Druckschrift 
1 (1893)
Entstehung
Seite
347
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Translatio S. Epiphanii. Bernward. 347

bewahrte in Deutschland damals in ihrer Mitte alles, was überhauptvon höherer Ausbildung irgend vorhanden war; noch mufste sie fastalles, dessen sie bedurfte um den hohen Anforderungen ihrer Stel-lung zu genügen, selber leisten.

Später hielt Bernward sich einige Zeit bei dem ErzbischofWilligis auf, bei seinem Grofsvater dem Pfalzgrafen von Sachsen,und bei seinem Oheim, dem Bischof Folkmar von Utrecht; dannbegab er sich 987 an den kaiserlichen Hof, und hier vertraute ihmTheophano die Erziehung des königlichen Kindes Otto III.

Am 7. Dec. 992 starb in Como der Bischof Gerdag von Hildes-heim, und Bernward wurde zu seinem Nachfolger erwählt. DreifsigJahre lang hat er dieses Amt verwaltet, und nicht leicht hat einBischof ein besseres Andenken hinterlassen. Unter den trefflichenBischöfen, an welchen diese Zeit so reich ist, war er einer derhervorragendsten. In ihrer Hand waren zum grofsen Theil dieReichsgeschäfte; Bernward hatte schon als Hofcaplan an der Re-gierung Antheil gehabt, und als Bischof nahmen ihn die wichtigstenAngelegenheiten vielfach in Anspruch. Dabei aber sorgte er fürseinen Sprengel mit unermüdlicher Sorgfalt. Noch war Sachsennicht gesichert gegen die Einfälle der "Wenden und der Normannen,welche grade damals mit verstärkter Wuth sich erneuten, und erstBernward verschaffte seinem Gebiete durch Befestigungen und zweck-mäfsige Einrichtungen ausreichenden Schutz, sowie er auch durchvielfache kaiserliche Begnadigungen die Ausbildung des Stiftes zueinem wirklichen Fürstenthume begründete. Ueberhaupt liefs erkeine Eigenschaft eines tüchtigen weltlichen Regenten an sich ver-missen und war zugleich ernstlich bemüht, Hildesheim immer mehrzu einer Stätte geistiger Bildung zu machen. Er bereicherte dieBibliothek des Stiftes mit zahlreichen Handschriften; leider wurdeaber durch einen Brand 1013 der gröfste Theil der Bibliothek ver-nichtet 1 ). Talentvolle Knaben liefs er in Wissenschaft und Kunstunterweisen; die begabtesten führte er mit sich an den königlichenHof, um sie von der vielfachen hier gebotenen Gelegenheit zu höhererAusbildung Nutzen ziehen zu lassen. Mit herrlichen Kunstwerkenhat er seine Bischofstadt geziert 2 ) und ein bleibendes Denkmal er-richtete er sich durch die Stiftung des Michaelisklosters, dessen

1 ) Vgl. darüber Forsch. XVI, 184.

2 ) Im Anschlufs an Berthier „La Porte de Sainte-Sabine de Rome"(Frib. Helv. Ind. lectt. 1892) sucht A. Bertram nachzuweisen, dafs der Auf-enthalt in Rom 1001 bei dem Kaiser auf dem Aventin ihn zu der Schöpfungder Bronzethüren des Hild. Doms angeregt habe. Die Thiiren von St. Sa-bina in Rom das Vorbild der Bernward-Thüren. Hild. 1892.