■\UE 1 i 1 1 Linsf. ULB Düsseldorf +3051 647 01 PRUUDAM NACHFOLGE!) | karl hon i kukstbuchbinderei [Düsseldorf! SPEACHLIC HE UNTERSUCHUNGEN zu CHRISTIAN WIERSTRAATS CHRONIK DER STADT NEUSS. EIN BEITßAG ZUR SPRACHGESCHICHTE DES MITTELFEÄNEISCHEN IM XV. JAHRHUNDERT. INAUGUKAL-DI8SERTATI0N ZUR ERLANGUNG DER PHILOSOPHISCHEN DOCTOItwDltDE AN DER UNIVERSITÄT LEIPZIG VON THEODOR EWALD MEINERICH. .--.-:: LEIPZIG, DU'UCK VON METZGER & WITTIU. 18K5. [ff v c f (LANDES-. fUND STADT- 3 BIBLIOTHEK iDQSSEÜ 40. fofä Die Neusser Reimclironik trägt den Titel: Dyt is dye historie van der Eirlicher Stat Nuys wye dye strenglich be- leegen gewest ist van Hertzoch Karll van Burgondien ind van Brabant Anno MCCCCLXXIIII. Ein Akrostichon, das sich durch einen Theil .der vorliegenden Chronik hindurchzieht, gibt uns den Namen des Verfassers und den Zeitpunkt der Vollendung des Gedichtes an: Christianus : wierstraat dietavit anno domini millesimo quadringentesimo septuagesimo quinto. Et complevit in pro- festo 2 beati tliome apostoli ad honorem domini nostri jhesu cristi et gloriose virginis marie ac beati martiris saneti Quirini 3 nee non ad perpetuam rei memoriam. O felix Colonia, o pulchra Nussia hec vobis mittit dietamina. Von den Lebensverhältnissen des Verfassers wissen wir nichts weiteres, als dasjenige, was in der prosaischen, wahrscheinlich vom Drucker herrührenden Einleitung gesagt wird: die gantze geschieht ind dye hystorie van dem belech der Eirlicher >Stat var Nuys is sere kunstlich und meisterlich mit manigerley manier der rymen van dem synrychen Secretarius der vursz Stat zo der zijt. Dass ein Stadtschreiber Verfasser eines solchen Werkes ist, darf uns nicht befremden '*, gerade dieser Stand entwickelte, seitdem die Dichtkunst zum Bürgerthum gekommen, eine rege litterarische Thätigkeit. 1 Irrthümlicher Weise nennt Heinzel in der „Niederfrank. Geschäfts- ■sprache" 255 den Verfasser Claus Wierstraat. 2 Mittwoch, den 20. December 1475. 3 Schutzpatron der Stadt Neuss. 4 Ich erinnoro nur an Job. Kothe („Leben d. hl. Elisabeth), Goti'rid Hagen („Köln. Reimclironik"). Sebastian Braut u. s. \v. 1* IM/1 Ü Handschriftlich ist uns das Werk nicht überliefert, wir besitzen nur einen Druck aus dem Jahre 1497, der, wie am Schlüsse bemerkt, in Cöln erschien: gedruckt ind volendt zu Coellen up sent Quiryns avent ] anno MCCCCXCVII. Von diesem Drucke sind mir nur zwei Exemplare bekannt, das eine, wahrscheinlich dasselbe, welches Groote benutzte, befindet sich jetzt auf der »Stadtbibliothek zu Cöln, das andere ist im Besitze der Leipziger Universitätsbibliothek. Herausgegeben wurde die Chronik von E. von Groote, Cöln 1855, im Ganzen correct; folgende Ungenauigkeiten ergaben sich bei einer Vergleichung des Grootesehen Textes mit dem alten Drucke: Verszeile 73 lies burgonsche statl ; burgonsche] » 178 >j nw jj uw ?■ 182 JJ rittersohaft jj ritterhafft u 345 JJ sweyrlich jj sweelich ?> 487 JJ tzor jj tzo j? 512 JJ was j? war jj 515 JJ seer jj seex ?> 517 JJ synre jj syner ;j 526 JJ weyrlieh jj weyrlick V 546 JJ dye ?j sye ?' 612 JJ frauw jj fraw )7 619 JJ Ia jj Ind j; 649 JJ weyr jj wey j> 659 JJ ind jj in jj 840 2 JJ hrant jj brant V 916 JJ vernaemen jj vernaement ?j 1703 JJ drijn jj drijen »j 1773 JJ groyt jj goyt ?) 1775 JJ Ind jj in jj 1836 JJ groisser jj groissen ?j 2181 J! mettgen jj metgen j) 2304 JJ verlorn jj verloren 7J 2382 JJ ich jj ick ?> 2703 JJ man jj nan JT 2840 JJ pauws jj paws JJ 2896 JJ moyst jj moyssz 1 Donnerstag, den 23. März 1497. 2 Durch ein Versehen des Druckers ist das b im brant in die vorhergehende Zeile und das li von hant in diese Zeile (840) geruckt. Den Inhalt der Chronik bildet die Belagerung der Stadt Neuss durch den Herzog Carl von Burgund im Jahre 1474. Dass sie auch schon in früherer Zeit Interesse erregte, beweist der Unistand, dass im Jahre 1564 in Cöln eine Umarbeitung der Wierstraatschen Historie erschien, über welche von Groote S. XXIX die Mittheilung macht: Um das Jahr 1564 erschien, vielleicht nicht ohne bösliche Absicht, eine travestierte Umarbeitung der Wierstraatschen Historie mit Holzschnitten zu Cöln bei G. Hirtzhorn, deren nähere Würdigung dem Zwecke gegenwärtiger Ausgabe fremd ist." Mehr über diese Bearbeitung gibt A. Kohn (Berlin) in dem CXXXVI. Kataloge seines antiquarischen Bücherlagers Seite 26f. Der Titel ist folgender: Warhaftige historia und beschreibung der harten strenglichen und langwirigen belegerung der löblichen Stadt Neuss, gesehen durch Hertzoch Karolen von Burgundien und Brabant: Im Iar 1474 (Holzschnitt) letzo auffs new fleissich in rein Teutsch gebracht und getruckt zu Colin 1564, Durch Antho- nium und Arnoldum Keyser, Gebrüder 1564. Kohn a. a. O.: Das Buch ist nicht von G. Hirtzhorn gedruckt, welcher nur die Herausgabe besorgt hat, wie aus seiner Dedication an den Rath von Neuss hervorgeht. Die letztere ist vom 20. August 1564 datirt und unterzeichnet: Gottfridt Hirtzhorn, Buchdrucker jnne Colin. Die Vorrede des Buches lautet: Es ist nicht new, das ich euch schreib Bey der alten history ich bleib Das ich die nur in Deutsch sprach bring Das ist's allein, darnach ich ring . Damit es mög ein jeder man Leichter erkennen und verstau. Ir wissend wol ohne Zweyffell zwar Wie undeutlich und wie unklar Solchs meldt das alte Exemplar Das in der srjrach ganz finster war. Mit Recht weist Kohn darauf hin, dass aus dieser Vorrede hervorgehe, dass eine böswillige Travestirung, wie sie Groote anzunehmen geneigt ist, dem Bearbeiter fern gelegen habe. Leider habe ich trotz aller Bemühungen die Bearbei- fi — tung nicht zu Gesicht bekommen können, so chiss ich etwas Bestimmtes über sie und ihr Verhältniss zur Vorlage anzugeben ausser Stande bin. Es möge mir gestattet sein, an diesem Orte wenigstens eine Bemerkung über den muthmass- lichen Verfasser zu machen. Hans Wilhelm Kirchhof 1 bringt in seinem „Wendunmuth" ein Kapitel mit der Uebersehrift: Hertzoch Carol von Burgund belagert Neuss anno 1474 mit folgendem Inhalt: Diese Belagerung, wie sie schier von Anfang bisz ans ende, und von einem tag auff den andern ergangen, ist von einem Christianus Weigerstrasz geneunet, der damals in der statt mit und darbey gewesen, in flammischer Sprach sehr floiszig und roinicns weisze auffgemerekt und beschrieben, welches, weil es bey uns etwas seltzam und ungewohnet, hab ich os in ein sonderlich büchlein in verstendlich teutsch voriger Zeit gebracht, darausz, wie auch sonst ausz andern mehr diese historia, nicht umständlich, sondern summarie ist verzeichnet. Der Weigerstrasz nennet ein grob stück geschütz ein bombard; pulver, donnerkraut, die grosse kugeln, sonderlich aus den steinbüchsen, so die Oberländer pöler nennen, ein teumeler; ein fähnlein, ein wimpffen; cloet, ein kugel; pawelon, ein zeit." Die Thatsache steht also fest, dass Kirchhoff die Wier- straatsche Reimchronik übertragen hat in Gemeindeutsch. Wenn wir ferner seine Angabe, er habe diese historia nicht „umständlich" sondern „summarie" verzeichnet mit der Mittheilung Löhrer's 2 , der die Ueberarbeitung offenbar eingesehen hatte, combiniren, so kann man die Vermuthung, Kirchhoff sei eben der Ueberarbeiter der Chronik, einen gewissen Grad von Wahrscheinlichkeit nicht absprechen. In Beziehung auf die Chronologie macht die Autorschaft Kirchhoffs keine Schwierigkeit, 1 Kino noito Ausgabe veranstaltete H. Oestorley Wendunmuth von JJ. AV. Kirchhoff, 5 Bände, Stuttgart (i)5. !>!>. J'ul.l. d. litt. Vereines). Im V. Bande sind Nachweise über den Verfasser, sein Leben und seine Werke gegeben. 2 Lölirer „Geschichte der Stadt Neuss" 1840 S. III bemerkt, dass in jener Ueberarbeitung Manches, was von dem frommen Sinno der Neusser erzählt worden, ausgelassen sei. da er, geboren wahrscheinlich im Jahre 1525* sehr wohl schon 15G4 litterarisch thätig gewesen sein "konnte. Neuerdings hat Braune in dem Einleitungsaufsatze der von ihm und Paul hrsg. Zeitschrift S. 17 wieder auf die Wierstraatsche Chronik aufmerksam gemacht und mit Recht auf ihre sprachlich interessante Seite hingewiesen. In Folgendem soll nun der Versuch gemacht werden, zunächst eine Characteristik des Dichters und seines Werkes zu geben, dann die Laut- und Flexionsverhältnisse im Anschhiss an den vorher erwähnten Braunesehen Aufsatz zur Darstellung zu bringen und zwar aus dem Grunde in ausführlicherer Weise, weil nach dieser Seite hin die Zeit des Ueberganges von der mhd. zur nlid. Periode verhältnissmässig wenig Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchung geworden ist; daran anschliessen soll sich eine Uebersicht über die bemerkens- werthesten syntactischen und lexikalischen Erscheinungen mit Berücksichtigung der verwandten Formen in den benachbarten deutschen Dialecten, dem niedersächsischen, niederländischen und gemeindeutschen. Oesterley Bund VS.3 ft'. Cliaracteristik des Dichters und seines Werkes. Wenn wir Wierstraat gerecht werden wollen, so müssen wir bei der Beurtheilung seines Werkes von den Forderungen abseilen, die wir au eine moderne Dichtung zu stellen berechtigt sind. Einen Anspruch auf echten dichterischen Wortli kann die Reimchronik ebenso wonig machen, wie etwa der gereimte Büchercatalog des Püterich von Richartshausen, läuft doch derSchluss wirklich auf eine Katalogisirung hinaus, indem ganz genau angegeben wird, wie viel Ritter, Ringer, Knechte und Frauen geblieben, wie viel Häuser zerstört, wie viel Wein, Bier, Roggen etc. während der Belagerung aufgewendet worden ist. Des Chronisten Absicht war aber auch nicht, ein den Gesetzen der Aesthetik entsprechendes Kunstwerk zu schaffen, er wollte einerseits seinen Mitbürgern jene Sehrcckenstage, die sie selbst mit durchlebt, noch einmal vor die Seele führen, sodann aber auch anderen Städten practische Winke geben, auf welche Weise sie sieh im Falle einer Belagerung versehen sollten (vgl. V. 3111 ff.). Diesen Zweck hat Wierstraat ganz erreicht und , noch mehr: Auch wir, die wir durch Jahrhunderte von jenen Ereignissen getrennt sind, werden der Erzählung Wierstraats mit Interesse folgen; denn, obgleich er nur die Thatsachen getreu erzählen will, wird er doch fast nie zum trockenen Berichterstatter; seine Darstellung ist eine so lebendige, seine Begeisterung für das muthige und opferwillige Neuss eine so ungekünstelte, dass wir uns unwillkürlich in jene stürmischen Zeiten hineinversetzt denken, dass wir mit warmer Theilnahme allen Bemühungen der Belagerten, sieh von den Feinden zu befreien, folgen. Besonders gelungen sind die" Theile, in welchen die Belagerer und Belagerten abwechselnd einander Spott- und Drohworte zuwerfen, und in denen sich der gesunde, wirkungsvolle Humor Wierstraats Bahn bricht. Hierher gehören die Verse 387—415. Vor den Mauern springen und pfeifen die Burgunder und rufen hohnvoll: Syet naber, ghy moyt blyven nu moegdy nyrgend uyt wy wyllen naerre drijven ind oloppen u dye lmyt naber, gy moyt oick hangen u wijff behalden wy gheen nemen wy gefangen gy syt eyn vuyll parthij u. s. w. 601 fordern die Neusser ilire Feinde auf, doch nur näher heranzukommen: will ir niet bas heran uwer willen wir verbeiden, segt Vlemynck bi seilt Jan. Als im Lager der Burgunder ein grosser Brand entstanden war, rufen die Neussou ihnen zu: wat onw naeber, lays byrnen vrij sent Qniryn wil dich sus sehenden 1620 ff. Die Neusser haben ein grosses Turnier veranstaltet, denn Dy moyssen sieh wat ergetzon des arbeytz swayr up den letzen ind maclien dem fürst frewden sehyn man mach alltzijt niet droevich syn. Ueber dieses fröhliche Treiben der Gegner ärgern sich die Burgunder ganz gewaltig und Wierstraat vorstellt es nun trefflich, diesen Aergor aus den Worten der Belagernden her- auskliugen zu lassen: 1635 ff.: I naber wat ick heb gehoirt hebdy dayr noch lust zo steiken mach u dit belegli niet breiken 10 steckspoill ind frewde to maycken. secker dat synt frembde saycken! Entsyedy naber oick niet meer van Burgonyen den groeten beer benedijst wat sali ick seggen gady dair noch steckspoell leggen! Mit den Worten: Addeuw naeber gliy duet yem recht verabschieden sich die Burgunder, natürlich ist dieses Zu- geständniss nur ironisch gemeint, innerlich denken sie: Wartot nur, wir werden euch schon die Lust zu fröhlichen Reiterspielen veitreiben. Köstlich ist auch der Humor in den Versen 2(170—83, in welchen sich die Erbitterung der Belagerer gegen die Neusser Luft macht, welche sich dadurch von ihren Bedrängern befreit hatten, dass sie eine Anzahl mit Unrath gefüllter Fässer auf die Feinde geschüttet hatten: Brengt uns nu dusent duvell her tfij naber! mit den vuylen strunt wilt uns doch niet meer untreynen! schiet ind slaet ind werpet mit steynen laut den vuylen strunt hyr buyten! van groten stanck geet man sluyten ons buytten der heren Kammer. Seer gewundt weer uns bequamer, ind war wy haalden eyn getzenk malch ruympt sich van uns dorcht gestenck, uns waepen cleyt ind uns habijt wirt uns entreent to groiten spijt mit den stynckenden vuylen schijt! Nach der stilistischen Seite hin theilt er die Schwächen seiner dichtenden Zeitgenossen. Die zahlreichen Flickwörter, wie sunder wayn, sunder truren, sunder spot, int offenbayr, sunder mijden, Reimschlüsse, wie sie sich seit dem XIII. Jahrb. im poetischen Stile entwickelt hatten, mehr oder minder nichtssagende Formeln, die fast auf jeder Seite zu finden sind, wie syt des gewis, geleutft mir das, as ich verstayn u. s. w. beweisen es zur Genüge. Obwohl er sich keinesfalls bemüht, recht knapp und bündig zu schreiben, im Gegentheil mehr 1 1 die Neigung zeigt denselben Gegenstand zwei oder drei Mal auf verschiedene Weise darzustellen, so verzichtet er doch liier und da auf eine ausführlichere Darstellung oder verweist seine Leser auf andere Quellen: 2036 dair van will ich im swijgen still. 