10 IV. Salier. § 1. Allgemeines.
Bruno, der Bruder des Grafen Adolf von Berg, befand sich derStudien halber in Paris, als die Cölner Erzbischofswahl ihn 1131zur raschen Heimkehr veranlafste'). Adalbert von Saarbrückenbegab sich mit glänzendem Gefolge von der Hildesheimer Schulenach Reims, wo, wie zu Gerberts Zeiten, die logischen Studienihren Hauptsitz hatten. Als seinen Lehrer verehrte er vorzüglichjenen Albricus, der auch "Wibalds Lehrer war, 1136—1141 Erz-bischof von Bourges. Auch viele Engländer hielten sich der Studienhalber in Reims auf; sie geriethen bei den Weihnachtspielen ineinen Kampf mit Franzosen und Deutschen, den Adalbert stillte.Weiter begab sich dieser nach Paris, hörte auch noch die gelehrtenAerzte zu Montpellier, und kehrte in die Heimath zurück, bevoram 13. Juni 1137 sein Oheim Erzbischof Adalbert I gestorbenwar, dem er im folgenden Jahre auf dem Mainzer Stuhle nach-folgte 2 ). Wibald rühmt aufser Albricus noch Anselm von Laon,Wilhelm von Champeaux und Hugo von St. Victor 3 ). Albero vonTrier (1131—1152) war selbst ein Franzose und holte sich auchvon dort seinen Scholasticus Balderich. Von der HalberstädterSchule soll Ludolf aus Kroppenstedt nach Paris geeilt sein und dort20 Jahre (c. 1139—1159) studiert haben 4 ); 1192 wurde er Erzbischofvon Magdeburg und wird als vir litteratissimus bezeichnet 5 ). InBöhmen spricht schon Cosmas von den jungen Philosophen, die vollvon Franciens Schätzen heimkehrten, und Bischof Daniel von Prag(1148—1167) hatte in Paris studiert, Lucas von Gran dort denGirardus Puella gehört 6 ). Immer entschiedener wurde Frankreichdas Hauptland der Kirche, der Sitz aller theologischen Gelehrsamkeit,wie auch von dort die neuen Mönchsorden ihren Ursprung nahmen,und Deutschland konnte seine frühere Geltung den Nachbarn gegen-über nicht mehr behaupten.
Die Geschichte Deutschlands erklärt es zur Genüge, dafs diealler Orten so reich und kräftig erblühenden Studien nur in wenigenglücklichen Fällen den Sturm überdauern konnten; gerade diegeistlichen Stifter, die Sitze der Bildung, wurden von der unheil-vollen Spaltung in ihrem innersten Kerne ergriffen und zerrissen,und in Deutschland blieb alles stumm, wenn der Clerus schwieg.
!) Balderici Gesta Alberonis cap. 11. MG. SS. VIII, 249.
2 ) Vita Adelberti II bei Jaffe, Bibl. III, 565—603.
3 ) Bibl. I, 278, ep. 167.
4 ) Gesta archiepp. Magd. SS. XIV, 417. Schoeppenchr. S. 122.6 ) Chron. Montis soreni ad a. 1203.
c ) Cosm. III, 59. Gorl. ad a. 1167. Gualt. Map de nugis curialium ed.WrightU, 7.