310 n. Karolinger. § 21. Italien.
Nachrichten durch Genauigkeit werthvoll; das Ende ist leider un-vollständig erhalten. Und dieses ist fast das einzige litterarischeErzeugnifs der Lombardei im neunten Jahrhundert, da Claudiusvon Turin und Dungal als Ausländer nicht zu rechnen sind 1 ).Schottenmönche, mit jenen, die in Lüttich hausten, gleicher Art,und mit des Sedulius Gedichten vertraut, fanden auch in MailandAufnahme und feierten ihre Herren und Wohlthäter in sapphischenOden und in Distichen von ungewöhnlicher Correctheit. Yorzüglichder Erzbischof Tado (860—868) "wird von ihnen verherrlicht undihm werden ihre Bitten und Wünsche vorgetragen, dazu der KaiserLothar und Herzog Leodfrid, ein Schwager Lothars. Diese einzigeSpur ihrer Existenz ist erst kürzlich aufgetaucht, weiteres nicht be-kannt 2 ). Sehr gerühmt wird in einem Epitaphium der Abt Petrus IIvom Ambrosiuskloster 3 ) (858—899), und dieser wird es wohl sein,zu dessen Zeiten ein mit lateinischen Buchstaben geschriebenergriechischer Psalter zu Stande gebracht wurde, als dessen Besitzer(oder Urheber?) sich in höchst barbarischem Griechisch ein MönchSymeon nennt 4 ).
Einige Verse, die zum Preise des Bischofs Azo von Ivrea um876 verfafst und im folgenden Jahrhundert einer Copie in Gold-schrift würdig erachtet wurden, sind fast nur wegen der äufserstbarbarischen Form bemerkenswerth 5 ).
Es würde jedoch ein grofser Irrthum sein, wenn man nachdiesen Proben arger Barbarei den allgemeinen Standpunkt der Bil-dung in Italien beurtheilen wollte. Gelehrte Studien wurden nament-lich in Verona gepflegt, wo ein Archidiaconus Pacificus (f 844),dessen Gelehrsamkeit gepriesen wird, 218 Handschriften zusammen-
Bethmann S. 367 ergänzt den Anfang. Neue Ausg. v. Waitz, SS. Langob.220 bis 230.
') Ebenso wenig kann man das sogenannte Chronicon Brixiense, oderwenigstens was uns davon erhalten ist, zu den Geschichtswerken rechnen,MG. SS. m, 238; SS. Langob. 501—503 als Catalogus Brixiensis. — DieTranslatio S. Habundii Mart. von Foligno nach Berceto (Mab. III, 1, 487ed. Ven.) gedenkt einer Synode zu Pavia unter Lothar.
a ) Carmina Medii Aevi ed. H. Hagen (Bern 1877) S. 1 — 10. NeueAusgabe von Traube, Poet. Lat. m, 231—237. S. 7 (236 Tr.) Inschrifteines von Tado's Vorgänger Angelbert erneuten Kelches. — Ueber Margi-nalien mit Spuren der gelehrten Thätigkeit dieser Mönche in dem Cod.Bern. 363 s. Gottlieb, Wiener Studien IX, S. 151—159. Traube, 0 Romanob. S. 348—353.
3 ) Giulini, Mem. di Milano, II, 76.
*) NA. VIII, 340.
5 ) Dümmler, Gesta Berengarii, S. 75 und 159.