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Sprachliche Untersuchungen zu Christian Wierstraats Chronik der Stadt Neuss : ein Beitrag zur Sprachgeschichte des Mittelfränkischen im XV. Jahrhundert
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Cliaracteristik des Dichters und seines Werkes.

Wenn wir Wierstraat gerecht werden wollen, so müssenwir bei der Beurtheilung seines Werkes von den Forderungenabseilen, die wir au eine moderne Dichtung zu stellen berech-tigt sind. Einen Anspruch auf echten dichterischen Wortlikann die Reimchronik ebenso wonig machen, wie etwa dergereimte Büchercatalog des Püterich von Richartshausen, läuftdoch derSchluss wirklich auf eine Katalogisirung hinaus, indemganz genau angegeben wird, wie viel Ritter, Ringer, Knechteund Frauen geblieben, wie viel Häuser zerstört, wie viel Wein,Bier, Roggen etc. während der Belagerung aufgewendet wordenist. Des Chronisten Absicht war aber auch nicht, ein denGesetzen der Aesthetik entsprechendes Kunstwerk zu schaffen,er wollte einerseits seinen Mitbürgern jene Sehrcckenstage, diesie selbst mit durchlebt, noch einmal vor die Seele führen,sodann aber auch anderen Städten practische Winke geben,auf welche Weise sie sieh im Falle einer Belagerung versehensollten (vgl. V. 3111 ff.).

Diesen Zweck hat Wierstraat ganz erreicht und , nochmehr: Auch wir, die wir durch Jahrhunderte von jenen Er-eignissen getrennt sind, werden der Erzählung Wierstraatsmit Interesse folgen; denn, obgleich er nur die Thatsachengetreu erzählen will, wird er doch fast nie zum trockenenBerichterstatter; seine Darstellung ist eine so lebendige, seineBegeisterung für das muthige und opferwillige Neuss eine soungekünstelte, dass wir uns unwillkürlich in jene stürmischenZeiten hineinversetzt denken, dass wir mit warmer Theilnahme