466 v - Staufer. § 22. Martin von Troppau.
Sermon dem Cardinal Benedict Cajetani (später Bonifaz VIII), dersich eben anschickte, als Legat zu dem Provincialconcil bei St. Ge-novefa in Paris abzugehen. Da verfafste Stephanus de S. Georgiofür denselben Cardinal eine uns erhaltene Gegenschrift, in welcherer wunderbarer Weise seinen Gegner ganz ernsthaft nimmt, denNemo für einen schlechten Kerl und Erzketzer erklärt und dieHoffnung ausspricht, dafs Radulf sainmt allen Neminianern von derSynode verdammt und verbrannt werden möge. Später hat manden dankbaren Stoff in humoristischer Weise als Parodie der gang-baren Legenden bearbeitet.
Es fehlte im späteren Mittelalter nicht ganz an • denkendenMenschen, welche den Unwerth der aus blofsen Fabeleien, Visionenund Phrasen zusammengesetzten, von den besseren alten Heiligen-geschichten ganz verschiedenen modernen Legenden durchschauten,aber das hinderte doch nicht, dafs nicht Jakobs Werk, eine com-pendiarische Zusammenfassung des vorhandenen Legendenvorrathsin bequemer Form zum praktischen Gebrauch, sehr hoch gehaltenwurde, sich in zahllosen Handschriften verbreitete und aufserordent-lich oft gedruckt wurde.
§ 22. Martin von Troppau.
Eine sehr beliebte Form für die Chronisten des vierzehntenJahrhunderts war die abgesonderte und parallele Behandlung derPäbste und Kaiser. Einen Ansatz dazu finden wir schon in demmageren, Hugo von Sanct-Victor zugeschriebenen Gerippe einerWeltgeschichte, welches bis 1135 reicht, für uns vollkommen werth-los ist, aber als Leitfaden geschätzt und viel, auch von Albrich, be-nutzt wurde 1 ). Theils in Anlehnung hieran, theils unabhängig, ent-standen verschiedene Parallelcataloge der Päbste und Kaiser mitmehr oder weniger dürftigen Notizen 3 ), und auch schon die Reichers-berger Chronik (1157) ist in zwei Columnen angelegt, und Magnushat zu den als Grundlage eingetragenen Namen seine Lesefrüchtebeigesetzt.
') Chronica quae dicitur Hugonis a S. Victore ed. Waitz, SS. XXIV, 88bis 101 mit Fortsetzungen.
2 ) Catulogus Cencii bis 1191, Arch. XII, 60—77; SS. XXIV, 102 bis107. Chronicon Pontificum et Jmpp. ex cod. Veneto SS. XXIV, 107—115;ex cod. Flor. p. 837—840. Cliron. Amiatinum p. 833—886. Catal. Tibur-tinus bis 1226, MG. SS. XXII, 353—358. Verwandt ist auch das Chron.pontt. et impp. Btuilieitse, SS. XXIV, 142—149.