Druckschrift 
1 (1893)
Entstehung
Seite
324
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324 m. Ottonen. § 1. Allgemeines.

Subdiaconus war, eine Schrift zu Ehren des h. Christoph, welchedie Nonne Hazecha, Schatzmeisterin von Quedlinburg, ihm zur Cor-rectur überreicht hatte; aber entweder wurde sie wirklich verloren,wie "Walther an Hazecha schrieb, oder er fand sie zu schlecht: genug,Walther verfafste ein eigenes Werk über den h. Christoph in Prosaund in Versen, ganz in dem gespreizten, mit Gelehrsamkeit über-ladenen Stil der Zeit; in zwei Monaten behauptet er beides voll-endet zu haben. Voran schickte er ein Buch mit dem Titel Scho-lasticus, worin er seinen Bildungsgang schildert, dunkel und oftschwer verständlich, aber doch werthvoll für die Kenntnifs der da-maligen Schulstudien, in welchen eine ansehnliche Zahl classischerAutoren im Vordergrunde steht. Walther schickte später nach desBischofs Tod sein Werk auch ad collegas urbis Salinarum, d. h. dochwohl nach Salzburg, an Liutfred, Benzo und Friedrich 1 ). Damalsscheint er demnach die Speierer Schule geleitet zu haben; 1004 ister selbst wahrscheinlich Bischof von Speier geworden.

In besonderer Ausführlichkeit tritt uns hier eine Richtung derStudien entgegen, welche wir noch an vielen Orten, wie z. B. inLüttich, zu berühren haben werden.

Sehr bald aber liefsen sich auch schon Stimmen vernehmen,welche die heidnische Gelehrsamkeit als sündlich verwarfen undgegen die classischen Studien eiferten. Hatte schon Hieronymusim Traume für die Vorliebe büfsen müssen, womit er Plautus undCicero gelesen 2 ), ein Geschichtchen, welches immer wieder benutztwird und noch bei der Bekämpfung der Humanisten eine Rollespielt, so finden wir in karolingischer Zeit den alt gewordenen Alcuinin gleichem Sinne eifernd; so auch jenen alten Schulmeister Jo-hannes zu Fulda (oben S. 231). Ermenrich sah, wenn er den Vergilunter sein Kopfkissen gelegt hatte, im Traume den Dichter als

1 ) Waltherus Spirensis de passione S. Christophori, bei B. Pez, Thes. II,3, 29—122. Prantl, Gesch. d. Logik II, 52 hat auf dieses Werk aufmerk-sam gemacht; Remling in seiner Geschichte der Bischöfe von Speier er-wähnt es I, 252 unter Bischof Walther, Mabillon sah die Hs. in St. Em-meram, jetzt Cod. lat. Monac. 14,798. Vgl. W. Harster: Walther v. Speier,ein Dichter des 10. Jahrhunderts. Speier 1877. Beigabe zum Jahresbe-richt der K. Studienanstalt. Da ist nachgewiesen, dafs aus einer vielfachmifsverständlichen Bearbeitung des griech. Textes sich die spätere Formder Legende entwickelt hat; doch hat Schönbach, Zeitschr. f. D. Alt. XXIV,Anz. S. 155—172, Einwendungen dagegen erhoben. Ausgabe von Harsterals Beigabe zum Jahresbericht 1878. Anz. v. Pannenborg, GGA. 1879,No. 20; von Nolte, Zeitschr. f. öst. Gymn. 1879, XXX, 617—629. ActaGraeca, Anal. Boll. I, 121.

2 ) Hieron. ad Eustochium, Opp. ed. Vall. I, 113. Vgl. im allg. Com-paretti, Virgilio nel Medio Evo I, cap. 6.