten nach Frankreich. Nach seiner Rückkehr von dort zerstreute ermit neun Infanterieeoinpagnien und sechs Escadronen grosse vom Herzoge vonMonmouth aufgewiegelte lnsurgentenhaufen. In demselben Jahre (1685) wurdeer zum Generalmajor befördert, und in der Schlacht bei Sedgemoor, die dasSchicksal der Insurgenten entschied, hat er sehr viel zum Siege über dieselbenbeigetragen. Zur Belohnung wurde er zum Coniruandeur des dritten Garde-regiments zu Pferde, befördert. Aber bald darauf fiel er für seine Anhäng-lichkeit an den Protestantismus in gänzliche Ungnade beim Könige, der dieKatholiken begünstigte, und daher ging er, als der Prinz Wilhelm von Oranienan der Küste Englands landete, auf dessen Seite über, und bewog dazu auchdie Tochter Jakobs II., Anna, auf die er durch seine Frau Einfluss hatte.Nach Besteigung des englischen Thrones seitens des Prinzen von Oranien unterdem Namen Wilhelm III. (im Jahre 1688) ernannte ihn der Letztere in Anbe-tracht seiner Verdienste und Fähigkeiten zum Generallieutenant und machteihn zum Mitgliede des geheimen Staatsraths und zum Grafen von Marlborough.

Als Führer der verbündeten Truppen gegen Frankreich in den Nieder-landen legte Marlborough in der Schlacht beim Städtchen Walcourt (25. August1690) ungewöhnlichen Scharfblick und Tapferkeit an den Tag. Wilhelm III.,der ihm besonders wohlwollte, gedachte ihn nach Irland gegen den dort gelan-deten Jakob IL mitzunehmen, aber Marlborough weigerte sich gegen seineufrüheren Wohlthäter zu kämpfen, und begab sich nach Irland erst, nachdemsich Letzterer von dort entfernt hatte. Hier, als Führer der kömglichenArmee, zwang er zur Uebergabe die starken Garnisonen von Cork und Kinsaleund drängte die Insurgenten in die Provinz Ulster zurück. Bei seiner Rück-kehr nach London wurde er vom Könige besonders gnädig empfangen; aberdessen ungeachtet waren er sowohl, als auch Lord Godolphin bemüht, Jakob II.wieder auf den Thron zu bringen, und unterhielten einen geheimen Briefwechselmit ihm. Ihre Absicht war erfolglos, aber Marlborough büsste trotzdem dieGnade Wilhelm's III. nicht ein, sondern begleitete ihn im Jahre 1691 in dieNiederlande. Jedoch bald darauf fiel Marlborough in Ungnade in Folge derMisshelligkeiten des Königs und seiner Gemahlin mit der Prinzessin Anna, diein grosser Freundschaft mit Marlborough's Frau stand, sowie seiner eigenenungünstigen Aeusserungen wegen über Ausländer, denen der König gewogenwar. Den 10. Januar 1692 wurde er aller Aemter entsetzt und ihm der Zu-tritt bei Hofe verboten, und nach Auffindung einiger Briefe Jakob's IL an ihn,des Hochverraths angeklagt und am 5. Mai in den Tower geworfen. Alleinnach einer sorgfältigeren Untersuchung der Sache stellte sich die Beschuldigungeines Verraths als falsch heraus und er wurde auf freien Fuss gesetzt, jedochauf Bürgschaft und ohne Zutritt zum Hofe.

Wilhelm HI. hielt es nach dem Tode seiner Gemahlin, der Königin Marie(1694), nöthig, seine Gnade der einzigen Schwester derselben und Thronfol-