2901 meer mach ich niet dair äff sagen. 2920 vill zo sjjrechen will ich mijden 21 ff. werdt wyssen wyl, der mach dat sueohen in alden ind in nuwen buechen ouch in gemeels up manchen duechen in taeftlen und wenden hart. Aengstlich besorgt, er könne durch sein Werk Anlass zum Aergerniss geben, versichert er ausdrücklich, dass er seine „Rede" Niemandem zu Leid, zu Spott, zu Holm geschrieben habe (3066) und bittot alle Leser, seine gute Absicht nicht zu verkehren. Die realistische Ausmalung erstreckt sich bis auf die geringfügigsten Einzelheiten, er erzählt uns mit behaglicher Treue, wie die Bürger von Neuss gezwungen wurden, Pferde zu schlachten, nun ass man die Lebern, die Lungen und dio Zungen, gerade so, „as offt ossenvleysch gewest wer"; vam smalz man uyss den perden bracht, wurden vette zopjien gemacht. Während der Fasten musste der Genuss des Pferdefleisches unterbleiben, und mau begnügte sich nun mit Honig, Oel und Erbsen , aus den Stadtgräben holte man Schnecken, dazu suchten sich die Neusser allerlei „wunderlichs kruyt" zu Gemüse. Der Schilderung widerwärtiger Scenen, wie sie wohl jeder Krieg darbietet, enthält er sich im Allgemeinen; seine Darstellung gewinnt dadurch einen Vorzug vor anderen Dichtungen, die ungefähr gleichzeitig auf benachbartem Boden entstanden sind (so z. B. das „Liden der h. Machabeen" in Schade's geistlichen Gedichten vom Niederrhein) und die durch die Unersättlichkeit in Ausmalung von Gräuelscenen sich den Namen „Schlachthauspoesie" nicht mit Unrecht erworben haben. Mit grosser Vorsicht, um nicht allzu zartfühlende Leser zu verletzen, leitet er die Schilderung von dem bereits erwähnten Fässer-Bombardement ein: 12 2653/54 Mit oerloeff moys ich gewagen Mallich will mich schymps erdragen. Ein wirksames poetisches Mittel sind die Dialoge zwischen den Neussem und Burgundern, worin ev mit anerkennenswerthem Geschick die Stimmung im Lager der beiden Gegner treffend characterisirt, den Uebermuth auf Seiten der Burgunder, die zuversichtlich die Stadt Neuss 7,u erobern hoffen , die Stand- haftigkeit der Neusser, die unentwegten Muthes, im Vertrauen auf ihre Tapferkeit und die Umsicht ihres Feldhcrrn in die Zukunft schauen. Es fehlt bei ihm nicht an Stellen, in denen er seiner Darstellung einen höheren Schwung zu geben sucht, hierher gehört die Bitte der aufs Aeusserste bedrängten Neusser an Maria: 2340 behued dyess stat, dyess portz ind wall vur schad, vur schand, vur nedervall. (man beachte die nachdrückliche Wiederholung desselben Wortes und die Allitteration). Nachdem die Noth der Belagerten auf's Höchste gestiegen, kündet endlich der Wächter vom Thurm herab frohe Märe, der Kaiser rücke mit Heeresmacht zum Ersatz heran: 250911'.: Erfrewd uch fürst uyss Hesserlant erfrewd uch all dye syn tohant in Nuys belacht mit swaerem mögt erfreuwd uch yr j unekheren go'it erfreuwd uch burger in knecht. Neuss wurde vom Kaiser mit besonderem Lobe bedacht, weil es sieh auch iu Zeiten der schwersten Noth gehalten hatte: 3058/59 des geefft man bogen loff der stat van Nuyss dorch's Keysers loff. Es zeigen sich auch mannichfache Spuren von Allitteration: an und äff 121, sehymp ind schertz g«, heufft ind hyrnen n9 8 , vrysch ind vroelieh 755, vro ind vrysch 2222- Er ist ein treuer Sohn seiner Kirche, der mit franzer Seele dem Glauben an Heilige und Wunder anhängt, nur mit Worten tiefster Ehrfurcht des Pabstes und der Geistlichkeit gedenkt. Sein Werk lässt er beginnen mit der Anrufung — 13 Gottes, der Jungfrau Maria und des hl. Quirinus, des Schutz- patrones der Stadt Neuss. ■ So oft die Neusser einen Angriff von ihren Feinden zu erwarten haben, lässt er sie inbrünstig den hl. Quirinus anflehen. Er ist durchaus ein Mann der Friedensruhe, die er sowohl für die Stadt Neuss, als auch für die Feinde vom Herrn erbittet. Hass die Neusser von schweren Kriegsnöthen bedrängt sind , haben sie , so glaubt er, selbst verschuldet, denn Gott hat sie für ihre Sünden züchtigen wollen; daran anknüpfend fügt er die ernste Mahnung hinzu, fortan die bösen Sünden zu lassen und dem Mitmenschen nur Gutes zu thun. Jedesmal wenn die Neusser bei einem Sturme die Feinde von den Mauern ihrer Stadt glücklich zurückgeschlagen haben, lässt er sich die Gelegenheit nicht entgehen, nachdrücklich darauf hinzuweisen: hier hat wiederum sichtbar Gott und der Id. Quirin zu unserem Heile gewirkt. Die Treue, mit der sich Cöln der belagerten Neusser annahm, weiss er nicht genug zu rühmen: 262 ff. Dye froemen wyssz van Colne schoen sy eygent prijssz zo draegen kroen all up dem rijn der duytscher steed eyn hoefft zo syn und öfter. Von seiner Objectivität legt ein schönes Zeugnis« ab, dass er auch bei den Feinden die guten, lobenswertheil Eigenschaften anerkennt. Als der Kaiser mit grosser Macht gegen Karl von Burgund rückt und dieser kein Bedenken trägt, dem Reichsheere sich entgegenzustellen, rühmt Wierstraat des Herzogs Muth. V. 1922 preist er die Tapferkeit der Gegner mit den Worten: Vur wair et waren frome degen dye engelschen ind stoulze man yr werck sy stalten gleufl'lich an. Hie aufopferungsfähige Treue, welche die gefangenen Burgunder ihren kranken Leidensgenossen gegenüber an den Tag legen, hebt er lobend hervor: 1389 ff. dye gud getruw gesellen (d. fliehend. Burgund.) droegen oever Nuysser wellen die anderen die niet mochten gayn. 14 Die Bilder und Vergleiche, deren sich Wierstraat bedient, sind zum grössten Theile nicht sein Eigenthum, sondern er verwerthete nur die in der Kunst überlieferten Mittel, wie eine gedrängte Uebersicht darthun möge. Christus erscheint als höchster Kaiser x , als himmlischer König, an dessen Seite als Kaiserin Maria thront. Sie wird auch der Engeln Königin, Fürstin genannt. Auf sie häuft er eine Fülle ehrender Bezeichnungen: Mutter Gottes, unsere Frau, Vorstand alles Frauengeschlechtes, auserkorene Magd. Sogar aus dem Reiche der edeln 2 Gesteine entlohnt eiserne schmückenden Beiworte. Sie ist der himmlische Kubin 3 2o:i8, des Himmels Saphir 4 2 3io. Einer der Gott zunächst stehenden Vertrauten ist der Himmelsfürst St. Quirin, der am Hofe des himmlischen Kaisers die Dienste eines Marschalls das, (»8, versieht. Er wird, so hoffen die Neusser, ihnen Bannerträger 2004 sein, um die Feinde ritterlich zu besiegen. Als die Neusser, „sent Quiryns froeme Knechte" 023, die Feinde heranrücken sahen, da brannten sie vor Kampfbegier wie Feuers- glut 72, sie streiten wie „unverzagte Löwen" 693j wie „starke Bären" nse- Der Kampf selber ist ein Spiel, dessen Ausgang unbestimmbar ist: 083/84. Och wie wenich wüsten die getruwen ind fromen hart dat do alreyrst umb den steyn gedobbelt wart. Der strenge Tod 031 Hess manche Wangen erbleichen 1132, 1 Diese irdischen Herrscherprädicate wurden schon früh auf Gott und Maria übertragen, im Heliand sehr oft heban kuning, Otfr. I 3 3: 111 meinu soft Marina Kunigiu thiu riohun. 2 lieber derartige Epitheta vergl. Glimm in der Einleitg. ■/.. „gold. Schmiede" S. XLI ff., den Rubin führt er nicht an. 8 Muskatblut VIII 40 (nachdem er unmittelbar verlier den Kubin erwähnt hat) von Maria: darumb hau ich gediehet dich des stoynes rot. Zu der „Ursula" 353 (Schade ndrh. Ged.j: Ursula die fijn robin, die edel smaracht. Uebertragen auf Venus in einem niittelnioderla'ud. Liede (bor. belg. XI 214) Venus, die ciaer Robijn. 8 Muscatblut, VIII 133 _ du bist der steyn der kusche saphir schlug manchen in seine Banden ws, aber endlich wurden die Neusser unter dem Beistande des „heiligen Ritters" 993 von der Belagerung erlöst und kostoten nun des „Friedens süssen Wein" 2637- An zwei Stellen sucht der Dichter den verneinenden Ausdruck eines Satzes durch ein hinzugefügtes Bild zu verstärken. Das eine Mal ist das Bild dem Pflanzenreiche entnommen: niet ein kaf 1 530. kaf bezeichnet die Hülse des Getreides, Spreu; die Vorstellung deckt sich also fast mit folgendem: niht ein stro, Iwein imo , niht ein spriu, Troj. ime- An der anderen Stelle gehört das Bild der Thierwelt an: niet ein muck 14O0- 1 Dio Negation niet ein kaf hat sich besonders anf ndfr., mfr. und ndsächs. Gebiete verbreitet, den von Grimm Gr. III 72!) und Lübben nd. Wb. füge ich noch hinzu: niet ein kaf, hör. belg. 11«, X 247, XI 303, Kein. bist. 1088.3722, Braunschweiger Schichtspiel 113, Koelhpffs Chronik 953 390, ohne Negation bei Gottfried Hagen 2557 it were der stat van Cnlne ein kaf. Lautlehre. Auf mf'r. Boden, hart an clor Grenze vor. Niederfranken entstanden, zeigt die Chronik eine eigentümliche Mischung von Hoch- und Niederdeutsch in ihren Lauten, keineswegs ist sie, wie Groote in der Einleitung S. V annimmt, ein rein niederdeutsches Gedicht. Auch darin irrt Groote, dass er S. 95, die Verse 387 ff. kommentirend, von einem „gebrochenen Deutsch der Burgunden" redet. Der Dialect vielmehr, dessen sicli die Belagernden bedienen, ist niederfränkisch, worauf schon Braune a. a. (). aufmerksam gemacht hat. Es ist übrigens, um dies beiläufig zu bemerken, ein beliebter Zug, besonders auf der Bühne, dass Dichter, die sonst überall das allgemein gangbare Hochdeutsch schrieben, hier und da eines anderen Dialeetes sich bedienten, so schon im Meier Helmbrecht, zumal aber im XVI. Jahrh. Auch Luther fuhrt Bauern in ihrer Mundart redend an. Ferner lässt Franz Omichius in seiner Komödie von des Dionysii Syracusani und Damonis und Pythiae brüderschaft (a. 1578) die auftretenden Bauern plattdeutsch reden, ebenso bedieuen sich dieser Mundart die Bauern in E. Stapels Irenaromachie (a. 163Q). Andere Anmerkung'. Abweichungen vom correoten Niederfränkisch, die vielleicht auf die Schuld des kölnischen Druckers zu setzen sind, bemerke ich nur folgende: dem 1624 statt ndfr. den; 1637 zo statt to; ferner würde das Ndfr. statt strunt 2072, uns 2073, 2078 u. oft., malcli 2680, sich 2080, entreent 2(582, stront, ons, nialek, siek, ontreent erfordern, wenn uueh zugegeben werden muss, dass z, B. in Klever Urkunden das u vor folgendem Nasal sieb erhält. Der Vers 416, wo das strenge Ndfr. is statt ist und Itaers statt yrs gesetzt haben würde, halte ich für einen nicht zur Rede der Burgunder gehörigen parenthetischen Zwischensatz. Beispiele aus späterer .Zeit bringt Koberstein, Litterat. II 239 f . Sein- interessant ist in dieser Beziehung ein zu Cöln wahrscheinlich o-egen Ende des XV. Jahrh. entstandenes Gedicht, betitelt: Stinehin van der Krone, hrsg. in den altdeutschen Neujahrsblättern von Birlinger und Crecelius, Jahrg. 