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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
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Der Vorgang der Selbstentwicklung.

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bei dem ohne richtige und rechtzeitige Kunsthülfe Mutterund Kind verloren sind. Nie darf man nach Constatirung einerSchulterlage auf die Naturhülfe hoffen — es wäre nicht weniger thö-richt, als wenn man bei einer Feuersbrunst um Regen beten wollte.

Die Selbstentwicklung ist selten. Rieke fand auf 220,000 Ge-burten nur 10, Busch in 6180 nur 2, Späth unter 12,523 5, Kühnunter 17,375 9, und Arneth in 6608 gar keinen Fall.

Kleinwächter gibt eine grössere Häufigkeit an.

Fig. 161.

Selbstentwicklung III.

Es darf in geburtshülflich - therapeutischer Hinsicht nur von einer Be-günstigung der Selbstentwicklung die Rede sein, wenn die Selbstent-wicklung schon ihren Anfang genommen hat und der Rumpfschon zusammeng,e bogen ist.

Die Begünstigung besteht in einem sehr kräftigen Zug am Arm nach ab-wärts und gegen den Kopf des Kindes hin, um durch Hebelwirkung den Steissüber die Symphysis sacro-iliaca herunter zu bringen.

Wir erwähnen hier kurz die Fälle, wo dieser Zug im kritischen Momentgeholfen hat. Röderer beschrieb eine Selbstentwicklung, welche die betreffendeHebamme nach langem Ziehen am Arm endlich fertig brachte; Baudelocqueund Monteggia konnten an den 2 vorgefallenen Armen ziehen. Es sind fernernoch Fälle beschrieben von Stephens, Hemmers und in allerneuester Zeit vonChiara in Mailand.

Damit ist in bestimmtester Weise die Situation eingeschränkt, in der manam Arm ziehen darf, und wir heben dies aufs nachdrücklichste hervor, damit janicht die Einrede, es gebe ja Fälle, wo man bei Schulterlagen am Arm ziehendürfe, als Ausflucht benützt werden könne für di« allersehlimmsten Kunsti'ehler,die man sich denken kann.

Im allgemeinen ist der Rath richtiger, in jedem solchenFall die Embry ötomie zu machen und durch Einsetzen von Hakenan den Rumpfund das Becken des Kindes die Selbstentwicklungzu begünstigen, nicht aber durch einen Zug am Arm.