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2 (1894)
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474
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474 V- Staufer. § 23. Die Lieder der Vaganten.

Glänze zeigte sich die weltliche Herrlichkeit auf Heinrichs VHochzeit mit Mathilde von England zu Mainz 1114, und sie ent-faltete sich immer prachtvoller auf Friedrich Barbarossas grofsenHoffesten. «

Da blieb nun auch die Geistlichkeit nicht zurück. Auch siewurde mächtig ergriffen von dem Reiz des ritterlichen Lebens,welches durch die Kreuzzüge sich mit der Kirche ausgesöhnt hatte.Das Alexanderlied des Pfaffen Lamprecht, Konrads Rolandsliedsind durchdrungen vom kriegerischsten Geiste. Die Bischöfe alsmächtige Landesherren und Reichsfürsten waren auf ein ritterlichesLeben hingewiesen und in der Regel schon durch ihre hohe Ge-burt zu fürstlichem Glänze und weltlicher Pracht geneigt. Wirsahen bereits an Albero von Trier, dafs auch mit der strengstenkirchlichen Gesinnung ein solches Leben sich vertrug. Am mäch-tigsten aber erhob sich diese Richtung während Friedrichs Kampfmit Alexander III, welcher die entgegengesetzte vertrat, so vorallem in Rainald von Dassel, dem Erzbischof von Cöln, FriedrichsKanzler 1 ). Er führte so gut das Schwert wie den Krummstab, undnachdem er siegreich Italien durchzogen hatte, brachte er trium-phierend die heiligen drei Könige nach Cöln 2 ). Unerschrockenkämpfte er gegen Alexander, aber dabei war er durchaus rechtgläubig,ein Muster ritterlicher Tugend und der trefflichste Landesherr fürsein Fürstenthum.

Im Gefolge dieses Erzbischofs befand sich ein Mann, der durchsein aufserordentliches Talent zu grossen Dingen befähigt gewesenwäre, wenn ihn nicht seine eben so grofse Liederlichkeit daran ge-hindert hätte. Seine Gedichte gehören durch die vollkommene Be-herrschung der Sprache, die Formgewandtheit und den poetischenSchwung zu dem Besten, was die mittelalterliche Poesie überhaupthervorgebracht hat.

') Auch Erzb. Wichmann war ein Gönner der Spielleute, Chron. Montisser. SS. XXIII, 164.

3 ) Eine Predigt mit kurzem Bericht über die Translation und einigenWundern (de tribus magis relacio), von einem, der sich auf Augenzeugender Translation beruft, bei Flofs, Dreikönigebuch (Cöln 1864) S. 116 bis122. Nachzutragen ist zu Fickers Werk: Rainald von Dassel (Cöln 1850)der Bericht Rainalds und des Pfalzgrafen über ihre Sendung nach derRomagna, und Rainalds über den Sieg bei Tusculum, in Sudendorfs Re-gistrum II, 131. 146; vgl. Archiv VII, 881. Aus diesem Cod. S. Trudonisist der, hier an die Lütticher Geistlichkeit gerichtete kürzere Brief (imAuszug Gesta S. Trud. MG. SS. X, 35) gedr. im Messager des Sciencesbist. V, 39 u. Acta Imp. Selecta p. 599. Vgl. Varrentrapp, Christian v.Mainz S. 34. — Ein Brief v. dam Cölner Erzb. Philipp über den Friedenv. Venedig NA. XVII, 621.