1874, S. 75 h". Vier Freier bewerben sich um die Gunst eines Mädchens, ein Oberdeutscher, ein Cölner, ein Holländer und ein Westfale; jeder bringt seinen Antrag in dem ihm eigen- thümlichen Dialecte vor. Der Cölner: wat, dat u. s. w., der Oberdeutsche aber: was (= quod), das (bisweilen entschlüpft ihm" aber doch ein dat); der Westtale: ick (im Oöln. stets ich) luttick, gy, ock, to: der Holländer: tot (= cöln. zo, westfäl. to) woude , (= wollte), soude (= sollte), ho (= cöln. wye). Zunächst einiges über die Orthographie, die ebensowenig wie im Mittelalter eine strenge Gleiehmässigkeit zeigt; dasselbe Wort wird bald so, bald anders geschrieben, selbst in der gleichen Verszeile, ohne dass sich, wie Groote S. XXXII annehmen möchte, ein triftiger Grund für ein solches Schwanken angeben Hesse. Eine kleine Zusammenstellung möge den Wechsel in der Orthographie veranschaulichen. il graphisch dargestellt durch: a wapen 235 ae waepen n» ai clair sr, ay swayr 1400 (swaer 4111) ursprünglich kurzes a, das aber zu Wierstraats Zeit nicht mehr bloss als Kürze anzusetzen ist: a wall (wohl) 99 ilV lwaill| 0ft daygh se, in derselben Z. dach e gra])hisch dargestellt durch: ee verleen 2 e kei - en 72 ey heyrlichheit 26 - 18 — ursprünglich c (vgl. die Bemerkung zu n) ee steed 26 in der Rege) e stede is ey weychter l0 ] (wechter) }77 \ wiedergegeben durch: y by 2 ij vrij oft ui'sprünglich t in der Regel durch i dann auch durch ye yeur & dyess 55 t"> wiedergegeben durch: oi doit 203 oe hoegher 20a 0 hoghera 77 ui'sprünglich 0: 0 fromen ] W oi moichten . ra 00 froemen .17 fi wiedergegeben durch: ui oder ug duytsch m ue gueden 124 u guden :i (ii ULI lliud sas ursprünglich u: u wurden 212 ue buesseu sos. Ueberblickt man diese Zusammenstellung', so wird man die Wahrnehmung machen, dass sich sowohl hinter langen, wie auch kurzen Vocalen oft ein nachschlagendes e, i oder y einstellt. Diese nachschl. Vocale haben sieh am frühesten auf mfr. und ndfr. Boden entwickelt ( verg l. Braune in Zaeher's Ztschr. IV 27,-i, sind aber auch überhaupt im nid. Gebiete nicht fremd (siehe Weinhold mhd. Gr. tj 94 ff, ebensowenig wie auf sächsische Gebiete (vergl. Tümpel bei Paul und Braune VII 30 ff.). Ueber die Natur der nachschlagenden Vocale sind verschiedene Hypothesen aufgestellt worden, über welche Tümpel bei Paul und Braune VII 30 f. eine Uebersieht gibt. Zu einem sicheren Resultate ist man noch nicht gelangt. 19 • Das Wahrscheinliche ist, dass die nachschlagenden Vocale die Länge des vorhergehenden haben andeuten sollen. Auch bei den Consonanten herrscht Häufung und Zusammensetzung: loefl'ü, schriff'ten ii; marschalck 82 , werckiao; sloyssz 25, N11VSSZ7; tzor -xi , tzijt : !a ; karllsg, pijllxos! landtgreef wa, daygli72, printz und prynts 557. Als Schriftzeichen für die Dental-Tenuis sowohl wie für die -Media dient th. Für t: ther m, tho «53, 46» «eben häufigerem to. „ d: dhor „ v und f wechseln: vrauweneu, frauwen eia- ,, y ,, j ,, yemerlich 830j jemerlich 5«. „ q „ qw „ quaed«9, qwaydt 23ns- Bevor wir zur Darstellung der Qualität der einzelnen Laute übergehen, mögen noch einige Vorbemerkungen über die Quantität der Vocale hier ihren Platz finden. Schon in den ältesten niederrhein. Gedichten zeigt sich die Neigung den zweisilbig stumpfen Reim in einen klingenden Keim zu verwandeln (cf. Braune bei Zacher IV 204 f.), natürlich in der Weise, dass der kurze Stammvocal verlängert wird. Die Tendenz der Accentverlängorung hat nun bei Wierstraat schon grössere Fortsehritte gemacht, wie die zahlreichen Reime von ä auf ursp. ä, e auf e, selten i auf i, u auf ü beweisen. traeden : waden is», staden: genaeden 21102» alsamen: namen: amen Sias, schar: dar 194 etc., weren : kören m, borstweren: kören 270, herden: ermeerden 2 M5; wir: saphir 2:1:111, wi :-vrij 27011. wi: schrij 2030; kuren: trnren 571, kuren: üren 2439: müren 24411. Unter Einfluss eines nachfolgenden r dehnt sich das kurze a gern zu langem: gehoirt: port^e, gehoirt: mort sai, gehoirt: ort 1073, rijnport: zostoert 1733. Für diese Dehnung und gegen die Annahme unreiner Reime oder Kürzung der langen Vocale zeugen die lebenden md. Mundarten, die langen Voeal anstatt des urspr. kurzen haben. Sodann sind aber auch Kürzungen alter Längen vor eh, nt, nd nicht selten: lucht: gesucht lgos, unden: stunden 2117, stunden: wunden 15211 etc. 20 Kurze Vocale. Mhd. a. In der Regel entspricht ihm auch in unseren) Denkmale ä. Bemerkenswert!! ist der Umlaut in dein Ver- bum sagen. Diese Erscheinung zeigt sieh nicht bloss im Sachs., sondern auch im Ndfr., wo seggen schon früh, die allein berechtigte Form ist; in der Neusser Chronik, die hart an der Grenzscheide des Mf'r. und Ndfr. entstand, hat eine feste Norm sich noch nicht gebildet. Neben sag (I. Pers. Sing.): dag923 und gesacht: macht701 erscheint 278 und 2604 gesecht: knecht. Für den Umlaut von haben vermag ich Reimbelege nicht beizubringen, jedoch dürfte die Thatsache, dass hebben in den Urkunden des Grenzdistrikts, ja noch südlicher (Lacomblet, ndrh. Urkundenbuch II No. 435 aus Cöln, Grimm, Weisthümer S. 777 aus Stommeln bei Cöln) sieh vorfindet, es wahrscheinlich machon, dass wir in du heelt's «u, man heefit^asi sy heefftgjee lautliche Formen, wie sie in Neuss gesprochen wurden, zu erblicken haben. Viel häufiger erscheinen dagegen die gemeindeutschen, nicht umgelauteten. Neben man 315, 350 etc. tritt das auch in cöln. Schriften (z. E. in Koelhoffs Chronik) sehr häufige men auf: 521 52!) u. s. f Auch im Oberdeutsch, kommt diese Form vor (et'. Lexer mhd. Wb. I 2022). Altes a, gemeindeutsch gewöhnlich zu e geschwächt, hat sich stets erhalten in niemantz 501 59a etc., ebenso ist altes a gewahrt im Substant. viant: vianden: bestanden 1723; aus der lat. Form saneti wird durch Umlaut sent. Mhd. r. Das aus a umgelautete e ist fast völlig durchgedrungen. Beweisende Reime sind steed: med ( = mit) 2 iu, wellen: gesellen 279, hende: eilende^, stellen: wellen «18, geschefft: getrefft 1210, necht: knecht 803, bevesten: esten 1577, siegen: degen 1921. Wenn hier und da die nicht umgelautete Form zum Vorschein kommt am Schlüsse der Verszeile, so wird bei der Wahl dieser Form das vorhergehende oder folgende Reim- wort nicht ohne Finfluss gewesen sein: vasser: wasser 2663) basser: wasser 2417, magen (Flur): ver- aragen um- JWJ. 21 — Der sogenannte Rückunilaut tritt nicht bloss bei den urspr. langen Stämmen auf wie gemalt (von melden): mannich- valt losi, verbrant: hant nsi u. and., sondern er begegnet uns auch in kiirzsilbigen Stämmen, so besonders im Verbum legen, nacht (Sing): gelacht 153, belacht: macht 129. Ein Ausnahmefall ist zu erwähnen 982 beiechten: vech- ten (Inf.). Einen Uebergang des gemeindeutschen e zu i vor Liquiden zeigen: mynsch i», 3.41 Ui oft. gemyrckt: gewyrckt nos, ausserhalb des Reimes myrcken 954 und 1020, myrcklich 2006. Das mhd. Praefix ent '< — hat bald die Form ent 1343, 2000 etc. bald unt 247s, ist» u. s. w. In folgendem Worte hat unser Dialeet den urspr. Vocal i erhalten, wahrend das Gemeindeutsche ihn zu e gebrochen hat myssz ( = Messe): gewisz iW8 , versumeniss: myssz 2347. Neben helle noii finden wir die dem Sachs, analoge Form hülfe 1029, 10K1. hulfer 2224, deren u auf den Eintluss der folgenden Liquida zurückzuführen ist. Vorzugsweise im Mfr. und Ndfr. (cf. Wein- hold mhd. Gr. i; 405) ist die auch in unserer Chronik vorhandene Pluralform willen 40s, 002, ei~, 2224 verbreitet. Mhd. i. Statt des mhd. i zeigt sich e vor den Explosivlauten und vor v (aus bh entstanden) gerade wie im Sachs., von wo aus dieser Vocal auch in die mtl. Dialecte eindrang, wrede: sede 419; steed: meed ( = mit) 2335, vreed: meed -myT,'- ausserhalb des Reimes weder 54.1, gelede um, smet \\%\. Ferner e statt mhd. i vor s u. deser 20«, 277 , vor den Liquiden 1, m, 11: spel/Bat, hemel 005, brengen 12s- Das alte i im Neutr. des Pron. persoii. ist noch erhalten idt 2045,12*5 (bezeugt durch das Akrostichon), daneben 011340,1.130, für das uns gleichfalls das Akrostichon Gewähr bietet. Unter dem Einflüsse der folgenden Liquida entwickelt sich u aus i in umber ö B 7, fünf .1511 u . art. Mhd. <>. Altes a, im Mhd. zu 0 getrübt, hat sich erhalten in wayll ( = wohl): overall ei- schall 97: overtall 44s; ferner in sali (=soll): gemall 3151, oft innerhalb des Verses; in van (cf. Grimm Gr. III 202) sehr oft; in haylen (alul. halön, verwandt mit griech. xaXelv); nicht auf altes a geht apen: waopen 1171 zurück; statt des o in woche, das im Mhd. durch Einwirkung des vorhergehenden w sich entwickelte, haben wir 22 hier noch e: wechen: brechen 1251,301s, wcch: bolecli 2709. Durch folgende Liquida begünstigt entsteht uu: hoult 213a, stoult lins, woulden 2083, zould 2711 u . ort. Dieser Laut, vorzugsweise am Niederrhein im XIII — XV. Jahrh., aber auch in anderen md. Gegenden in Brauch (cf. Weinhold mlid. Gr. § 125) ist nicht, der volle Diphthong, sondern wohl ein Laut, der zwischen o und u schwankte. Dass in diesem Laute auch ein u ähnliches Element gewesen sei, dürfte vielleicht die Schreibung wuld soas, 2929 (=wollte) neben häufigerem would andeuten. Zu beachten ist, dass ein solches ou nur vor folgendem 1z, 1t oder ld erseheint. Im Ndl. ist dann die Liquida geschwunden und nur das vocalischc Element erhalten, u statt mhd. hat our, sulch; treffen hat mit seinem Ucborgange in die schwache Conjugation einen Lautwandel erlitten, Part, getrefft: gescheut 121«. Mhd. ö als Umlaut von o. Eine Umwandlung des o zu ö vermag ich aus den Reimen nicht nachzuweisen. Die md. Dialecte überhaupt zeigen keine besondere Neigung zum Umlaut (cf. Weinhold, mhd. Gr. § 47). Wohl aber scheint das eu in solchen Wörtern, in welchen auf ein eu die Lautgruppe lt oder ld folgte, anzudeuten, dass sich hier der Umlaut vollzogen hat: zeuldener 75, 1,57, steultz- lich an,, beultzern 701. Mhd. 11. Vor den Liquiden hat u die Neigung zu o zu verdumpfen: hondertgor, sprengen 380, gedroncken 107, oersaehoii, torn : verlorn 527^ vroemen: komen 1701, onerschreckt 2 osö im Akrostichon etc. ' Auch das Pronomen oer gehört hierher: iuwer wurde zunächst zusammengezogen in iur, nionophthon- gisirto sich dann zu ür (diese Form in Hagens Chr. d. Stadt Cöln 182, 189) und wurde schliesslich wegen der folg. Liquida zu oer; o statt mhd. u auch vor p, op: kop 2001 zoppen (=ssuppen): stoppen 120a, neben der Form und gebraucht der Dichter auch ind und end. ind «1» durch das Akrostichon bezeugt; end 950,2155 gleichfalls im Akrostichon; in schoulde- ren 1090 hat sich derselbe Process vollzogen, den wir boreits bei den o-Stämmen mit folgendem 1 und Dental bemerkt hallen. Mhd ü, Umlaut von u. Der Reim scheint dafür zu sprechen, dass der "Umlaut sich nicht eingebürgert hat. 23 — sohut (nom. Sing.=8chuz): put(=phütze) 2485, hurst (mhd. hurst): vurst (mhd vürste) gros, huld (mhd. hulde): vuld (mhd. vüllede) 3n aj , knipbussen: vlussen 3120. Sodann die Bindungen begorden (mhd. begürten): worden (mhd. Worten) 400, kortzeni stortzen (mhd. sti'irtzen) 712 geboeron (mhd. gebürn): hoerenrio, 1353. Da also in unserer Chronik der dem gemeindeutschen ü entsprechende Laut mit gemeindeutsch, u zusammenfallt, so kann auch der erste vor Explosivlauten und vor v, das aus bh hervorgegangen, zu 0 verdumpfen. Beispiele hierfür sind schon zum Theil oben beigebracht worden: begorden 40,3, geboe- ren (=gebüren) 710 u. s. w. Der Vocal in wünschen, obwohl graphisch durch u ausgedrückt, muss ein mehr nach i neigender Laut gewesen sein (vergl. das ndl. 11, das wie ü ausgesprochen wird), darauf weist der Reim inynschen: wünschen hin. Gestützt wird diese It v •ZJ^'J £4 Annahme auch durch den Umstand, dass auch in der lebenden Neusser Mundart eine solche Aussprache dos Stammvocales in wünschen üblich ist. Lange Vocale. Mhd. ä. Kaum zu erwähnen ist, dass wie im Gemeindeutschen, so auch im Mir. eine Anzahl langer a durch Zu- sammenziehung entstellen: slayn: miasdayn «3, slayn: gedayn 025 u. s. ferner. Mhd. 06. Der Umlaut von a ist tief eingedrungen. Beweise dafür sind die zahlreichen Stellen, an denen ae auf e reimt seer: erveer (=ervaere) 794, meer: weer (=waere) 1759, smelich: vlelich 2215. Das umgelautete ä reimt sogar auf kurzes e bevell (= bevclh): feel (=vaele) 24g, lieir (her): wer ( = waere) 1042, recht: echt ( = achte) 3022, knechten: brechton (=brachten) 624 etc. An zwei Stellen ist ae durch den Reim mit dem aus i entstandenen e gebunden reed (= raete): meed (= mit) 28«; beste- digen: vredigen «sei; gräve, das auf ein lat. gravio zurückgeht, ist stets umgelautet, nicht bloss.im Plural. Nur das Nieder- und Mitteldeutsche lautet den Stammvocal in diesem Worte um. 24 Im Mir. ist die Form schon früh gebräuchlich, cf. Lacomblet, ndrh. Urkundeiibuch II 37» in einer Colner Urkunde vom Jahre 1251 Nur dem Keime zu Liebe wird er Zeile 035 das Part. Praet, von bringen umgelautet haben, brecht: knecht; aber Vers 1811 jacht: bracht. Mhd.