260 V. Staufer. § 2. Die Zeit Lothars und Konrads.
geblieben war. Die beiden letzten Abschnitte über Heinrich V undLothar sind von 1121 an dem Verfasser, der bis dahin vorzüglich,vielleicht allein, die Rosenfelder Annalen 1 ) ausschreibt, eigenthüm-lich, haben aber auch nur sehr geringen Werth.
Viel verbreiteter als diese Summa war ein noch viel umfassen-deres und compendiöseres Werk des Honorius, eine Beschreibungder ganzen Welt, welche auch eine kurze Chronik enthält, die ineinen Kaisercatalog ausläuft 2 ). Trotz aller Dürftigkeit erhielt sichdiese Imago Mundi lange im Gebrauch und fand die weiteste Ver-breitung. Otto Doberentz hat die darin benutzten Quellen nachge-wiesen und gezeigt, dafs Gervasius von Tilbury, Rudolf von Emsu. a. daraus schöpften, dafs auch der deutsche Lucidarius, denHeinrich der Löwe sich für seinen Gebrauch zusammenstellen liefs,daraus geschöpft ist 3 ).
Wenig später, in den letzten Jahren des Königs Konrad, ent-stand auch in Regensburg das erste deutsch geschriebene Geschichts-werk, wenn man es so nennen darf, die Kaiserchronik 4 ), welche1147 bei Konrads Kreuzfahrt plötzlich abbricht, später bis auf Ru-dolf von Habsburg fortgesetzt. Sie ist in Versen geschrieben undbebandelt ausführlich nur die alte Geschichte in durchaus sagen-hafter Weise. Die Kaisergeschichte seit Karl dem Grofsen ist nichtnur ganz dürftig, sondern auch völlig entstellt und märchenhaft;merkwürdig ist dabei die sehr geringe Rücksicht auf die Päbste,welche kaum erwähnt werden. In dem Abschnitt über Lothar denSachsen und Konrad, wo der Verfasser auf die Gegenwart kommt,wird seine Darstellung ausführlicher und beachtenswerth; sein Stand-
') Sehum, Die Jahrbücher von St. Alban S. 60—65.
2 ) Der frühere Theil dieser Chronik findet sich auch zusammen gear-beitet mit Salzburger Annalen unter dem Titel Cronica Honorii. DieImago Mundi ist 1472 von Koburger und später häufig gedruckt, auch inder Bibliotheca Patrum Colon. XII, Lugd. XX. Sie wurde im 13. Jh. inOlav Tryggvesons Saga benutzt, MG. SS. XXIX, 392. Waitz über Jord.Osn. S. 15 tadelt die Fortlassung der Stelle über die Herkunft der Franken.Benutzung des Thietmar nach Herre, Ilsenb. Ann. S. 2, Anm. (gegen Kurze).
3 ) Zeitschrift f. Deutsche Philologie XII, 257—301; 387—451; XIII,29—57; 165—223.
4 ) Neue Ausgabe von Edward Schröder MG. Deutsche Chron. I. 1892.S. über dieses Eindringen der Sagen in die Geschichte auch Waitz inSchmidts Zeitschr. IV, 99 ff. Eine prosaische Auflösung der Kaiserchronikist das buoch der künege niuwer e, das sich vor dem Schwabenspiegel, theil-weise auch vor dem Spiegel deutscher Leute findet. Es reicht nur bis aufKonrad III, u. ist wesentlich mit der Absicht geschrieben, auf den Werthund die Nothwendigkeit von Recht und Gerechtigkeit hinzuweisen, nachRockinger bald nach 1260 von einem rechtskundigen Geistlichen desWürzb. Franken verfafst, nach Schröder in Schwaben in den 70 er Jahren.