Norbert und seine Lebensbeschreibung. 263
Innocenz II war bereits von der französischen Kirche und auch vonLothar anerkannt, war Norberts Auftreten gegen die Investitur vonLaienhand. Lothar forderte die Investitur der Bischöfe, wie seineVorfahren sie geübt hatten, bei der Kaiserkrönung zurück, Innocenzschwankte, aber Norbert trat ihm mit seinem vollen mönchischenFanatismus entgegen, und Lothar fügte sich gehorsam. So wenigstensist zu lesen in der von Wilmans entdeckten und herausgegebenenBiographie Norberts, die von einem seiner ersten Schüler geschriebenist und zu den bedeutendsten Quellen dieser Zeit gehört 1 ). Die-selbe ist jedoch neuerdings einer genaueren Untersuchung unter-worfen worden von Rosenmuud 2 ), welcher durch Vergleichung mitder jüngeren Vita aus jener älteren (A) noch einen ältesten Kern (a)herausgeschält hat, von einem Schüler und Verehrer Norberts, derschon nicht ohne tendentiöse Entstellung schrieb und für Norbertspolitische Stellung keinen Sinn hatte; auch hier wieder werden Zu-sätze zweiter Hand unterschieden, zu welchen auch der stark ab-fallende Schlufs (c. 15—23) gerechnet wird. Der Biograph A solldiese Biographie mit neuen Zusätzen versehen haben, zu welchennamentlich auch der Bericht über den Römerzug Lothars gehört,dessen Werth Rosenmund aufrecht hält, wie nicht minder auchMühlbacher 3 ). Auch Giesebrecht (IV, 436) ist nicht geneigt, mitE. Friedberg 4 ) die Erzählung des Biographen als eine Ausgeburtseiner mönchischen Phantasie zur Verherrlichung seines Helden ein-fach zu verwerfen. Der schon länger bekannten jüngeren Biographie(B), welche zwischen 1157 und 1161 geschrieben ist 5 ), fehlen diese
707—720, über deren gehässigen und lügenhaften Charakter, bei geringemhist. Inhalt, Mühlbacher, Die streitige Pabstwahl S. 52—56. Otto Schel-lert, Girard v. Ang. (Diss. Hai. 1880) weist Benutzung von Briefen S. Bern-hards nach.
J ) Vita Nurberti archiepiscopi Magd. ed. Wilmans, MG. SS. XII, 663bis 706. Migne CLVI. Uebers. v. G. Hertel 1880 (Geschichtschr. XII, 13).
2 ) Die ältesten Biographien des h. Norbert, Berlin 1874. AbweichendeAnsichten von Bernhardi, Jen. LZ. 1875, N. 427, u. G. Hertel, Forsch. XX,587—599, der einen Franzosen als Vf. des ersten, einen Magdeburger fürden besseren zweiten Theil annimmt, nebst verschiedenen Zuthaten. Ganzabweichend ist die Ansicht des Holland. Prämonstratensers G. van der Elsen,nach welcher A erst im 13. Jh. mit Benutzung anderer guter Quellen ausB geschöpft ist. Als Quelle für das Wunder von Soissons wird Guibertde pign. SS. II, 91 nachgewiesen. NA. XII, 430.
3 ) Zur Kritik der Vita Norberti c. 21: Ueber die streitige Pabstwahlvon 1130, S. 180-211.
4 ) Die Narratio de electione Lotharii, Forsch. VHI, 75—91.
5 ) Acta SS. Jun. I, 819—858. Bei Wilmans nur Bruchstücke alsAnmerkungen zur älteren Vita. Hs. in Wiesbaden NA. XI, 625. Magdeb.Geschichtsbl. XVI, 329-354.