Druckschrift 
2 (1894)
Entstehung
Seite
467
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Vita Neminis. Martin von Troppau. 467

Eine Chronik, welche in der Form und Einrichtung kaum zuvergleichen, aber von Martin stark benutzt ist, ist die Chronik desCluniacenser Mönches Richards von Poitiers, welche in ver-schiedenen Bearbeitungen bis 1145, 1162, 1174 erhalten, aber nurtheilweise gedruckt ist 1 ). Dagegen findet sich die Anordnung derGeschichte nach Kaisern und Päbsten in den eben erwähnten Cata-logen und in der sehr verbreiteten und viel benutzten Chronik einesItalieners, vermuthlich Römers, Namens Gilbert, welcher die Päbsteund Kaiser bis auf Honorius III und Friedrich II führt 3 ). An sichunbedeutend, ist sie als Quelle Alberts von Stade, Martins, derSachsenchronik zu beachten. Bedeutender ist die oben S. 419 er-wähnte Metzer Chronik, vermuthlich das Werk eines Dominicanersbis 1250, und fortgeführt bis 1274, in sehr entschieden päbstlichemSinne verfafst, und in der Form Martin am nächsten kommend, in-dem auf jeder Seite 50 Zeilen für eben so viele Jahre bestimmtsind; nur reiht sich hier den Päbsten und Kaisern noch Frankreichund das griechische Kaiserthum an, und endlich ein Spatium histo-ricum für verschiedene Nachrichten 3 ).

Doch auch diese Chronik, obgleich bedeutend besser, wurdeverdunkelt durch das Werk des Martin von Troppau, welcherdemselben Schema folgte, und bald fast der ausschliefsliche Ge-schichtslehrer für die katholische Welt wurde.

Bruder Martin war gebürtig aus dem Königreich Böhmen, ausTroppau 4 ). Vermuthlich weil die böhmischen Dominicaner zur pol-nischen Ordensprovinz gehörten, wird er schon von Tolomeo vonLucca als Bruder Martin der Pole bezeichnet. In Prag wurde erals Dominicaner eingekleidet, kam von da nach Rom und wurdepäbstlicher Caplan und Pönitentiar; lange Zeit soll er in dieserStellung geblieben sein, dann ernannte ihn 1278 Pabst Nikolaus IIIzum Erzbischof von Gnesen. Er hat aber sein Erzbisthum nie er-reicht, indem er schon auf der Reise nach Gnesen gestorben undin Bologna begraben ist. Er hat Predigten geschrieben, hat eine

i) Auszüge ed. Waitz SS. XXVI, 74—86. Vgl. Elie Berger, Noticesur divers mss. de la Bibl. Vaticane. Richard le Poiteviu, moine de Cluny,historien et poete. Paris 1879.

a ) Gilberti Chronicon Pontificum et Imperatorum Romanorum ed. Holder-Egger, SS. XXIV, 117—141. Daraus entnommen ist der MG. SS. XXII,362 gedruckte Pabstcatalog.

3 ) Verfafst unter Gregor X. Diekamp, Mitth. d. Inst. IV, 534.

4 ) De regno Boemie uriundus patria Oppaviensis heilst es in der Vor-rede seiner Geschichte in mehreren Handschriften. Troppau gehörte da-mals zu Mähren.

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