Godfrid von Kappenberg. Hermann der Jude. 265
Dieser Godfrid nämlich, ein sehr vornehmer und reicher Graf inWestfalen, gab sich selbst mit seinem ganzen Vermögen völlig demNorbert und seinem neuen Orden hin, und beredete auch seinenBruder Otto und seine Gemahlin Jutta, der Welt zu entsagen. Ausseinen drei Burgen Kappenberg, Varlar und Ilbenstadt machte erdrei Klöster.
Den heftigsten Widerstand erfuhr Godfrid hierbei von seinemSchwiegervater, dem Grafen Friedrich von Arnsberg, und begreiflichist der Unwille der Verwandten, wenn so reiches Erbe und die" altenStammburgen in Pfaffenhände kamen. Um aber diese Erscheinung,welche so häufig vorkommt, zu würdigen, mufs man die Schilde-rungen der Zeitgenossen lesen, nach welchen fast ohne Ausnahmeeine Ritterburg der Fluch der Umgegend und ein ritterliches Lebennicht möglich war, ohne an den ärgsten Gewaltthaten Theil zunehmen. Godfrid freilich hatte seinen Leuten schon früher in einerFehde mit dem Bischof von Münster untersagt, den Bauern das Viehwegzutreiben, aber es war vorauszusehen, dafs spätere Herren derBurgen minder gutherzig sein würden. Die Burg des Grafen vonArnsberg war ganz voll von unglücklichen Gefangenen, die hier ge-peinigt wurden, um ihnen Geld abzupressen, und das scheint einganz gewöhnlicher Zustand gewesen zu sein. Die Rohheit desRitterthums und die in ihrer Art grofsartige Selbstverleugnung dermönchischen Askese treten sich hier in merkwürdiger Weise gegen-über.
Unter den ersten Brüdern des Klosters Kappenberg befand sichauch ein getaufter Jude, Hermann, früher Judas geheifsen, einCölner, den Rupert von Deutz und Eckebert, Bischof von Münster,bekehrt hatten, und der uns eine höchst eigenthümliche Schrift überdiese seine Bekehrung hinterlassen hat 1 ).
Eine ganz ähnliche Erscheinung, wie die Umwandelung derBurgen Godfrids von Kappenberg in Prämonstratenser Klöster, undzugleich ein Beispiel von der weiteren Ausbreitung dieses Ordens,finden wir anschaulich geschildert in dem Leben des Grafen Lud-
Uebers. von G. Hertel mit der Vita Norberti. Vita minor, Acta SS. Jan.I, 857; ed. F. W. E. Roth e cod. Darmst. in Vollmöllers Roman. Forsch. VI.Origo man. Cappenb. ed. Th. Ilgen, Zts. f. Gesch. Westf. XL VI, 168—187.Hüsing, Der h. Gotfried, Münster 1882.
') Herimanni opusculum de conversione sua, gedr. von Carpzow hinterdem Pugio fidei Raymundi Martini ed. Lips. 1687 fol. u. schlecht herausg.von v. Steinen, Dortin. 1741. Migne CLXX. Uebers. von A. Hüsing hinterseinem Gotfr. v. Kappenberg, Münster 1882. Vgl. Aronius, Zts. f. Gesch.d. Juden III, 217—231. ,