8 IV. Salier. § 1. Allgemeines.
nichts geachtet habe, weil er in der Heimath erzogen war und nichtam Rhein oder in Gallien seine Studien gemacht hatte, wo dieDeutung des "Wortes Gallia zweifelhaft ist 1 ); Heriberts Vetter Willi-ram aber bezeugt, dafs damals zahlreiche Schüler aus diesen Gegen-den den Lanfrank im Kloster Bec aufsuchten. Maurilius aus Reims,in Lüttich gebildet, lehrte einige Jahre in Halberstadt als Dom-scholaster, bis ihn der zunehmende kirchliche Eifer ins KlosterFecamp trieb, endlich aber 1055 zum Erzbisthum Rouen führte 2 ).Grofsen Ruhui erwarb sich dagegen in Frankreich der deutscheMagister Manegoki, früher Lehrer Dietgers von Metz, der um 1070nach Frankreich ging, wo er "Wilhelms von Champeaux Lehrerwurde; seine Frau und seine Töchter unterstützten ihn in seinemLehrberuf, um 1090 aber ist er in ein Kloster eingetreten 3 ). AuchBischof Reinhard von Halberstadt (1107—1123), aus der Familieder späteren Grafen von Blankenburg, soll in Paris studiert und vonSt. Victor die Vorliebe für den Orden der Regulierten Chorherrenmitgebracht haben, welche er in Sachsen einführte. Seiu Neffe Hugowurde in Hamersleben erzogen und trat gegen den Wunsch derSeinigen in den Orden ein; als der Krieg mit Heinrich V entbrannte,begab er sich auf den Rata seines Oheims nach Paris, wurde 1115Chorherr von St. Victor, und bald ein hochgefeierter Lehrer, bis er1140 starb 4 ). Ein Mönch von Abdiughof trug um 1100 Gedichte,welche um eben diese Zeit in Auxerre verfafst waren, in eine Hand-schrift seines Klosters ein 6 ). Später erschieu es als so selbstver-
') „Non juxta Renum seu in Gallia doctus." Anon. Baserensis, MG.SS. VII, 261. Dümmler, Anselm S. 9 bemerkt richtig, dafs nach dem ge-lehrten Sprachgebrauch der Zeit Gallien das Eheinland bezeichnen kann;vielleicht ist Lothringen gemeint. Auch die Briefe in Sudendorfs Rogistr.III, 1—3 zeigen eine lebhafte Verbindung mit Frankreich um die Mittedes elften Jahrhunderts; die zugesetzten Namen aber sind schwerliehrichtig. Um 1110 hatte ein Mönch bei Barisy unweit Coucy zwei vor-nehme deutsche Knaben bei sich, um ihnen die französische Sprache bei-zubringen; Guib. Novig. Monod. III, 5 (Opera p. 500).
2 ) Acta Archiepp. Rothomag bei Mab. Anal. p. 224. Gallia Chr. XI,30. Von Halberstadt heilst es: Qui locus in Saxonia ditissimus habetur."Von Fecamp begab sich Maurilius in eine Einsiedelei des Appennin,wurde Abt von S. Maria in Florenz und zog sich von da wieder nachFecamp zurück; in Halb, mag er daher um 1040 gewesen sein, unterBurcbardl (1036 — 1059). Ordericus Vitalis (MG. SS. XXVI, 19) nenntihn wohl irrig genere Magvntinvm. Gerühmt wird er von Guil. Pictav. MG.SS. XXVI, 822.
3 ) Zu unterscheiden von Manegold von Lautenbach, wie W. v. Giese-brecht gezeigt hat, SB. der Münehener Akad. 1868 S. 308.
4 ) Derling (praes. G. G. Keuffel) Diss. de Hugone a. S. Victore, Heimst.1745, 4.
5 ) Dümmler, NA. I, 183.