«. Als erste Ordinalzahl tritt bald die Form eyrste477, bald yerste 41,47» auf. Wenn diese Verschiedenheit der Schreibart auch auf ein Versehen des Druckers zurückgehen kann, so halte ich doch für wahrscheinlicher, dass hier ein Mittellaut zwischen e und i vorliegt, wie ihn noch die gegenwärtige Mundart anwendet. lieber i ist weiter nichts Bemerkenswerthes zu erwähnen. ö. Statt des gemeindeutschen zwo hat Wierstraat die Form zwfl, die sich aber nicht bloss auf unsern Dialect beschränkt, sondern auch in Bayern und der Wetterau vorkommt, cf. Weinhold mhd. Gr. § 819, bair. Gramm. § 258. Mhd. 06 als Umlaut von 6. Es zeigt sich Abneigung gegen den Umlaut, schoen: kroen 202, doyde: noyde 323, patroen: schuen («12, schein: troin isob, 2777> broide: noede 2107- Mhd. ü. Der Uebergang des alten li zu nhd. au wird vermittelt durch das in unserem Denkmale vorliegende ou, houff ( = hüfe): stoufi^g, houff: louft'722, —: verblüff2000 —: kouH'3124; der Umlaut von diesom alten u tritt als eu auf, z. B. von liouH'e (schüfe) Flur, lieufl'en mi. Diphthonge. Mhd. ei. Auch hier entstehen wie im Gemeindeutschen, in manchen Fällen ei durch Contractu»!, overloyt: bereit 449, nedergeleit: bedeit 2927; benierkcnswerth ist der kurze Vocal in hillich: willich 2 s«o (auch im Sachs, hillich). Die Aussprache des ei wird man als ei 1 anzusetzen haben, nur so erklärt sich der Reim andeyl: vyll 1257, wo dann das i in dem letzteren 1 Aelinlioh bei Veldecke (Bohaghol 2985/68) arbeit: tit; Schade, Geistl. God. d. Ndrh. 229 2122 zit: loit; Karlmeinet 382 61 begit: bereit, 336 52 : leit307, stein: sin. Worte sich dein e näherte, gerade so wie im spil, wozu Vors 683 der Dativus speie gehört; kurzes e statt oi finden wir in ledder 502 (ebenso sächs.) Mhd. ie. Aus den Keimen sowohl wie aus der Schreibung, wenn wir dieser eine gewisse Beweiskraft einräumen wollen, geht hervor, dass ie bereits monophthong. geworden: wir: alhyr 2 6i>, brieven : geschrieven 2361 , verswijgcn : kriegen i. jl7 ; auch die Schreibung gyngh um, verfingest 1411, iglilich i 2 e« u. s. w. deutet auf die Monophthong, hin, denn hätte der Schreiber einen wirklichen Doppellaut ausdrücken wollen, so würde er, der doch im Uebrigen keineswegs in der Anwendung der Lautzeichen geizt, sicherlich sich nicht mit dem einfachen i oder y bognügt haben. Durch Ausfall der Spirans und Contraotion ist io entstanden in den Verben geschehen und gesehen und dem Zahlwort zehen: geschiet: niot 8 9.i, 137«: verdriet 155g; ich syen 57,1, zien al , soss, tyen 1062; auch in plegon ist nach Ausfall des Gutturals (Jon- (ractioii eingetreten, pliet (wie mhd. phlit): nietjoe; u statt des gemeindeutschen ie begegnet uns in sluysson (= sliezen), buyssen: sluyssen 1487 u . oft,, dieses sluyssen entspricht dem nd. sluten. Aelinliche Fälle, in denen ein gemeindeutsches ie einem diabetischen ü entspricht, bringt Rückert aus sehles. Hs. d. XV. Jahrb. in der Ztschr. d. Vereins f. Gesell, u. Alterth. Sclilesiens VII »4. Mhd. iu. Auch dieser Doppellauter ist Monophthong geworden. Beweisencio Reime sind vrunden: künden 269,3«> vrund: kund Dos, 2885. Mit dem Mittelniederländ. theilt unser Dialcct die Neigung, die Lautgruppe uiw in ouw zu verwandeln, schouwon: trouwen 36fi (= triuwen), frouw: trouwises, frouw: rouw 23« (= riuwe). Mhd. ou. Dass ou sich vereinfachte zu 6 (Vers 1669 roe: vroe) hat seine Analogie im Gemeindeutschen. Vor ch wird stets ou geschrieben, also immer oueh, im Uebrigen wird willkürlich verfahren , vrouw 2154 > aber frauw 642, rouwen 7 18 , aber schauwen 1757. Was den Umlaut von ou anbelangt, so verhielt man sich gegen ihn im Allgemeinen ablehnend. Merkwürdig ist es aber, dass, wenn er vorkommt, sich fast nur in X — 26 — solchen Wörtern festsetzt, diu ihn im Gemeindeutschen nicht zulassen: geleuven 2433 (mhd. gelouben, Luther gleuben), heufffc- mann 3115 (mhd. houbetman), daneben kommt vor geloeff ich 1225 (geleuff ich 1151), hoeffter 2774; jedenfalls müssen sich also oe und eu in diesen Worten in der Aussprache sehr nahe gestände]] haben, da sich sonst ein Schwanken in der Schreibung nicht erklären liesse. Schon oben S. 22 wurde bemerkt, dass vor ]•/, , lt, ld sich ein dem gemeindeutschen 011 nähernder Laut entwickelt habe. Dieses ou wird nun in derselben Weise umgelautet, wie das echte, also heultzer j tn , tzeuldener 033, steultzlich 019. Mhd. uo. Der alte ö-Laut, der im Oberdeutschen zu uo sich zerdehnte, ist in der Chronik, wenn auch nicht mehr in ganzer Reinheit, in der Kegel erhalten. Belege dafür, sind die Bindungen moyt: groyt: geloyt 8 <>; goyt: geboyta«; voyt: groit 452; bloyt: groyt 1070 u. s. w. Sodann erscheint der VocaJ gekürzt in gund: stund 7«, unden: stunden 2117, stunden: umwunden 1703. Weil iu zu, u wurde, so konnte auch i'rundcn (= munden) auf stunden reimen i 82 ß. Ein ganz reiner 6-Laut ist jedoch der dem mhd. uo entsprechende nicht, etwas neigte er nach u hin, wie auch noch die heutige Aussprache bezeugt; ähnlich verhält es sich im Ndländ., wo in der alten Zeit das hchd. uo einem nach u sich neigenden 0 entsprach; im Nndl. wurde es vollständig zu ü. Für die Annahme eines Zwischenlautes von 6 und ü spricht ferner der Keim suchte: duclite 1,52, wobei man nicht annehmen kann, dass duckte wie dochte ausgesprochen sei, heutigen Tages ist es wenigstens ein deutliches u. Noch ein Moment tritt hinzu, das zwar nicht schwor in die Wagschale fällt, aber doch vielleicht einige Beachtung verdient, nämlich die häufige Schreibung gueder, guder, neben goydt. ei statt des gemeindeutschen uo hat das Präsens des Verbunis thun, hieraus erklärt sich die Reimbindung neder- geleit: bedeit. Beispiele für das Vorkommen dieser Form auch in anderen Gegenden bringt Weinhold, mhd. Gr. § 345. Die natürliche Folge davon, dass uns kein uo vorliegt, ist das Fehlen des Umlautes üe, daher proeven (= prüeven): .'Ievoii3io6 (oben), hogemoyt (= hogemüete): bloyt 01» (bluot). Bevor wir zur Darstellung des Consonantismus übergehen, — 27 wollen wir übersichtlich die verschiedenen Functionen des Wierstraatschen ou und eu zusammenfassen." ou vertritt I. mhd. ou in vrouwe ouch etc. II. „ ü in houffe. III. „ iu in trouwe. ci*~<" IV. „ o ( VocffiAirr d-^cntar) in hoult V. ,, u „ in schoulder. eu vertritt I. den Umlaut von mhd. ou geleuven II. „ „ „ „ u heuffen III. „ „ „ „ (o vor 1 und Dental) steultzlich. Consonanten. Die Darstellung des Consonantismus soll der Art sein, dass zunächst die einzelnen Consonanten vorgeführt worden und dann zuletzt eine kurze Uehersicht über den gesaniniton Consonantismus in schier Stellung zum Mir. überhaupt, im Anschlüsse an die Braunesche Monographie gegeben wird. Gutturale. Mhd. g. Im Anlaute entsprechen sich beide Laute bei Wierstraat und im Gemeindeutschen. Unbeeinflusst vom Oberdeutschen hat sich wie im sächs. altes k erhalten in klocke 618, 6»4, mhd. ist Erweichung des (alten) k eingetreten. Im Praeteritum von legen und sagen wird nach Syncope des 1 aus g vor t die tonlose Spirans., also gelacht: gewracht 4112, ge- gesecht: knecht 2 noi und oft ausserhalb des Keimes. Im Auslaute geht g nach dem Nasal n in k über, konynck 701, 2817- Im Inlaute schwindet bisweilen das g, plyet: niet 40a, daydong (= tagedinc) 1S j5 9 u. s. f. Das graphische Zeichen für g ist meistenstheils g, daneben vor e, i, y oft gh, jedoch herrscht jji der Anwendung keine Consequenz , gheven 255, geyfft 277 ; unvertzaghde 503, uiivertzagden 057; gheim 778 , gein 8 oi etc. Mhd. k. In brugge 453, 450, 701 wird das gerucindeutsc ie kk durch gg wiedergegeben, doch findet sich 443 brücken 28 mit stucken, 2556 brücke mit ungelucke gebunden. Im Aus- Jiinte ist die alte tönende Medialaspirata zur tonlosen Aspirata geworden , geschach : dach 192, 093, 833 ; lach : besaeh 277, 1425 ; hurch: durch sso; bruch: betruch «0; wech: gebrech imi; stach: tach 2580 u. s. w. Assimilirt ist k au den folgenden Laut in jouff'ron (Jungfrauen) au, 517. Ausfall dos k zwischen r und t in mart (= market) 3 484 : hart, merde (Plur. von mart) 3030. Mlid. eh. Unverschobenes k hat sich nur selten erhalten, gebreck: speck 31« (1361 dagegen gebrech: wech), ausserhalb des Reimes in yloycken 422, dycke 702, 2290, kyrckhon" 12«, 2510,255s, mackten 1^4 (daneben oft machten), wayck en iowi , waycke i( )88 , vloyck 425, oyrsack 587, buyck n«9, kyrck 2031 , kelck 934; das Pronomen ich, sowie die Adjectiva auf lieh haben stets den verschobenen Laut, ick 2382 und weyrlick 520 sind Fehler des Grootesehen Druckes. Worden zwei Stämme, von denen der erste auf ch auslautet, der zweite consonantisch beginnt, zu einer Einheit verbunden, so sehwindet oft das ch: hogeboeren 2338, hokeiserlich oft (daneben 2985, hoegh keysorlich) kirspel itm 8 , naeber (= nachbur) gsa. 1647, naeberschaf't 419. Bemerkenswerth ist das Adverbium vroych 1850, 3129 (ahd. Adj. fruoji, gi'iech. Trpuiio;), aus dem Oberdeutschen dringt das Wort in's Mittel- und Niederdeutsehe zum Theil mit Guttural an Stolle dos urspr. j. Doch auch im Hohd. haben wir schon früh eine Form mit g: in der Genesis (Diemer 23 10 vruoge). Mhd. h. Ein Uebergang h zu g, lässt sieh, wie im Md., durch folgende Reimbindungen feststellen: versaegen (-versahen): laegeii2üöi, saegen(=sahen): laegen i4 68 , gowagen ( = ge- wahen). gedragen 1731, hoige: vloige 1121, im Innern des Verses geschaegen ( = geschähen) 70. Die Reime vort ( = vorhte): port2379, vorteil: porten 1939 lassen darauf sehliessen, dass die Spirans in diesen Worten unhörbar geworden ist. Vor s wird h angeglichen wass( = wahs): das3039, ossen( = ohsen): trossen 1293, busseu(=büh- sen): schusseii728, wassdom(= wahstuom) 1450, wuess (== wuchs) 1447.- Im Mndl., hör. belg. X us jooeht: vroech ,, ,, XI 14 droech: vroech in Nndl. lautet das Wort vroeg. — 29 Ebenfalls ist im Sachs, die Angleichung vorhanden. Vor t ist h verklungen in niet, wie zahlreiche Reime darthun. Ebenso fällt es weg im Auslaut nach langen Vocalen in ho: As also 2454,2705; hernap-: da^uas; hoe: vroe ises, geschwunden ist das h ebenfalls im Stamme velh bevell: feil 2 t5- Unorganisches li tritt in dem Personalpronomen der III. Person he und im Verbum heischen im auf. In einigen Verben ist w Stellvertreter eines gemeindeutschen h truwen: schuwen l034j ]1MI6 ( = schiuhen), geschuwet 514, vluwen 32«. Labiale. Mhd. h. Anlautendes p kommt nur in Fremdwörtern vor, z. B. paes 64 ( = babes), parc 20s, parthij 304. perlament uaa u. ähnl. Im Inlaute haben wir für die alte Labialaspirata die tönende Spirans, wie im Niederd. proeven (prüeven): oeven (üeben) -mm, brieven: geschrieven 2409, levon 19, sevengigh M , selves 47 , overall ei u. s. w. Wenn Vers 2G2G boeferij (mhd. buoberie) statt des zu erwartenden boeverij steht, so dürfen wir annehmen, dass das letzte e nicht ausgesprochen wurde (für diese Annahme spricht auch der Rhythmus). Vor r aber wurde der tönende Frica- tivlaut ganz regelrecht in den tonlosen verwandelt. Ebenso wird vor t die tönende Fricativa stumm, in der Schrift wird dieser Laut durch f wiedergegeben, hefft, geleufft, heufi't. Ausfall des dem mhd. b entsprechenden Lautes in paes r ,\ (Papst) paysslich 2743 ( 2778, 3001 pauws). Im Auslaute wurde indogerm. bh (das nach dem mhd. Auslautsgesetze p wurde) f: erhoifT 67A «43, äff 464 U. s. w. In einem Worte erscheint statt des mhd. inlautenden b : g, swegel 832- Auch in Kocl- hoffs Chronik S. 553 41 swegel. Mhd. p. Wie schon oben bemerkt, kommen damit anlautend nur Fremdwörter vor. Das mhd. toppelen (aus frz. doubler) entspricht einem dobbeln ß 84 in unserer Chronik, das einfache p im Inlaute bleibt unverändert, z. B. wimpell 75g (frz. quimble, ahd. wimpel). Im Auslaut wird die .ursprünglich tönende Medial-Aspi- rata zur tonlosen Tennis-Aspirata: /.weift' 1224, lif: stif 1574, rouf: — 30 — koufi927, vrythoff: loff^s, brieff: lieft' m) r, , loft': kyrck- hoff 2B09- Mhd. /'. Unser Denkmal zeigt grosses Schwanken zwischen den verschobenen und unverschobenen Lauten. Einen sichern Beleg für das erhaltene p bietet der Reim 290 op : kop. Von dem Schwanken im Innern der Zeile zeugen folgende Beispiele: wurffen soo> begriffen 222,703, stets hoffen, schiffen, heuffen, offenbar, öffentlich, geoffent; behulffen S4: j p 1!)a3 , royffen eeo, 730, louffen 730, ii38, pyffen 7m, wayffen 2446, geslayffen 2««, "ff (einmal) 1078- Dagegen erhaltenes p in helpen 51, 1020, 2530, roipcn iai, werpen 786,>«2, 2240, loipen 103,202, immer mit einer Ausnahme up oder op, waepen m, 574, 598, 687, 045, 788, 1055, ns7, dorp 2530,2531, stets Arpe (ein Fluss bei Neuss), aber in Koelhoffs Chr. Arff, 'lyep i6Hi, hoep 2608. Ein Uebergang von ft in cht zeigt sich, wie im Nieder- länd, und Sachs, auch im vorlieg. Denkmale gracht: bracht i5!W,2i72, lucht: gesucht 1005 und in achter. Mhil. pf. Im Anlaute ist immer das unverschobene p gewahrt, perd 5», pijl oft, pyffen :! „5, plegen 40a, 1883, puntiso, pat 1640 u. s. w. Ebenso im In- und Auslaute, stoppen: tzoppen (=suppen) 12110; puppen: stuppen mu cloppen 698, op: kop 290, kempen 979, scharj) 210, 305 eto., sehymp 818i 2054, nap 203g- Statt mhd. opfer (aus lat. obferre) tritt einmal 2820 die besonders in cöln. Schriften beliebte! Form offer auf. Mhd. w. In der Verbindung wr 1 , die im Hochdeutschen schon früh (etwa seit 800) ihr anlautendes w verlor, ist der alte Laut noch erhalten: wrechen 208 (g<>t. vrikan, altsächs. wreken ags. vrecan), wreed 412,419 (altsächs. wreth, ags. vrädh). Unser nhd. Verbum kommen, dessen urspr. kw im Mhd. 1 Das« dieses anlautende wr im XV. Jahrh. im Mittelfrank, nicht selten ist f, mögen folgende Stellen darthun: Koeltoffs Chr. 493 23, 497 22, 644 19 wreehen, 298, wrede, 281 29 wretheit, 378 10 wretlick 510 4 , 7GÜ 10 wroigen (= rügen) aus der Seelen Trost bei Frommann III 00 wraiohe (= Rache), wrecher (= Rächer), wroginge (= Regung); III 61 wriven (= reiben) aus Schades geistl. Ged, v. Niederrhein, d. lid. d. billig. Machab. S. 238 wreehen. 