72 Drittes Kapitel.
herrschende despotische System in vielen Schichten desVolks hervorzurufen.
Es ist bereits erwähnt worden, dass nachdem die Tartarenin China zur Macht gelangt waren, sich dieselben nach denvergeblichen Versuchen, ihre Herrschaft auch auf Corea aus-zudehnen, mit der Erneuerung der alten Verträge begnügthatten, nach welchen dem chinesischen Kaiser eine Art Lehns-herrschaft eingeräumt worden war und Corea sich zu einerbestimmten Tributzahlung verpflichtet hatte. Anfänglich undsolange noch irgendetwas von dem mächtigern Nachbarzu befürchten war, schickte sich Corea mit ziemlich guterMiene in diese Verträge; als aber die Macht Chinas ver-fiel und diejenige Coreas wuchs, sank die Erfüllung der-selben im Laufe der Zeit immer mehr zu einer blossenFörmlichkeit herab, an welcher nur aus alter Gewohnheitfestgehalten wurde. Der Austausch von Gesandtschaftenzwischen Peking und Saoül, der ursprünglich ziemlich regel-mässig stattfand, beschränkt sich heutzutage auf eine, zugewissen Zeiten nach Peking entsandte coreische Bot-schaft, die dem chinesischen Kaiser Landesproducte, wiePapier, Ginsing u. s. w., in der Form von Geschenkenüberbringt, welche durch Gaben gleichen Werthes erwidertwerden. Chinesischerseits wurden in frühern Jahren dannund wann ebenfalls Gesandte an den Hof des Königs vonCorea gesandt, die anfänglich wenigstens, mit ziemlicherArroganz auftraten. Später indess, und je mehr sich dieMacht der coreischen Regierung befestigte, wurden diesechinesischen Abgesandten, wenn auch mit äusserlicher Höf-lichkeit empfangen, so mit Spionen umgeben, die alle ihreSchritte bewachten, dass sie eher wie Gefangene denn Ge-sandte einer oberherrlichen Macht erschienen. Wahrschein-lich um sich dieser Behandlung nicht mehr aussetzen zumüssen, haben chinesische Gesandtschaften nach Corea seiteiner Reihe von Jahren nicht mehr stattgefunden.