Die Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde. 19
tend auch die Beiträge der Gründer waren, doch nicht weit genugreichten. Die Bundesversammlung war gleich anfangs um Unter-stützung ersucht worden und hatte in Ermangelung eigener Geld-mittel zu solchem Zwecke das Werk den einzelnen Regierungenzur Förderung empfohlen, allein fast ohne Erfolg. Man befürchtetevon der einen Seite Mifsbrauch des Unternehmens für revolutionäreZwecke — denn die Geschichte könne ebensogut zum Umsturz derMonarchie, wie zu ihrer Erhaltung verwerthet werden — von andererwitterte man etwas Serviles darin, und der alte Vofs sah darineine grofse Verschwörung, die Geschichte für oligarchische und katho-lische Zwecke auszubeuten 1 ). In Oesterreich galt das Unternehmenals revolutionär, und nachdem eine anfänglich beabsichtigte besondereDirection für Oesterreich fallen gelassen war, blieb für die einhei-mischen Gelehrten eine förmliche Betheiligung an der Gesellschaftunmöglich 2 ). 1828 hatte man sogar Bedenken, den fertig gewordenenersten Band der Bundesversammlung zu überreichen 3 ). Der Königvon Baiern hatte noch 1829 gar nichts dafür gethan 4 ), währenddoch Baden die Dienste des Archivraths Dümge gleich anfangsauf einige Jahre der Gesellschaft überliefs, und der König vonPreufsen von 1821 an einigemal einen Beitrag von 1000 Thalernbewilligte 5 ). Mit Bitterkeit gedachte Stein daran, dafs er schon imHerbst 1818 eine vom russischen Kaiser angebotene Unterstützungabgelehnt hatte 6 ), und erst nach des Stifters Tode (29. Juni 1831)scheinen die verschiedenen Regierungen sich nach und nach zu denBeiträgen entschlossen zu haben, welche den Bestand der Sachesicherten; auf einer Ministerconferenz in "Wien 1834 hatte der FürstMetternich sich dem Unternehmen günstig erwiesen.
In den gelehrten Kreisen fand das Unternehmen gleich anfangslebhafte Theilnahme, aber lange dauerte es, bis ein ausführbarerPlan zu Stande kam. Ein Vorschlag nach dem andern wurde imArchiv veröffentlicht ; während man sich zu Orientiren suchte, fingman erst an, den Umfang der Arbeit zu übersehen, die Masse desStoffes, die Schwierigkeit ihn zu bearbeiten, namentlich wegen derin so vielen Bibliotheken und Archiven zerstreuten Handschriftenund Urkunden, welche sich viel zahlreicher erwiesen, als man an-fänglich geglaubt hatte.
Nach dem ursprünglichen Plan vertheilte man die einzelnenSchriftsteller an verschiedene Gelehrte zur Bearbeitung, aber es zeigte
*) A. Stern im NA. IX, 265.
2 ) Steins Leben V, 580 ff. Vgl. Anz. d. Germ. Mus. XXII (1875) S. 31.
3 ) VI, 499. 4 ) VI, 751. 5 ) V, 567. 790. VI, 954. 6 ) VI, 779.
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