31 vor o stets, vor a oft in k verwandelt, erhält hei Wierstraat im Praeteritum immer sass: was 2 987 (erat), — ;*2 octavas: bass ^sao; ausserhalb des Reimes haben verschollene Formen verdroit 26ss, moyt (=mucz) 8 37> vJijt 430, water 43 i (sonst immer wasser), vloiten 432, maeten 427; ausserdem immer dat, wat, et, dit, allet. Die mhd. Praeposition üz lautet innerhalb des Verses immer uyss, nur im Reime bisweilen uyt. Mhd. %. Im Anlaut vermag sich das t nur iu wenigen Fällen zu erhalten, stets in tuschen (zwischen); neben häutigerem toll und tollportz 3018: Zoll, tween 538 (sonst immer zween), tyen ioin (vereinzelt neben zien), teichen 2007, timmer- meister 3140, verteilen 1245: statt des sehr oft vorkommenden y.o an wenigen Stellen to, taill 2otit>? Für die 'Erhaltung des unterschobenen t im Inlaute leisten folgende Reime Gewähr: setten: trumpetten 848, ketten: Jetten 1434 ( = letzen), im Auslaute stat: schat ( = sehaz) 0 o, 127, stolt: golt 105s, Elisabeth: geseth 1074, malt: alt 1307, solt: stolt 3075; einem mhd. zt entspricht t in folg. Bindungen: schut: put 2485 (=phütze), stat: gesät 125, pat: gesät 1540, plat: cntsat 1771, ingesat: statissi, gesät: plat 2041- Inlautendes t innerhalb der Verszeile herten«e lf kurtersss, Q ^ barmherticheit 6:17 , satten 147 u . oft. > inlautendes z in entsetzen 169C, entsatzet 1700, porze oft, immer kotze, upsetzen. Wierstraat hat für Erbse die Form ertze 1205, 1072, die auch in köln. Schriften der damaligen Zeit (z. B. in Koelhoffs Chr. II, 97 30, 17C> 24, 185 3 ) sowohl, wie in der jetzigen Volksmundart gebräuchlich ist. Mhd. j. Statt des gemeindeutschen jener haben wir ghener kjho- Beispiele aus anderen Quellen des mfr. Dialectes bringt Weinhold mhd. Gr. § 470. Mhd. .s\ In dinxtayph ist der Guttural mit dem Frieativ- laute graphisch zu einer Einheit verbunden. Statt des mhd. s steht im Anlaute bisweilen z, so z. B. Koppen 1052 (= sup- pen), zeuldener 7ö, 157, zould 2711, gerade so wie im Niederländischen. Mhd. /. Wie auf rein niederd. Boden, so verklingt auch in diesem Dialecte zuweilen 1 vor s, as 20 (=als), asfort 053 neben als 153, alsofort noi, 2503- Mhd. r. Im Auslaute ist das r des Personalpronomens wir nur ausnahmsweise, das r des Pronomens er regelmässig weggefallen: 33 — wy: vrij 2766j wy: schrij 2030, aber stets hie (= er) oder he; jeder, das im Nhd. in der Flexion sein r äusgestossen, hat liier die Liquida noch bewahrt: in jederen sack 1001. Mhd. n. Abweichend vom gemeindeutschen Sprachgebrauche, wo künec die herrschende Form ist, liegt in diesem Denkmale die ältere und vollere konyuck 2 ei7 vor. Aus mhd. enwech (mhd enwec) ist das Adverb, ewech 10m entstanden. Die Form mallich ho, 787 (mannelich) ist durch Angleichung aus manlieh entstanden. Zum Schlüsse wollen wir noch eine kurze Uebersicht über die in diesem Grenzdistricte hauptsächlich in Frage kommenden Consonantcn, die Tenues, geben. t hat sich in den neutralen Formen dat, wat, it, dit, allet und in' tuschen nicht verschoben und weil sie oft erscheinen, dürfen wir annehmen, dass sie die allein gebräuchlichen waren. Nur zweimal findet sich im Reime, wahrscheinlich//>/* -\ > durch ihn hervorgerufen, verschobenes z in daz; timmermeistor und teichen erscheinen je einmal, wir können also aus ihrem vereinzelten Auftreten einen sicheren Schluss nicht ziehen. In toll und den damit zusammengesetzten Wörtern überwiegt die Tenuis. In den übrigen Wörtern (mit Ausnahme von Katze) kommen unversehobene Formen noch vor, aber die Mehrzahl bilden die verschobenen. Nicht bloss im Indic. und Partie. Praet. der Verba auf -t jan, wie Braune in seinem Aufsate S. 6 meint, ist der alte Laut gewahrt, sondern auch im Infin.; ferner bleibt noch der Liquada r der ältere Laut erhalten. p. Die Labialtenuis ist im Anlaute stets erhalten. Nach Vocalen ist p in der Regel verschoben mit Ausnahme von up und waepen (daneben ganz vereinzelt uff und wayffen) neben Liquiden erhalten (ganz selten werfen). k. Die Gutturaltenuis ist in der Regel verschoben, erhalten ist sie nur in seltenen Fällen, zu welchen vor allem kyreke gehört; der Consonantenbestand der Wierstraatschen Chronik bestätigt somit in den Hauptpunkten den von Braune in seiner Monographie aufgestellten Kanon des Mittelfränkischen, zeigt aber auch zugleich, dass der Neusser Dialect in einzelnen Formen um ein gutes Btück dem Niederfränk. näher gerückt ist. 3 34 Epenthese, Zwischen m und einer Dentalis wird häutig ein b oder p eingeschoben, frembdt «7, bezembd 2744, nempt 29, kumpt 64, ruynipt 2 oro- Nach m und unter Einfluss des folgenden r entwickelt sich ein b in umber 587, 2700, (immer) neben nummor (nimmer) 771; an einigen Stellen findet die Einschiobung eines n, also Nasalirimg statt, so in vollinclicb. 798, wirdinclich 1738,1S41, Diese Erscheinung hat im Nd. ihr Analogen, wo besonders die Endung ink und inge für ik festhaftete: luttink, nemelink, orlinge ( = orlige), meninge. Auch in hertzongh «73, 2820,2898,21101 neben hertzoch 935, aase ist dieser Nasalirungsprocess vor sich gegangen. Epithese. Die Anfügung eines unorganischen t linden wir in uoch- tant: hant 1579,1648, innentlich 2333,2706, unversyentlich 2551 (=un- vorsehenliohe), ordentlich 2078, sust neben sus häufig, niemant 500, die gebräuchlichere Form ist niemantz 60 i ( 715,7117. sn, 877, 3028, 3068 etc. Metathesis. Consonantische Umstellung unter Einwirkung eines r hat sich in folgenden Fällen vollzogen: birnen (= brennen): hir- nen ii98, aber 843 binnen: lb rinnen, byrnholtz 3153, donresdag 2507, oinre, sinre oft, alrehande 1250, gewracht: bedacht «o, gewracht: gelacht 494, hoenre (Hühner) 1321 u. s. w. In den eben aufgezählten Fällen trat das r vor den Vocal der Silbe, die Metathesis kann aber auch in der Weise vor sich gehen, dass das r dem Vocale folgt: barsten soi, 1595, armbursten 725, 2183; derde (dritte) 1839. Apokope und Synkope. Wierstraat theilt mit seinen dichtenden Zeitgenossen eine im Vergleich zum Mhd. ausserordentlich weitgehende Neigung zum Abwerfen oder Ausstossen eines e der Endung. Weder Verbum noch Substantivum und Adjectivum haben sich — 35 diesem Vorgänge entziehen können. Von den zahlreichen Fällen seien nur einige angeführt: hoird 370, would 154, ich Sprech i3is , loeff (Dat.) oft, steed (Nom. Plur.) oft, vyaudt (Gen. Plur.) oft. Neben den apoko- pirten Formen haben wir auch noch die volleren, aber in geringerer Anzahl, z. B. were 025, soulde 943 etc. Ebenfalls findet sich Synhope des e: gestylt 2373 (gestillet) esi, vindt i8!)2 (vyndcti 7 ), nempt i 80 , wunten 321 ( = wundeten), engelseh 1819, Elysszbeth 1067 (Elisabeth 1073). Vereinigung von xVpokope und Synkope: vuld sui (=vüllede), sterkt 614,2352 (= sterkede), genaed 807. Die Vorsilbe ge bleibt in der Hegel ganz erhalten, doch findet hier und da gewissermassen ein Verschlucken des e statt: gnaed 8 o7 (genaede 535), gleufflich 1921 (geleufft io 6 ). Bisweilen ist die Kürzung so weit gegangen, ganze Flexions- silben zu tilgen, mynsch (Gen. Plur.j/g, 30«, dagegen myn- schen i 2S b, 21ms. mag 1297 (Acc. Sing.) ( = niagen); graiff 2302 (Acc. Sing.), aber graven als Dat. Plur. H7 8 , schad als Acc. Sing. 8013070, daneben schaden u«, 1919 u . öfter, vyand (Dat. Plur.) 343, nach jag (=uachen): dach, juedschaft 423 (judenstiegh 1450), heick 22113 (Dat. Plur.). Inclination. Während die Inclination im Hochdeutschen zwar auch stattfindet, aber in der älteren Periode meistentheils unbezeichnet gelassen wird, tritt sie in unserer Chronik, wie im Mnd. und Mnl. auch äusserlich oft zum Vorschein. In eine solche enge Verbindung mit dem folgenden oder vorhergehenden Worte können natürlich nur Satztheile von geringerem Gewichte gebracht werden, vor allem Pronomina und die Praeposition zo. darp (die Arp), apertzvleysch, twasser, ast (als es), mant (man es), shogeu (des hohen), smaendaigs (des Montags), tieson (zu diesen), tallre (zu aller) etc. 36 Flexion der Verba. Die T. Pers. Sing. Praes. hat entweder in Folge der weitgreifenden Aprokope das e abgeworfen, ich saigh: daigh oder das e behalten, ich melde 721: velde oder sie zeigt die Endung -011 ich schrijven: drijven 652 (Inf.) ich gewagen: gedragen mi. Die alte Endung-n, die sieh ursprünglich auf die unthematischen Verba beschränkte, wurde somit von den schwachen Verben her auf die starken ausgedehnt. Die II. Pers. Sing. Praes. hat in der Eegel die alte Endung -es, -s, bewahrt. Aber schon fangt die Sprache an, einem t Eingang zu verschaffen, so in byst «2, um, 'bis vereinzelt neben häufigerem bys auftaucht. In der IIT. Pers. Plur. ist das Schwinden des urspr. indo- gerni. t bereits zur Kegel geworden. kommen: Ironien i«/ 2 , aber die Periode des Ueberganges von den vollen zu den abgeschwächten Formen kennzeichnet sich auch hier wieder durch die theilweiso Erhaltung der ersteron; am längsten haftet t noch an haynt 3044, 2812^5^, gaynt. 575, synt (neben häufigerem syn); dann noch je einmal in dryngent 1001 cygent 203, vloyckent 422 • II. Pers. Sing. Pract. Ohne t bleves 502 , hyeldes 993. III. Pers. Sing. Praet. Auch liier zeigt sich das bereits oben erwähnte -en. Von den hierhergehörenden Formen seien nur die Reime machten 775 (Sing.): verachten (Inf.) brachten (Plur.): wachten 2411 (Sing.) angeführt. Zu beachten ist sodann noch eine Erscheinung, die allerdings bei Wierstraat, noch eino ganz vereinzelte ist, aber in späterer Zeit, z. B. bei Luther ein weites Gebiet sich erobert hat, dass nämlich im Sing, des Praet. der starken Verba, gerade so wie bei den schwachen sich ein auslautendes e einstollt, bei Wierstraat einmal hielte 2888 • 37 Unthematische Verba. Vorbemerkung: Bei denjenigen Verbalformen, die oftmals wiederkehren, glaube ich auf die Angabe bestimmter Stollen verzichten zu dürfen. 1. sin. Ind. Praes. Conj. Pia es. bin i89o bys, byst «12, 040 yst f )8 7, is, 's 55 sy Plur. Conj. syn, synt syt synt, syn syn. In die. Praet. Conj. Praet. JI. was III. were, wer III. Plur. waren. weren Imper. Infin. Partie, bys syn gewest syt was ist die allein vorkommende III. Pers. Sing. Praet., das war 454 in der Grootesclicn Ausgabe ist ein Druckfehler der letzteren. Im Originale steht was. Als Participium kommt nur gewest vor, eine Form, die sich bereits seit dem XIII. Jahrhunderte in Mitteldeutschland, seit dem XIV. auch in Bayern verbreitete (Weinhold mhd. Gr. § 348). 2. gayn. Dass in der III. Pers. Plur. sich noch das alte t erhallen, haben wir bereits gezeigt. Praet. Partie, gingh gegaen sog und gyngen begangen mu- Es herrschen myv die /i-Fornien, also auch im Inf. mir ffavn, nie »-en. 38 3. stayn. Formell aus beiden Stämmen, von der Wurzel sta sowohl wie von der secundären staut treten auf. Langer a-Laut wechselt mit langem e-Laut, der letztere aber ist bei weitem der seltenere. Wurzel sta. Praes. Imperativus. ich verstayn um > verstee ao.so er steyt wir stayn 54 stayt ,523,2m sy staynt 3093 Inf. stayn 32 Wurzel stant. 1 in per. Praeterit. staut mi Hl- S. stund. I. 10. PI. stunden. Im Praesens ist das n in der Mehrzahl der Fälle erhalten; dass man /tAwjif schon früh (seit dem XII. und XIII. .Jahrh.) den Versuch machte, dasselbe zu beseitigen, dafür bringt Weinhold mhd. Gr. §335, alem. Gr. § 323, bair. Gr. Sj 271 zahlreiche Belege. 4. doyn (ttmn). Praes. Praet. 111. S. deitüojjs I. Hl. S. deed , 111. PI. deden. 