2 IV. Salier. § 1. Allgemeines.
Mönch genannt, Almerich der Bär, aus dem Kloster St. Peter adCoelnm aureum in Pavia, den Heinrich 1039 zum Abt von Farfaernannte 1 ). Ohne Zweifel hat aber auch Konrads Caplan Wipo, aufden wir bald zurückkommen werden, grofsen Antheil an seiner Er-ziehung gehabt. In der Novaleser Chronik (App. c. 17) wird Hein-rich im Gegensatze zu dem idiota Konrad als bene peritia litterarumimbutus bezeichnet. Mit Berno von Reichenau stand er in littera-rischem Verkehr, und in Tegernsee liefs er Bücher für sich ab-schreiben 2 ). Der französische Mönch Arnulf widmete ihm und derKaiserin, als ihr Sohn Heinrich IV schon König war, eine poetischeBearbeitung der Sprüche Salomonis, welche er Deliciae cleri nannte 3 ).Williram, den er in jungen Jahren (1048) aus Fulda nach dem armenEbersberg versetzt hatte, rühmt in der "Widmung seiner Paraphrasedes Hohen Liedes, die an den eben erwachsenen Heinrich IV ge-richtet ist, dafs dessen Vater ihn immer unterstützt habe 4 ).
Vorzüglich erscheint Heinrich III als Gönner der Wissenschaftund ihrer Verehrer in der seltsamen Schrift des Anselm von Be-säte 5 ), der sich selbst als Peripatetiker bezeichnet. Aus vornehmerlombardischer Familie, mit den angesehensten Bischöfen verwandt,selbst ein Mitglied der Mailänder Geistlichkeit, Schüler des gefeiertenLehrers Drogo von Parma, durchzog er mit der von ihm verfafstenRhetorimachia, welche Drogo gebilligt hatte, Italien, Burgund undDeutschland, wo er Basel, Augsburg und Bamberg hervorhebt, undbestand in Mainz, das er diadema regni nennt, eine philosophischeDisputation mit deutschen Gelehrten. Dem Kaiser aber die Schriftzu überreichen, in seine Capelle einzutreten, war sein Hauptzweck.Was weiter aus ihm geworden ist, wissen wir nicht, niemand nennt
') Historiae Farfenses, MG. SS. X, 559.
2 ) S. Strehlke im_ Archiv d. Wiener Akad. XX, 193.
3 ) Sigeb. de scriptt. eccl. c. 157 erwähnt ihn; Fabricius nennt ihnMönch von Corbie, ohne Angabe der Quelle. Neue Ausgabe von J. Huemerin Vollmöllers Roman. Studien, II, 211—246; Berichtigungen und Nachweisder Quellen von E. Voigt ib. S. 383—390.
4 ) H. Reichau, Williram Abt zu Ebersberg (Magd. Progr. 1877) hältdiese Widmung für unecht: es ist aber gar nicht einzusehen von wem undzu welchem Zweck sie in späterer Zeit erdichtet sein sollte.
5 ) Nach den früheren Mittheilungen von Haureau (der die Disputationnach Paris verlegt) und Jos. Klein, hat E. Dümmler sich der mühevollenAusgabe und Erläuterung derselben unterzogen: Anselm der Peripatetiker,nebst anderen Beiträgen zur Literaturgeschichte Italiens, Halle 1872. UeberAnselms Rechtskenntnifs Fitting: Zur Geschichte der Rechtswissenschaft(1875) S. 9, und Die InstitutioneDglosse des Gualcausus (1891) über eineRechtsschule in Pavia, wo in Anselms Lehrer Sichelm von Reggio derVerfasser einer Schrift vermuthet wird. Urkundlichen Nachweis über seineAbstammung und Verwandtschaft giebt H. Brefslau, NA. III, 419.