Godehard und Wolfhere. 25
eigene Schule, die er nicht nur mit trefflichen Lehrern, sondernauch mit allem, was zur leiblichen Nothdurft erforderlich war, reich-lich ausstattete. Unter denen, welche Godehard zuerst aussandte,war auch Wolfhere, der die von ihm hergestellte Schule in Hers-feld besuchte; diese leitete damals der Probst Albwin, der 1034 Abtvon Nienburg wurde. Hier war Otloh sein Mitschüler 1 ); ein an-derer Mitschüler, Ratmund, Godehards Neffe, wurde 1027 zum Abtvon Nieder-Altaich berufen, und Wolfhere hielt sich auch hier einigeZeit auf, dann kehrte er nach Hildesheim zurück, wo er Domherrwurde und sich bald der Aufgabe zuwandte, Godehards Leben zubeschreiben. Ihn befähigte dazu aufser einer guten grammatischenAusbildung die persönliche Bekanntschaft mit Godehard in dessenletzten Jahren, und der Aufenthalt in Hersfeld und in Altaich, woihm Godehards erster Lehrer Rumold erzählt hatte, was sich biszu dessen Bischofswahl ereignet hatte. Schon damals hatte ihn Rat-mund dringend aufgefordert, das Leben Godehards zu beschreiben,und auch nach seiner Entfernung liefs Ratmund nicht ab, die Erfüllungdes einst gegebenen Versprechens zu fordern. So entstand diesereichhaltige Biographie, die uns jetzt in verschiedenen Bearbeitungenvorliegt. Zuerst nämlich begnügte sich Wolfhere mit einer Ueber-arbeitung von Bernwards Leben und der Hinzufügung einer kurzenFortsetzung über Godehards Wahl und die Anfänge seiner Wirk-samkeit 2 ). Indem er sich dann eine selbständige und ausführlichereBiographie Godehards zur Aufgabe machte und vermuthlich Jahrelang unter Händen hatte, brachte er jenes von Pertz zuerst heraus-gegebene ungemein werthvolle Werk 3 ) zu Stande, dessen gesuchte,mit Gelehrsamkeit prunkende Sprache vorzüglich in der über allesMaafs schwülstigen Vorrede wohl schon damals Anstoss erregt habenmag. Wenigstens vermeidet Wolfhere diese Fehler in seiner letzten,erst um das Jahr 1065 verfafsten oder doch vollendeten*) Ausgabe 5 ),
1 ) MG. SS. XI, 378.
2 ) Nur diese Fortsetzung ist gedruckt als Wolfherii Continuatio VitaeBernwardi, ed. Pertz, MG. SS. XI, 165—167.
3 ) Vita Oodehardi prior, ib. p. 167—196. In der lesenswerthen Vor-rede zur Uebersetzung der Vitae Bernw. et Godeh. (Gesehichtschr. 40, XI,2, 2. Ausg. 1893) hat Hüffer nachgewiesen, dafs diese Redaction nach 1035,aber vor Godehards Tod verfafst ist.
4 ) In den Forschungen z. Brand, u. Preufs. Gesch. I, 392 hat Brefslaunachgewiesen, dafs der c. 39 als verstorben erwähnte Bischof Folcwardvon Brandenburg erst nach Sept. 1063 Bischof geworden u. am 19. Mai,spätestens 1068, gestorben ist. Pertz nahm 1054 an.
5 ) Vita Godehardi posterior, ib. p. 196—218; dann noch Wunder p. 218bis 221. Eine Handschrift nachgetragen Archiv XI, 304. Vgl. GiesebrechtII, 559. Fast ganz werthlos ist die grofsentheils hieraus entlehnte, als