Druckschrift 
1 (1893)
Entstehung
Seite
284
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284 II- Karolinger. § 18. Schwaben.

In der Aufschrift dieses Briefes hat eine etwas spätere Handzu dem Namen Ermenrich das Wort Bischof gesetzt, und man hatdeshalb nicht ohne Wahrscheinlichkeit geschlossen, dafs der Verfasseridentisch ist mit dem gleichnamigen Bischof von Passau, den Lud-wig der Deutsche 867 zu den Bulgaren sandte, und dessen Tod am26. Dec. 874 sich in alamannischen Jahrbüchern und im Todtenbuchevon Reichenau verzeichnet findet 1 ).

Ermenrichs Name ist auch gemifsbraucht in einer häfslichenBetrügerei, dem angeblichen Leben des h. Magnus, eines derGenossen von Columban und Gallus, von Theodorus, das bei derUebertragung der Gebeine in der Mitte des neunten Jahrhundertsin St. Magnus Grab soll gefunden sein. Der Bischof Lanto vonAugsburg soll dann den Ellwanger Mönch Ermenrich veranlafsthaben, das kaum noch lesbare Denkmal zu erneuen. So wird dorterzählt; die Art, wie Ermenrichs Name erwähnt wird, macht es abernicht wahrscheinlich, dafs wirklich er selbst zu dieser Fälschungseine Hand geboten habe. Dümmler vermuthet, Forsch. XIII, 475,dafs doch etwas daran sei und Ermenrich an der formalen Bearbei-tung Theil habe, doch bemerkt er selbst, dafs die Legende nichtsvon dem ihm eigenthümlichen Gepräge zeige. Ich halte die an-gebliche ältere Legende überhaupt für leeres Vorgeben des Fälschers,welcher ein von den gröbsten chronologischen Fehlern erfülltes Pla-giat aus den Vitae Columbani und Galli für das Werk eines Zeit-genossen ausgab 2 ).

Auch Reichenau bezog wie Fulda seine Reliquien aus Italien,doch scheint man damit wenig Glück gehabt zu haben. Die ältestedieser Geschichten (Miracula S. Genesii) ist von Dr. A. Holderin Carlsruhe in einem von Reginbert herrührenden Codex entdeckt,und von mir in der Zeitschrift für Geschichte des Oberrheins XXIV,1—21 herausgegeben 3 ). Sie berichtet von der Uebertragung der

') Dümmler, Piligrim von Passau S. 144.

3 ) Mabillons treffliche Kritik ist bestätigt und ergänzt durch RettbergII, 147—151, wo Plac. Brauns Versuch, den zweiten Theil zu retten, wider-legt ist. Für denselben sind neuerdings eingetreten Fr. Pfeiffer, FreieForschung S. 295 aus Germania I, und Friedrich KG. II, 354—366. Dasletzte Stück mit der Translationsgeschichte MG. SS. IV, 382. 425—427.Ueber eine jüngere Bearbeitung Archiv XI, 270. Nach einer Mittheilungvon Baumann ist dessen Ansicht, dafs man bei der Erhebung der Magnus-reliquien um 851 im Kloster Füssen durch einen Ellwanger Mönch dieVolksüberlieferung, wie sie bis dahin sieh entwickelt hatte, niederschreibenliefs; in St. Gallen wollte man, als die Magnuskirche um 890 gebaut wurde,auch eine Legende haben, verwechselte ihn mit dem Maginold der VitaS. Galli und brachte so den Wechselbalg zu Stande.

3 ) Im Sanctgaller Catalog saec. IX bei Weidmann S. 385 erwähnt als