298 v - Staufer. § 6. Gotfried v. Viterbo.
Rechnen "wir hierzu noch die fehlerhaften Verse, die in jederHinsicht geschmacklose Art der Erzählung, die überall herrschendeVerwirrung und Unordnung, so können wir nicht anstehen, dieseWerke, auf welche ihr Autor so stolz war, für ein trauriges Beispielrascher Entartung der Historiographie zu erklären. Benutzt sindsie von Hermann von Altaich, Martin von Troppau u. a., und diezahlreichen Handschriften zeigen uns, wie viel sie gelesen wurden;sie können nur schädlich auf das Studium und die Darstellung derGeschichte eingewirkt haben.
Was Gotfried versprochen, aber nicht ausgeführt hatte, eineDarstellung des Kreuzzuges, hat der Priester Johannes S. Ste-phani de Piscina hinzugefügt, aber nur auf Grund der bekanntenHistoria Peregrinorum'). Drei kurze Fortsetzungen, welche sich inHandschriften fanden, sind fast völlig werthlos 2 ). Ueber Mifswachs,Unwetter und einen Ausbruch des Aetna, auch die Ermordung desErzbischofs Engelbert (1224—1226) berichtet ein Mönch vonFoigny im Sprengel von Laon, und fügt eine Versificierung einerMariensage hinzu 3 ). In derselben Handschrift, welche aus Eber-bach im Rheingau stammt, schliefst sich daran eine übersichtlichgedrängte Reichsgeschichte von 1187 bis 1235, in welcher der Be-richt über des jungen König Heinrichs Aufstand und Unterwerfunggut geschrieben und durch mehrere sonst unbekannte Züge werth-voll ist 4 ). Von geringerem Werthe sind mehrere Cataloge vonPäbsten und Kaisern mit einzelnen Bemerkungen; der erste ausViterbo 5 ) enthält eine merkwürdig im clericalen Sinn entstellteDarstellung der Vorgänge zwischen Heinrich V und Paschalis II.Der zweite aus Tibur 6 ) enthält allerlei Stücke italienischer Annalen,und ist als Quelle des Martin von Troppau bemerkenswerth. Derdritte 7 ) ist nichts als die unten noch zu erwähnende Chronik Gil-berts, in Deutschland mit Zusätzen, vorzüglich aus der sog. Chronica
Berl. Akad. 1869, S. 10—48, 377—387; 1883, I, 567—605. Steindorff,Heinrich III, I, 512—514.
J ) Johannes de Piscina de transfretatione Friderici 1, MG. SS. XXII,339—341. Eine ältere Ausgabe von 1784 weist Scheffer-Boichorst nach.
2 ) Continuatio brevis, Argentinensis, Francogallica p. 341. 342.
3 ) Continvatio Funiacensis p. 342—345; vgl. W. Meyer über die Theo-philussage, Münch. SB. 1873 I, S. 12 mit Emendationen; aber S. 344, 18ist regente zu lesen, 343, 11 vacuavit.
4 ) Continuatio Eberbacensis p. 345—349.
5 ) Catalogus Pontificum Romanorum Viterbiensis p. 349—352.
6 ) Catalogus Pontificum et Jmperatorum Romanorum Tiburlinus p. 353bis 358.
7 ) Catalogus etc. ex Casinensi ut videtur sumptus, a pluribus continuatus,p. 359-367.