1 m per. doyn 9] Praeterito-Praesentia. a al. Praes. Praet. S. sali »08 salt 21H1 sali III. S. soulde. PI. I. III, sullen U28, ise? I. EH. PI. soulden. weiss. Praes. Praet. S. I. III. weis IN. S. wusste im] l'l. II. WVSSet, wvsl III. PI. uussten « sa 39 Praee. S. J. HI. moys PI. JIJ. moyssen Praes. S. I. III. mach. I'l. 1 11. moegen sigi Inf. moegen 903 moyss (muss). Praet. I. HI. 8. moyste III. I'l. morsten. mach. Praet. I. HI. moichte JIJ. moichten. Partie. Praes. in vermoegend. wil. Praes. Conj. II. S. willes III. S. will IL PI. will. Praet. Conj. J II. S. woulde Praes. Ind. S. I. JIJ. wil I'l. J. willen (einmal wullen 200) JJJ. willen 1703 Praet. Ind. S. I. III. woulde, woult III. woulden Die Form wullen erklärt sicli wohl daraus, dass das w verdunkelnd auf w eingewirkt hat; andere Beispiele zieht Weinhold mhd. Gr. § 404 herbei. Den Conj. Praet. kann man in den meisten Füllen vom Indic. nicht unterscheiden, da der Umlaut zu eu nicht cousequent durchgeführt ist. hayn (haben). Praes. Ind. S. I. hayn eng IJ. hays 10Ü8 , heefs 014 JIJ. hayt, heeft 212,-,, 2555 PI. 1. hayn 1021 III. haynt 59a hayn 431, iogi. Praes. Conj. III. 8. have 27-n, 27»». Praet. 1 ml. S. III. kadde, Uad I'l. Iiadden, hallen 1 u r. hayn 3034,3117 haveu Praet. Conj. HJ. S. hedt III. I'l. hedden, hellen. Partie. Praet. gehat 2273, um. — 40 Ob die Form hedt 7 . w , 92g als Praesens oder Praeteritum aufzufassen ist, lässt sich kaum entscheiden. Beispiele, in denen sie bald in der einen , bald in der anderen Bedeutung im Md. angewendet ist, bringt Weinhold, mhd. Gr. §377. Der Sinn spricht eher für ein Praesens. Im Infinitiv werden die volleren Formen bevorzugt, im Partie. Praet. dagegen, das im Oberdeutschen regelmässig gehabet, gehapt heisst, zeigt sich hier, wie überhaupt im Md. die zusammengezogene, heeli's und heefft weisen auf das niedersächs. und niederfränk. hebbian hin. Participialbildungen. Von geschehen erscheint als Partie, neben einmal vorkommenden gesehyen 3018, die dem nd. und zumal dem mf'r. Dialecte eigenthümliche schwache Participalbildung gesehyet, an mehreren Stellen durch den Keim gesichert, geschiet: niet siw, Kt7ä, geschiet: verdriet i,-,.v3,2133, so46- Neben getrefft me ist die im Mhd. allein gebräuchliche Form getroffen 1450 durch den Reim verbürgt. Das schwache Partie, von beginnen, das uns im Mhd. nur selten begegnet, steht V. 705 begunt: stunt. Folgende Partie, lassen sich durch Anlehnung an die Infinitivformen erklären: erslän 1393, gevän 1393, daneben erslagen um, ans, gestechen 1147, 2018 (diese Form sehr häufig im Karlmeinet und in Koel- hoff's Chronik), die einem mhd. gestochen entspricht, ist wohl als Analogiebildung zu Stämmen auf e mit vorhergehender Liquida anzuseilen, wie brechen, stechen, rechen u. s. w. (urspr. aber nur bei brikan entwickelt, got. brukans, ahd. brochan, aber noch vrikans), bei denen das got. u, hochd. 0 ganz gerechtfertigt jst, da sich auf der Tiefstufe nach vorhergehender Liquida jener Hilfsvocal entwickeln musste. Flexion der Substantive. Im Allgemeinen ist zu bemerken, dass das Umsichgreifen der Apokopen und Synkopen viel«! Flexionsendungen hat schwinden lassen. 41 — Vocalisehe Declination. Sing. Gen. es oder nach Synkope blosses s dages ms, dodesies, daigs 28KI, gotz en; im Gen. paws ist das Flexions-s mit dein Endungs-s zu einem einzigen Laute zusammengeschmolzen. Dat. e gode 487 oder nach Apokope god 5 ijlen ;t] «, naturen 664, hoeten ( = husten) 8 os, hoeghden 739,, mayssen i. W 8, meren 1377, hulpen 2535, wijlen 2120, erloesungen 21«, gemieden 2202, dorpen 2530, stymmen 2010, bansen 30 2o, bedeur 3]5S , anbeg yn- nen 2ue, schoelen 2 «i), vyren 1334, wallen 2444 (sonst immer wall). Gen. Sing, furstinnen 1475. Nom. Plur. vyanden 1733 (neben oft vorkommenden viant), upsetzen 1003 (aber 2000 in upsatz), knechen 926 (sonst immer knecht), bollwerken 749/ Gen. Plur. armen 62 8. Wie man sieht sind es hauptsächlich Fem., bei welchen vorzugsweise im Dat. Sing, ein solches Schwanken zwischen starker und schwacher Flexion bemerkbar wird. Dass auch die angeführten Masc. und Neutra dieselbe Erscheinung aufweisen, dazu wird nicht wenig Reimnoth beigetragen haben, im Innern des Verses finden wir fast ausnahmslos die starken Formen, wahrend die erwähnten Dat. d. Femin. auch innerhalb der Verszeile in der Regel sehwach Hectiren. 44 Umgekehrt zeigen schwache Substantiva mitunter starke Formen. Wenn auch hei der Mehrzahl der hierher gehörigen Fülle /. B. hei den Acc. Sing, katz 647, noch 170, kann n;i i, schad SM u. s. w. wohl Apokope der Flexionsendungen anzunehmen ist, eine Voraussetzung, deren Wahrscheinlichkeit noch verstärkt wird durch den Umstand, dass neben diesen kürzeren Formen die volleren gar nicht selten sind, (schaden ue«, 19:19, 2704, 29ot, katzen H89,1212,66i), so ist doch hei dem Gen. borch- graiffs 2039 die Annahme eines solchen Ueberganges nicht von der Hand zu weisen. Ein Substant., das mehrere Male vorkommt, bezeugt uns, dass man bereits angefangen, im Gen. Sing, der schwachen Declin. die starke mit der schwachen zu verbinden: des vredens 655,2687, sie*fn^vröden^oas- Das Genetivus-s, das in nominalen Zusammensetzungen, deren ersten Theil ein starkes Mase. oder Neutr. bildet, durchaus berechtigt ist, drang auch in solche Composita ein, welche als erstes Element ein Femin. der starken oder ein Nomen der schwachen Declination aufweisen, indem das Sprachbewusstsein in jenem s nicht mehr den Flexionslaut, sondern einen compositenbildenden Laut sah: upfartz (fäch «ins, Lumbartz lochet. / w:!, 7043, 7330. Die Behauptung Lübbens im ml. Wb. V 59«: „Jetzt mir noch als Fragepartikel und Conjunction (quando) gebräuchlich" ist nicht ganz richtig. Ebenso wie im Mnd. kommt das Wort auf dem von Münster südlich gelegenen niederdeutschem Gebiete noch in dem Sinne zu irgend einer Zeit vor. In diesem Falle trägt es den Ton auf der ersten Silbe. vanär kömstu? wann kommst du he mot doch es vähär kommen er liinss doch einmal zu irgend einer Zeit kommen Anmerkung /.u den Temporalsätzen. Auch der dass-Satz in 828 31: ldt duyrden over sess wecken lanck bylch hedt mans wayll verdrossen dat sy schlissen vur ind binden, (der mit dass eingeleitet ist) wird wohl nicht als abhängig von verdriessen, sondern von Ldt duyrden, wie 1251 r,-> Meer dan vunffundzwentzich wcclien duysdent, dat man äff moyst brechen aufzufassen sein. Aehnliche Temporalsätze sind auch im Mhd. nicht selten. Conditionalsätze. Das Band, das den Bedingungssatz mit seinem Hauptsatze verknüpft, kann verschiedener Art sein: 1. Weder Hauptsatz noch Nebensatz enthalten Partikeln, welche nachdrücklich auf ein conditionales Verhältniss der beiden Sätze hinweisen. 1551/52 ind wer dat oach also geschiet hcd Nuyssz bracht in groys verdriet. 2273/74 bed man do donrekruyt gehat wer gekeret mii sehyessen dat. 53 Der Nebensatz kann auch seinem Hauptsätze folgen 1338/40 all rnoyst mant dae bynnen lyden sould man dye goid stat behalden. *_'. Im Nachsatze weist ein so auf den Vordersatz hin i;25/2G Were dal moegelich ind hedt man ye meer gedayn so suhl man billich bymen Nuys manche frauw ritter slayn. .">. Im Bedingungssatz wan, im Hauptsatze so: 1190/92 W'an men ach die wairheit saget so was zo beyden syden dair hart intgain hart int offenbair. Concessivsätze. Die Concessivsätze werden eingeleitet 1. durch so-ouch, dem im Nachsatze ein doch entspricht 1229/30 Dair by so lieden sy ouch vyll behyeldens doch gewunnen spyll. 2. durch wie waill, worauf im Nachsatze gewöhnlich noch- tant oder doch, bisweilen auch kein entsprechendes Wort folgt 1795/98 Wie waill der Collier groisse truw den moydt der Nuysser mayehten nuw dorch den legersteed over Rijn nochtant liedeil sy auxt ind pijn. 2423/24 Wie waill man was in groissem last doch sluyssen sy zo halden vast. 2033/3-1 Wye waill dat gudt ir meinongh was dye spaldongh was yn nau gelias. hier haben wir also die Coiij. wye waill dat. .'!. durch all. 876/77 ;ill wer dye gantze stat verbrant dar nac moyst nyemantz vraegen. 1966/67 Nyet wyll ich die wairheit schuwen zo melden all wer ich stummer. 1. durch oll'. 1647/49 Naeber otl't noch zwey jair suld duren nochtant moyst men sorgh ind teuren dair mit frewden understechen. 54 Causalsätze. >Sie worden eingeleitet: 1. durch so 1506/8 Sy dreven an dorch dye erde eyn schyrm zo der Nuysser graven so sy dat bollwerk woulden liaven. 2. durch indem 1213/14 sy stunden eynen swaere staut in dem dye katze veyrlich brant. 3. durch umb dat 1318/21 eyer vyel) idt swair üo ki'iegen dat lioird man dair manchen klagen umb dat wurden doit geslagen der burger boenre int gemeyn Aehnlicb 03, 3042. Wollen wir auf den Ursprung dieser Conjunction zurüok- gehen, so werden wir, gerade so wie üf daz auf ein üf daz daz sich zurückfuhren Hess, als Grundbedeutung umbe daz daz = proptcr ea quod annehmen müssen. Im Mbd. ist umbe daz, wenn überhaupt vorhanden, so doch sehr selten. Im mnd. Wb. ist es von Lübben mehrere Male belegt. Aus dem Mnl., das diesen Ausdruck liebt, führe ich an: omme dat = weil Flor, ende Blanccfloer 142, 1330, 2022, 2122 u. s. w. Rein. 4058, 5420. Im Ndl. hat sich aus dem Worte noch eine andere Bedeutung entwickelt, nämlich damit, in welcher es last ausschliesslich in Maerlauts Rymbibel erscheint. Comparativsätze. 1. Wonn ein Urtheil gefallt werden soll, über die Gleichheit der beiden in Betracht kommenden Grössen und dieselbe bejaht oder verneint werden soll, so wird der Nebensatz angeführt : 55 — a) mit so. 260K hye blyes syn hörn: al hoep so he vur dem belege plach ebenso ;)008. b) mit as. 405/6 wyr wylleii dich begördeii as man dye vyant pliet. und noch oft. 2. Soll eine Aussage über die Ungleichheit zweier Grössen erfolgen, und schliesst sieh der Nebensatz an einen Gompara- tivus an, so wird die Conjunetion dan angewandt. 1988 man gyngh dayr dye waycke setzen merer dan man zo voren plach. ähnlich 2789. 3. Wird von zwei Grössen eine scheinbare Gleichheit ausgesagt, ist aber der Vergloichungssatz nicht wirklich im Verhältnisse zu der zu bestimmenden Aussage, so lautet die Einkleidung des Nebensatzes dann off 1759 die frewd wart binnen min noch ineer denn off man gantz entsatzet wer. ebenso 1944. Abhängige Behauptungssätze werden eingeleitet 1. durch dat: Mit kortsen Worten sayn ich vort dat nyss der Nuysser nederport ind rijnport achthondert man geloaffen syn. 2. durch wye. Die brieve dair in hyelten dat wye man die weuh suld syn entsat. Innerhalb desselben Satzgefüges sind auch beide Conjunc- tionen abwechselnd zulässig. 56 Die Neusser empfingen 1004 rechte brieft', wye syn majestait Nuyssz weuld entsetzen mit genaet ind dat oueh Lyntz da was belacht. 3. kann der abhängige Satz, wie im Nhd. auch der Ein- leitungspartikel entbehren: 1104 Man sprach dair bynnen van der letz dat wer van Nuyssz dat eyrste entsetz. 2207 Ly nieynten dair quemen dryngen dye vyand. eil i ji Nebensätzen. Die Negation en, die im ganzen Zeiträume des Ahd. in besehränkenden, bedingenden und ergänzenden abhängigen Sätzen allgemein angewandt wurde, die aber in den letzteren Sätzen schon früh ausgelassen werden konnte (Genesis, Diemer 87 io, Kaiserchronik 1085«, 15978) und im XV. Jahrh. aus oberdeutschen Hs. last ganz verschwand, tritt in unserer Chronik noch in ihrer alten Function auf: a) in beschränkendem Satze: 1-107 den man bynnen nyet verlayssen would, he enhette mit mayssen den van buyssen gewijsst die weegh. ausserdem 2050. b) in ergänzendem Satze, der die Negation, des voraufgehenden Hauptsatzes unter nochmaliger Negation näher bestimmt 1806 dat man umb leyd noch ouch umb lieft' niet enliess, man entstellt kortz entsetz. 