Heiligenleben. Sekottenmönche. 115
Zweiten hält, ausgefallen ist, das möge man in dem Vorwort vonKrusch nachlesen. Es hat nur dadurch eine relative Bedeutung,dass es von Theofrid von Echternach und von Alberich als Quellebenutzt worden ist. In Betreff des Lebens der b. Odilia (f c. 720)ist nur zu warnen vor den als Fragmente eines angeblich ältestenLebens veröffentlichten Fragmenten, welche eine Fälschung Vignierssind, während die echte Vita doch auch nicht älter als das zehnteJahrhundert ist und geringen Werth hat 1 ). Von den LütticherHeiligen Hubert und Lambert wird weiter unten die Rede sein.
Zunächst aber wollen wir uns hier noch einer Betrachtung der-jenigen Legenden zuwenden, welche eine nähere Beziehung aufDeutschland haben und die erneute Pflanzung des Christenthumsauf deutschem Boden berühren.
Die Frauken haben sich damit nicht viel befafst; es kümmertesie wenig, dafs so viele ihrer Landsleute noch Heiden waren; imalten Frankenlande an der Scheide fand noch im siebenten Jahr-hundert Amandus viel Heidenthum auszurotten 2 ). "War doch bei•den christlichen Franken selbst nicht viel mehr als die äufsere Formder Rechtgläubigkeit übrig geblieben; fromme Männer fanden zuHause Spielraum genug für ihre Thätigkeit. Die Mission findenwir daher in diesen Jahrhunderten fast ausschliefslich in den Hän-den Schottischer, d. h. nach dem Sprachgebrauch des früherenMittelalters Irländischer Mönche, welche damals alle Länder durch-zogen. In dieser Insel, welche allein ihre keltische Bevölkerungungemischt bewahrt hatte, die allen fremden Welthändeln ferne lag,war das Christenthum mit dem hingehendsten Eifer aufgenommenworden, und hier war bald nicht nur die strengste, mönchischeFrömmigkeit, sondern auch eine ernstliche wissenschaftliche Thätig-keit zu Hause; während im ganzen Abendland die gelehrte Bildungunterzugehen und zu verschwinden drohte, fand sie hier sorgsamePflege 3 ) freilich nur im Dienste der Kirche. Man schrieb die hei-ligen Schriften ab, man lernte, um sie zu verstehen, lateinisch undgriechisch, man beobachtete die Sterne, um die kirchlichen Festeberechnen zu können, man übte die Musik für den Gottesdienst,baute Kirchen und Glockenthürme, man schmückte die Bücher derKirchen mit kunstreicher Malerei und ihre Altäre mit köstlichen
x ) Vgl. NA. XVn, 223.
2 ) Ueber ihn und seine Biographen Baudemund und Milo s. RettbergI, 554. Brosien S. 49.
3 ) Eine seltsam sagenhafte Aufzeichnung in einem Leidener Cod. s. XIIläfst die röm. Lehrer vor den Hunnen und andern Barbaren nach Irlandflüchten, mitgeth. v. Luc. Müller, Neue Jahrbb. f. Philol. XCEI, 389.
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