beilegen, welche Horaz bescheiden das dulce lenimen nennt. Undsolch eine lindernde Arznei ist Kortum's Jobsiade einem großenTheile seiner deutschen Mitwelt geworden, und dies auf eine sobescheidene Weise, daß manche Patienten sich der Wirkungen er-freuen, ohne daß sie sich des Einnehmens der Arznei selbst bewußtgeworden sind.Die Größe eines Mannes ist oft durch allerlei kleine undlocale Umstände bedingt. Ich möchte dieses auch auf Kortummit dem besondern Zusatze anwenden, daß ihm grade dasjenigenützlich wurde, was andere zu beeinträchtigen pflegt. Kortumlebte nämlich nie in großen Städten und auch stets so fern vonihnen, daß ihre Einflüsse ihn nicht trafen. Bochum, wo er dengrößten Theil seines Lebens zubrachte, war eine kleine Stadt vonungefähr 2000 Einwohner in der Grafschaft Mark, dem KönigreichPreußen angehörig. Es ist dieser Ort zwar in der ältern Litterair-geschichte nicht unbekannt, aber in jener Zeit hatte er auch nichteinen litterairisch bewährten Mann in seinen Mauern. KortumsUmgebung war nicht anders als ein thätiges, besonnenes Acker-volk, welches, den ihm überlieferten Grundsätzen und Sitten treudamals unter dem Scepter Friedrichs II. stand, und vondiesem höchst freisinnig in hergebrachter Weise regiert wurde.Aber diese Umgebung war durchaus nicht ungebildet, dabei offen,gemüthlich und bieder; es war eine Umgebung ganz dem Charakterunseres Dichters angemessen. Dieser stand in ihr fern von denfalschen Reizen und Beziehungen des Lebens, er durfte die Mis-verhältnisse, wo er sie traf offen belachen, jedem Stande, jeder Würdeihre Unziemlichkeiten vorhalten, die eiteln Beziehungen des Lebensüberall aufweisen, überhaupt sich ganz gehen lassen. Er stand inseiner Umgebung vollkommen, wie innerlich auch äußerlich frei,und besaß also, wie Jean Paul in der Vorschule der Aesthetik,Band II. Seite 329 richtig bemerkt, dasjenige, was den meistenDeutschen fehlt, was aber ein jeder haben muß, um witzig zu sein;und brauchte nicht, wie Liskow beklagen, daß er unter Männernlebe, die jeden Kritiker einen Pasquillanten nennen, und jedenScherz bei der Obrigkeit verklagen.So unser Dichter; und das Jahrhundert, welches zu ihmhintrat, und welches seine Feder gezeichnet hat? Es war einUebergangs = Jahrhundert. In dasselbe fällt der Kampf desBreiten und Abgemessenen mit dem auf die Spitze Getriebenenund Maaslosen, des zur guten Sitte gewordenen Schlendriansmit den unbewährten, schrankenlosen Theorieen, in dasselbe fälltdie hohle Vornehmthuerei und das plumpe Pöbelwalten, dastrockene steife Spießbürgerthum und der ungestüme Freiheitshalloh,die zum System erhobene Freigeisterei und der krankhaft schwär-mende Tiefsinn mit sodomitischen Auswüchsen, die jesuitischen
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