2280 ghein mocht sich wenden noch keren im wall er enwart erschossen. Ferner noch 1505, 494, 903, 1155, 1248. Im Nhd. haben wir diese syntactische Verbindung nicht mehr, für die Sprache ist dieser Mangel ein entschiedener Nachtheil, die einfache, gefügige Form einer oft zur Vorwendung kommenden Partikel ist mit schwerfälligeren vertauscht worden, und wir müssen darum auf manche feinen Wendungen 57 verzichten, welche der älteren Sprache geschmeidige Eleganz verliehen. Die Negation en in Nebensätzen leitet uns über zu dem Gebrauche der Negation eil in Hauptsätzen. Die alte Negationspartikel en hat sieh noch erhalten, doch reicht sie nicht, wie im Got. und Ahd., wo sie allein zur vollen Negation des Verbums und des Satzes genügte, zur Verneinung aus: stets folgen oder gehen ihr voraus zur Verstärkung andere Negationen. Wenn sie in den meisten Fällen auch nur an oft verwendeten Wörtern haltet, wie sein, mögen, haben, lassen, können, kommen, geschehen, so treten doch auch vereinzelt weniger häufig gebrauchte Verba mit ihr verknüpft auf. Ich führe alle Beispiele an, in denen sieh en zeigt: bei sein mögen haben 522 OSO 102 1 941 1353 3002 1308 1 01-1 1708 2200 1883 kommen lassen 2100 1 08-1 1155 231Q 2304 1807 2053 können geschehen 3045 1317 1152 3066 1082 Ausserdem enslieff 177 enwynnen 404 endreven 018 ensehaden 1400 enhalden 1052 anziehen 2311 Lieber die Negation en oder ue hat Wackernagel in der Fundgr. I und Dittmar in Zachers Ztschr., Ergänzungsband 185 ff. gehandelt, von denen der erstere den Gebrauch der 58 Partikel in Hauptsätzen, der letztere den in Nebensätzen untersucht, dann besonders Zarncke im nilid. Wb. II a2 o tr. Alle drei Gelehrte haben vorzugsweise das Vorkommen der Partikel in der rein mhd. Periode iu's Auge gefässt; die folgenden Notizen beabsichtigen die Spuren des en, das im Nhd. völlig verschwunden ist, aueh in der II. Hälfte des XIV., im XV. und zum Theil im XVI. Jahrh. zu verfolgen; auf Vollständigkeit können sie natürlich mit Rücksicht auf die grosse Ausdehnung der Litteraten des XV. und XVI. Jahrh. keinen Anspruch erheben. Im Allgemeinen darf man behaupten, dass die Negation in den späteren Zeiten nur bei denjenigen Worten haften geblieben ist, die sehr häufig im Volksmunde gebraucht wurden. Ulman Stromer 1 (schrieb in der II. Hälfte des XIV. Jahrh.) niht entet I 132, % und I 174, 17, en wissen I 112, j,-„ niht enritt I 171, i 7 . Aus der Strassburger Chronik des Closenor (vollendet 1362) VIII 59 o enkenne, 61 ;! eiiwüste, 85 25 enwas, .93 enhette, HO 34, ja envastet: enrastet. Jacob Twinger von Königshofen (begann seine Chronik mit dem Jahre 1382): VIII 357 2e enas, 364 27 enkan; IX 514 10 enist, 501 2 3 endet, 555 8 enerschrieg. Augsburger Urkunde vom 1. (Sept. 1307: IV 162 20 enwelle. Augsburger Urkunde vom 7. März 1398: IV 163 36 enwelle. Aus dem Würzburger Städtekrieg (1307—1400) gedruckt in den historischen Volksliedern von Lilieneron: Band I, Vers 386 enhät Hs. C : hat 638 enmacht 943 enachten A: achten 1034 eumein A: mein 1450 eusihe A u. C: sihe 1509 euwil A u. C: wil 1 Die folgenden römischen Zahlen beziehen sich auf die verschiedenen Bünde 93 (gedruckt in Zachers Ztschr. J M7 ff .): 468 7 enhebbent, 17 enhebben, :l 5 enmakten, 469 a» enwaere. Heutigen Tages ist das en aus der Schriftsprache in den Niederlanden verdrängt, erhalten aber ist es noch in vereinzelten Fällen im Flämischen (nach einer Mittheilung des Herrn Prof. Hildebrand noch in Brügge). Auch im Mittelfränkischen hat sich die alte Negation en lange erhalten. Im Folgenden werde ich noch manches Mal Gelegenheil Laben, auf Gedichte zu verweisen, die Schade unter dem Namen geistliche Gedichte des XIV und XV. Jahrh. vom Niederrhein herausgegeben hat. Da nun dieser Ausdruck nicht bestimmt genug ist (die Mundarten des Niederrheins sind zum Theil ndfr., zum Theil mittelfränk.), so möge hier eine kurze Bemerkung über den genaueren Dialect der in Betracht kommenden Dichtungen Anseimus boieh, Schade S. '2:!'.) ff., Sibyllen boieh, „ „ 293 ff. dat Liden der hilger Machabeen ,, ,, 363 ff. Platz linden. Anseimus boieh ist auf mfr. Boden, nicht weit von der ndfr. Sprachgrenze entstanden. Jn der Kegel ist die alte Tennis erhalten, aber daneben Zeile 31 sach: sprach, 329 sprach: dach, 825 dröch (=trug): doch (= Tuch), 1145 lös: schöz; dass wir einen Grenzdialect vor uns haben, beweist auch das Schwanken des persönlichen ungeschlechtigen Pronomens mer: sper noo, rieh: mich 010, mi: si (= sih), ml: bi 394. Sibyllen boieh. Auch dieses Gedicht ist seiner Abstammung nach mfr. Jn der Regel allerdings nd. Consonanten- bestand aufweisend, bietet es uns auch verschobene Tenues in daz: was si, las, 171, 821 i brach: Bach 95, lös: gröz bib, daz: Messias 637, daz: Helias eis. Gleichfalls mfr. ist d. Liden d. h. Machal. lös: gros 74, was: naz 245, swach: dach 370, dach: sprach 597; daneben die unverschobenen Formen. Diese Gedichte nun, die theils dem Schlüsse des XIV., theils dem XV. Jahrh. angehören, zeigen sehr oft das en. Anseimus boieh Zeile 3a inforte (enfürchtete), ,-,2 enweiz, 62 — 7o enmach, 102 enbin, 103 enwil, u 2 enhave, 12a enkan, i«o en- bestae, u. s. w. Sibyllen boicli 2 envergeit, », 70,71 ensal, 57 enhedde, 8 s en- gunde, j35 enwiste, ] 8:j enverstont etc. Aus Koelhoffs Ohr. d. Stadt Oöln (14=99), deutsche Städte- chron. XIII. 304 21 enkunde, 307 20 enhalten, 317 20 enwer, 333 in onhadden, 333 $ envint, 339 22 ensulle, 353 22 endarf, 35G 31 enlies u. s. w. noch oft. Schon im Ahd. war es nicht selten der Fall, dass sich zwei oder sogar drei Negationen in einem Satze häuften, ohne dass dadurch der Sinn desselben ein positiver geworden wäre. Beispiele dieser Art sind zu finden bei Grimm Gr. III 727. Im Laufe der folgenden Jahrh., besonders im XIV., XV. und XVI. Jahrh. wird die Anwendung mehrerer regierender Partikel noch häufiger, das Bewusstsein, dass durch diese Häufung urspr. ein grösserer Nachdruck hervorgebracht werden sollte, ist last ganz und man benutzt nunmehr die eine oder andere Verneinungspartikel als bequemes Füllsel für den Vers, z. B. Nibe- lungenhs. k 8:«: Es so] für kein kumginne kein eigen weip nitgan. 820 Du solt auch nimmermere die zeit auf erden leben Daz dir von seinem leben kein zins nit werd gegeben. Derartige Flickwörter finden wir bei unserem Autor durchaus nicht, stets begnügt er sich mit der einfachen Negation nicht oder mit der Doppelnegation en nicht. Dadurch, dass dieser überflüssige Ballast ausgeschieden, gewinnt die Darstellung zweifelsohne an Knappheit und Kraft. Auf rheinischen Boden herrscht eine besondere Vorliebe für Substantivbildungen mit dem alten Suffix id. Der rheinische Sprachgebrauch weicht darin vom gemeindeutschen ab, es lässt sich hier eine stete Abnahme der mit jenem Suffix behafteten Nomina nachweisen. Während das Ahd. noch eine sehr beträchtliche Anzahl von ihnen besass, hat das Mhd. einen nicht geringen Theil der übernommenen Formen schwänden lassen und die in der mhd. Periode erhaltenen Ableitungen hat das Nhd. wiederum sehr verringert. Wierstraat hat manche Stämme, an welchen das klassische Mhd. das Suffix nicht — 63 — kannte. andrifft u»r,, gewoent u-?, hoeghde 739.1120, vuld (= vüllede) 3 ] 4 , sterckt 2352- Auch andere Denkmäler, die in dieser Gegend entstanden sind, zeigen deutlich die Tendenz, die alten Bildungen festzuhalten und die überkommenen noch zu vermehren. Aus Koelhoffs Chon.: III 930 an abdragt, Verhandlung, II 522 n menichde, 424 24 meuehte, 173 liitzde, 423 8 gebirgde, 325 14 kurtzde, III 684 20 sterfde, 900 s krenkde, II 330 30 gebeinte, 413 17 leifde. Aus den cöln. Schriften (der Seelen trost) die Pfeiffer in Frommanns Mundarten herausgegeben hat: 1 1 43s hoeghde, II 292 hitzde, II 451 schoinde, II 310 dickde, sn duifde (Tiefe), 44 liefde, 4« schoinde (Scham), 452 smaiclit (Schmach), 434 ge- brechte, 435 genoichde. Mehr Beispiele in den altdeutsch. Neujahrsblättern von Birlinger und Crecelius S. 127. Eine andere Eigenthümlichkeit, die auch besonders auf mfr. Gebiete auftaucht, ist die Verwendung des Suffixes ver statt des gemeindeutschen er. Aus Wierstraat: verbeiden 302 (erwarten), verhevongh ena, Erhebung, verloessen 2»», neben er- loesongh 2(m, 2021; verwachten 2714, erwarten, verwend 1323, erwähnt, verzellen oft etc. Aus Koelhoffs Chronik: II 287 15 verheven, erheben; 28824 verhoegen, erhöhen; 457 35 verloschen, erlöschen; 392 12 vernuwenj erneuen; 294 24 verwaren, erfahren; III 794 4 verzellen, erzählen; 794 35 verluchten, erleuchten. Frommann III es verluchter, verluchten, vermorden oft, IHsnr. verkrie- gen, erlangen; verbellten, erleichtern; vervaeren, erschrecken; verwerven, erwerben; vervullen, erfüllen u. s. w. Aus den Altd. Neujahrsbl. S. 117 ff.: vernedern, erniedrigen; verweoken, erwecken; verluichtung, Erleuchtung etc. Leicht Hessen sieh aus Cölner Schriften die Anzahl der Belege noch vermehren, aber aus den angeführten Stellen wird man zur Genüge ersehen, dass das Auftreten von ver kein seltenes ist. Die Verba thun und machen in Verbindung mit einem nominalen Objecte haben einen eigentümlichen, einander entgegengesetzten Entwickelungsgang in der Sprachgeschichte 64 durchgemacht. Während tuon im Ahd. und Mlid fast in einer unabsehbaren Menge von Füllen verwandt wird (siebe Grimm Gr. IVsimr.) ist machen mit Acc. nur auf vereinzelte Wendungen beschränkt (Grimm Gr. IV 597). Nachdem aber das tuon im Laufe der Zeit überhandgenommen und in Folge der allzuhäufigen Anwendung eine gewisse Abneigung eingetreten sein mochte, fühlte der Sprachgeist das Bedürfniss nach Abwechselung und man griff nunmehr zu dem früher selteneren machen, während tuon last ganz in den Hintergrund trat und im Nhd. nur in wenig Redensarten sich hat behaupten können. In unserer Chronik finden wir beides vertreten. Der Dichter sagt sowohl 1 Gli.'J ind machen dem fürst frewden sohyn als auch 1G22 den deden sy truwen schyn. Aber aus dem oftmaligen Vorkommen von thun neben einmal auftretendem machen, dürfen wir wohl die Schlussfolgerung ziehen, dass das letztere Wort zu jener Zeit sich noch nicht hatte einbürgern können, sy dacden zeychen 2001, eyn procession doyn 2:124, ein offerhaude doyn *8t u. oft. Unser jetziger Sprachgebrauch verlangt gewichtigere Worte, das thun ist zu verblasst: ein Zeichen geben, eine Procession veranstalten, ein Opfer darbringen. Bisher haben wir thun nur soweit berücksichtigt, als es mit einem substantivischen Objecto im Accusativus verbunden war. Ist thun mit dem Inf. vorknüpft, so sind zwei Fälle zu unterscheiden: 1. das thun hat seine selbständige Function und entspricht einem got. taujan, gataujan, einem frz. faire, einem grieeh. -oiav. In diesem Sinne fasse ich das doen an der Stelle 2148 auf: idt, deed dair manchen beven. Es (nämlich die vorher geschilderten Unglücksfälle) bewirkte, dass da manche bebten. Hier das doen als rein auxiliar aufzufassen, wird nur statthaft sein, wenn der Nachweis erbracht wird, dass beben auch als unpersönliches Verbum vorkommt. — 65 In dieser Bedeutung erscheint tuon im Mhd. nicht häufig, ganz gewöhnlich ist es aber im Mndl., wo doen geradezu in dem Sinne von befehlen verwandt wird. Indem icli von den Beispielen absehe, die Grimm Gr. IV M anführt, erwähne ich Maerlant Rymb. 3781 do dede die koninc Pharao Seinen toveraers doen also. Flor. end. Blanc. 563 ic welle haer te hant doen t'hooft af slaon. 992 die daden die. bome groeien. Aber auch auf rheinischem Boden ist thun in diesem Sinne nicht fremd. Anseimus boich 579/80 ho dede ouch ir lamen gain und dede ouch ir doden np stain. Gotfrid Hagen 1013 si daden da do viande sterven. Frommann II 310 ick kan bloeme doin bloien. Dass doin, noch nicht zum Hülfsverb geschwächt war, geht klar aus dem Gegensatze hervor: Frommann II an der dit boich schriff of schriven doit. 2. Von diesem thun ist das thun zu trenneo, dass zum blossen auxiliaren Gebrauch dient in der Weise, das der abhängige Iniin. zu dem in thun enthaltenen Subjecte gehört. 1094 Eysoh deod man zom pulver machen . . . 3108 ind wie sich die hart halden sali doen ind oeven. Im Mhd. ist dieses tuon sehr selten, im Nhd. hört man es bisweilen aus Kindermund. Auch moderne Dichter, die den Ton des alten Volksliedes nachzubilden suchen, verwenden dasselbe. Im Mnd., Nnd. und Nl. ist es ganz geläufig. Lexicographisches. Wie schon in den lautlichen und synthetischen Verhältnissen der Wierstraatschen Chronik die nahen Beziehungen zum Niederdeutschen, vor Allem zum Niederländischen sich kundgaben, so zeigt auch der vorliegende Wortschatz man- oichfache Berührungen mit jenen Dialecten, und wir wollen aus ihm im Folgenden das Bemerkenswerthe hervorheben, indem wir zugleich auf solche Wörter Rücksicht nehmen, die in der Elüthezeit des Mhd. noch nicht in Anwendung gebracht wurden. Alassij 101, o lassij m. Der Ausdruck ist nicht wie Groote annehmen möchte, mit dem frz. ä l'assant, zu den Wallen! oder ä l'assassin, Mord, Gewalt! verwandt, sondern wir müssen nach einen Ausdrucke suchen, der den Begriff des Jammers in sich enthält. Wir linden das Wort mit der gewünschten Bedeutung im Mnl. hör. belg. XI^Eylacen (wehe) wat is mi geschiet. ,, ,, XI 7 Aylaes ic mac wel wonen. Ferner X 94 och lacy got X Hg o lacy 11 51 ey laes II so he laas, die letzte Form gibt uns zugleich einen. Anhalt für die Etymologie des Wortes. Es ist dasselbe, wie das frz. helas, ital. ahi lasso, prov. ai las, altfrz. ha las, engl, alas, vom lat. lassus. Näheres über die Bedeutung Diez, Etym. Wb. 189. kallen is98, ahd. challön, mhd. kallen, im heutigen Ndl. und zum Theil im Nd. erhalten Hildebrand im Deutschen «7 Wb.: aber niederdeutsch scheint kallen nicht vorhanden.. Es ist allerdings in vielen nd. Gegenden ganz, verschollen, aber es lebt noch südlich von Münster, in Kecklinghansen, Dorsten, Essen. Dort ist es ganz gebräuchlich. Aus mnd. Dialecte bringt das nd. Wb. Beispiele aus Hannover, Lübeck, Rostock; hinzugefügt werden kann noch Soest; aus dein Soester Daniel habe ich mehrere Beispiele gesammelt. krempel 3102, muss hier die Bedeutung Geiz, Knickerei haben und es liisst sich dann zusammenbringen mit dem hohd. Verbum krimpfen, krampfhaft zusammenziehen. Genaueres über das Wort und seine verschiedenen Bedeutungen bei Hildebrand im Deutsch. Wb. V 2007 f. gemeels 23 (= gemaelze) gemeindeutsch gemaelde, ge- buws 12.17, mnd. gebuwete. Diese Wortbildungen auf ze sind eine Eigenthümliohkoit md. Dialecte; es haftet die Endung ze an Wörtern mit dorn Praefix ge. Diese entsprechen also fast durchweg den niederdeutschen und besonders der niederländ. Wörtern auf -ete, -to. Eine reiche Zusammenstellung solchen Wörter gibt Bech in Pfeifers Germania X 395 ff. und XXII 200 ff-, wo er besonders auch cöln, Schriften anzieht. firpelij 2027, im Teuthonista verpelye, im Nd. ferpelye, firpel, ferbele, im Md. vorebil, vorebele; ob alle diese Formen auf ein mhd. vrevel zurückführen, ist noch nicht festgestellt. Die Endung ij wird das Suffix sein, welches von den romanischen ia, ie herrührend, im Mhd. uns als ie, im Nhd. als ei begegnet. Im Nnl. ist dieses Suffix y sehr verbreitet. quaed ,11!) u , ö ft., ein im Mfr v Nfr., Ndsächs. sehr gebräuchliches Wort, dessen Abstammung sich noch nicht mit Sicherheit hat ermitteln lassen. Ueber die muthmassliche Etymologie s. Mhd. Wb. I 792 und deutsches Wb. V iggo • ungequetzet 2121 hängt nicht wie Groote meint, mit quaed zusammen, sondern mit dem mhd. quetzen, unserem quetschen. entreent. Wir haben keinen Grund, dieses Wort mit einem anderen Stamme in Verbindung zu bringen , als mit dem, der in entreinen, beschmutzen enthalten ist. Dass dasselbe Wort neun Zeilen vorher angewandt ist, — fiS — darf in uns keinen Scrupel erregen, denn der Verfasser trägt auch an anderen Stellen kein Bedenken, dasselbe Wort in kurzer Zwischenräumen zu wiederholen; ebenso wenig bietet es lautliche Schwierigkeiten, da an dieser Stelle die Belagerer sprechen. Dasselbe Wort outreeut ist durch den Reim gesichert in Floris ende Blancefl. 3066. keysers vrij 30m) nicht, wie Groote erklärt, so frei wie der Kaiser, sondern abgekürzte Redensart statt: frei von Kaiser und Reichswegen, wofür Hildebrand DWb mehrere Beispiele anführt. pleehseed 1177 ist das nd. plechscde (von plegen pflegen, und sede, Sitte). Zu der Stolle 525 man sloych zo houff die heude bemerkt Groote S, 07: houff scheint im Texte verschrieben zu sein, es wird heufft lieissen müssen: man schlug die Hände über dem Kopf zusammen. Jedoch haben wir keinen Grund einen Druckfehler anzunehmen, die Stelle besagt nichts anderes als: man schlug die Hände zusammen und zo houffe entspricht ganz dorn nd. to hope, zusammen. gorneij 1502 wohl dasselbe Wort wie das mnl. jorney, über dessen Vorkommen man Oudemans Bijdrage tot en Middel en Ond ndl. Woerdenboek III 277 vergleiche. Das Wort packen ist ein nd., ndl. pakken. Schon im XIV. Jahrh. kommt es auch auf md. Boden vor, so in einer Frankfurter Urkunde vom Jahre 1369 (s. Lexcr, Nachträge zum mhd. Wb. S. 157). Sich packen, das Weigand in der Bedeutung mit einander ringen nur aus der Wetterau kennt, ist ganz gebräuchlich in Münster und dem südl. Westfalen. ruytinck 2182, 2253. Groote erklärte dieses Wort im Glossar als Rüstung, Bewaffnung, obwohl 2253 der Zusammenhang eine solche allgemeine Bedeutung nicht zulässt. ruytinc wird bei Kilian 1 durch machaera, gladius longus ab altera tantum parte acutus intorpretirt (vergl. mhd. riutelinc ruting). herpan 2617. Groote, herpan anknüpfend, fügt in Klam- 1 Cornelis Kiel von Düffel oder wie er sich selber nannte Corn. Kilian. Dufflaeus vollendete im Jahre 1574 ein Etymologionm toutonieae linguao. Genaueres über ihn hör. belg. Vll Einl. I xvillfl'. . — 69 — mern hinzu, der Theuthonista 1 schreibt hernpan und übersetzt testa, testula. Unser Wort herpan steht jedoch mit jenen in keinem Zusammenhange. Das hern oder kerne panne des Teuth. bedeutet Hirnschädel, testa capitis. Hier sind wohl her- pfannen gemeint (die Zusammensetzungen mit dem Substant. her sind im Mhd. sehr üblich). verquisten 543, bei Loxer nur einmal aus einer späten cöln. Hs. belegt, im mnd. Wb. mehrere Male, bei Kilian in der Zusammensetzung quistgheld, prodigus aeris et pecuniae profusae, quistghoed prodigus u. s.w. got. f'raquistjan, verderben. klyff 157,17.51, im Teuth. das Wort kleff, das durch clibanus, proclivum erläutert wird, nd. klif, klef, Abhang. Ausführlich hat über dieses Wort und die verwandten Stämme gehandelt Hildebrand im D. Wb. 1201 ir. guder tyr 268- Im Mfr., Kl. und Ndsäehs. wird der Genitivus von tiero in derselben Weise gebraucht, wie mhd. slahte und haude, nämlich auch in der Bedeutung eiusmodi. AllmähHch hat man das Bowusstsein dafür verloren, dass in der Verbindung gudertire, mengertire Adj. und Subst. enthalten seien und man schritt nun zu Eildungen wie gudertieren- heit (Frommann II 454) dat gudertierenste kint (Roinh. bist. 2100) gudertierende got (Anselm. boich 151, 1217). anganck 590 im Mhd. nur in der Bedeutung Anfang. Das Nd. jedoch kennt das Wort jedoch auch in der Bedeutung, die hier vorliegt, Eingang, Eintritt. ansycht issi, Angesicht, bei Lexer nur durch Herb, von Fritzlar, im nd. Wb. mehrere Male belegt. arbeit 1414, Masc. wie in der Regel auch im Nd. advent 1195 Fem. wie- im Nd. bi aventuren 372; diese adverbiale Redensart = f'orsan sehr oft in Koelhofls Chr., auch im Mnl. (Maerland Rymb. G 72, 2704, 18202)- 1 Gerhard van der Schlieren von Xanten, Kauzler der Herzöge von Kleve und kaiserl. Notarius vollendete 1475 ein Wb. in zwei Theilen, der erste deutsch-lat., der zweite lat.-deutsch, gedruckt zu Cöln unter dem Titel Teuthonista (vgl: hör. belg. VII Einl. VIII l)'.). 70 belech in, Belagerung, ad. Wort. begraven 879, im Mnd. stark, so auch liier, im Mini, in der Regel schwach. bequam 267s; bcquae'me ist mlid. nicht häufig, aber um so bekannter im Mal. und Mnd. beschyrm 23« nur md. und ud. bisterlich 2107 nd. Wort. bloitstortzong 270;; Blutvergiessen, bei Lexer nicht belegt, ad. blötstortinge. bort 708, Scherz, nd. bord 44e, Brett nd. druytzieudag 141.5, Dreikönigstag, ein ähnliches Wort im Mini. 1415 nicht vorhanden, mnd. derten-druttendag, mnl. dertiendag. entsatz 1S07, Entsatz kommt im mhd. Wb. nicht vor, Grimm DWb. bezeugt das Wort aus dem Jahre 1599, im Nd ist das Wort ontsat, entset verbürgt durch die Chronik von Ostfriesland d. Egg. Boninga (1562) und die Mon. Liv. IV 2 107, 8. gcgengh 5 88, nur einmal bei Lexer aus dem Leben der hl. Elisabeth belegt als Act des Gehens. geklaff 417 weder im mhd. noch nd. Wb. vorkommend. gereck 3143, gewach 2102, gewont ^77 nd. Wörter. gudesdaig 2317 aus Wodanstag = Mittwoch in cöln. Schriften sehr oft, mnd. godensdag, gonsdag, gunsdag; nnl. woens- dag, vlaem. goensdagh. Zu den Stellen, die das DWb. IV 2 2»b für das Vorkommen des Wortes halten = enthalten anführt, ist auch die unsere 2415 noch hinzuzuziehen. hörn 280 u. öfter im Mhd. in der Bedeutung Winkel, Ecke nicht belegt, im Nd. oft. Heyne im DWb IV 2 182 . 0 f. weist auf das englische Winkel, Ecke, comerhouse hin. hoven 331, 3107 nd. Wort, ags. behöfjan ndl. hoeven. katijf'400, ein in den Niederlanden sehr beliebtes Schimpfwort, besonders in Verbindung mit vul. Rein. bist. 5274, 5697. Lancelot 19«, hör. belg. VI i3 U , III in etc. fz. chetif, ital. cattivo aus lat. captivus.. 71 clant 748 auch im Teuthonista, wo es mit seinen Synonymen compaen, ghesell, socius zusammengestellt wird. Für Pulver gebraucht er das Wort. dourekruyt 749,1024, aber auch einfaches kruyt 1134, kure 2240,2450, der Ort, an dem man Wache hält, auch im Nfr., s. Kilian, der koer durch koertorn wiedergibt. lack 9.43, nd. Wort. Teuthonista erklärt es durch ghebreck, Kilian durch vituperium, vitium. . leffnys isisj Nahrungsmittel weder im mhd. noch mnd/X, .'VC ,. v ,v, Wb. belegt. manck 74g (mit mengen verwandt) beschränkt sich auf Mittel- und Nicderdeutschland. oversj>yll 2946, ein nd. Wort, auch im MnL, Kein. bist. 478:>, bor. belg. XI 302- parc 208, hchd. pferch, engl, paro, eigentlich Zaun, Einhegung, dann Thiergarten. pijlsticker nd. Wort 312s, noch jetzt als westphälischer Eigenname vorkommend. persevant 271s, urspr. Unterherold (vergl. Zarncke's Nar- ronschiff S. 403) bezeichnend, bat hier wohl nicht mehr seine specielle Bedeutung beibehalten, sondern steht für Herold überhaupt. schor 2694 schroffer Fels, nd. sehr oft, altnord. skär, engl, shore, dän. skjär, im älteren Hchd. nur bei Horb, von Fritsl. und Behaim. Bchuppe 3141, Spaten, nd. Wort. seegh 2091, fem. wie im Mnd. satersdag (dies Saturni) ist nd. mhd. sambeztac, ags. saetresdäg, mnl. saterdacb, altfries. saterdey. sluyse 2021 • Aus dem Nd. ist das Wort in's Hochdeutsche eingedrungen. Mittel! at. exelusa, altfrz. escluse, nfrz. ecluse. spit, nd. Wort, mnd. sp>lt, nl. spijte, engl, spite. stächet 533 kommt im Mhd. nicht vor, im nd. Wb. ist es an zwei Stollen aus den Jahren 1544 und 1507 urkundlich nachgewiesen. Das Wort ist aus dem Ndl. in unser Denkmal eingedrungen. Altfrz. estachette, ital. stacchetta, steck- spoell 10 44, nd. Wort. stijff ir,74, ein urspr. nd. Wort, das auch in Mittel- und — 72 — Oberdeutschemd eingedrungen ist, altnord. styfr, angelsächs. stif, ndl. stuf. strunt 2072, ud. Wort, ndl. strout, frz. etron, ital. stronzo. tantell na«, ein gleiches Substantivuni scheint weder im Mhd. noch Nd. vorhanden zu sein. In den Wörterbüchern ist nur taut, leeres Geschwätz, angegeben; im Teuthonista aber ist ein Verbum tantelen, rixari, objurgari verzeichnet, dass diesem Subst. sehr nahe steht. trossen i2iH aus mittellat. trossare. Lexer, der das Wort nur aus nid. Quellen nachweisen kann, fügt hinzu: nd. torsen; diese Form ist jedoch im mnd. Wb. nicht belegt; trossen begegnet uns dort nur einmal, aber an einer Stelle, an welcher Lübben noch die Conjectur getröstet für möglich hält. umbtrint oos, ein nd. Wort. Mnd. trent, die Rundung, wohl verwandt mit dem ahd. tronnilon (vergl. Schade, Altd. Wb. 953) mhd. trendein, sich drehen; trondel, Kugel, Kreisel; ags. trondel, Kugel, ndl. ommetrent, omtrent. untlucken 3 778j misslingen, im nd. Wb. das Wort unlucken an zwei Stellen, im mhd. Wb. nicht vorhanden. vayck 821 (mit Fach zusammenhängend) nd. Wort. foll i7o nd., provenz. feil, altfrz. feil, ags. feil. veyligen ean, sicheres Geleit geben, nd. fenijn 26.1g, aus lat. venenum, ein in mfr., mnd., nl. Schriften sehr häufig vorkommendes Wort, besonders in der übei- tragenen Bedeutung Bosheit. vervanc 272», Nachtheil, nd. Wort, das auch in Mitteldeutschland eingedrungen ist. zweyvart 2066, .Zwist, weder im mhd., noch nd. Wb. bezeugt. bekarmen 027, sehr häufig im Mfr., Ndfr. und Mnd. ags. cyrman. claret 676 = tuba acuta ist aus Wierstraat noch den Stellen, die Hildebrand DWb. V 1001 anführt, noch hinzuzufügen. bolwercken 510. Ein solches Verbum im mhd. Wb. nicht vorhanden, im mnd. Wb. einmal angeführt aus dem Jahre 1447, vergl. Grimm DW. II 231. In Instrumenten sos haben wir einen den frühesten Belege des Wortes in dem Sinne von Werkzeug, bes. Kriegswerkzeug, im spateren Mittelalter kam das Wort in der notariellen Spräche als Urkunde vor (vergl. DWb. IV 2 auc). vurgeroyrt 335, oben erwähnt, ist ein in eöln. Schriften des XV. Jahrb. stets wiederkehrender Ausdruck. Die adverbiale Wendung dickwijl, duckwijl 1281 ist in mir., ndf'r. und ndsächs. Gegenden heimisch, vgl. Frommann JI 311, hör. belg. X i, lß , 11s, Lübben mnd. Wb. 1 bis f gerech 3143 bei Lexer nur aus nid. und ndrh. Schriften mit Ausnahme einer Stelle bei Ulrich von Zazikhoven, ndsächs. gerack, gereck, ndl. gereck. rutter seto. Dieses Wort, das in der späteren mhd. Sprache reuter lautet, und auch jetzt noch in einigen Mundarten in dieser Form erhalten , /.. 1!. in der Wetterau (reuder) führt Weigand Wb. II _ m auf mittellat. ruterus, rutarius (von ruta, rupte, Lotte) zurück. syecke sssi nd. bezeichnet eine niedrige, sumpfige Stelle, oft in den auf siek endigenden Localnamen erhalten, vom selben Stamme wie das mhd. sihte. • tortsehe 2517 und tortijse, gewundene Wachsfackel, die besonders bei feierlichen Gelegenheiten getragen wurde, nd. tor- ticie, tortisie, torse uns lat. torticium. Die Adverbia mitz 2476 und oevermitz (das letztere, nicht bei Wierstraat) sind im XV. Jahrh. besonders häutig im Mir. und Nfr. mhd. mitez und übermitez. onlede 222.-, entspricht dem nd. unlede, Mangel an freier Zeit, Mühe, im Mhd. das Wort nicht vorhanden. gevoit lose von voiden, pflegen, nähren, goth. fodjan, mnd. voden; die Form vuoten scheint im Oberdeutschen nicht eingebürgert zu sein, wenigstens weisen die Beispiele, die Lexer bringt, fast ausschliesslich nach Mitteldeutschland hin. klaeren 1009 = erklären ist selten, vgl. Hildebrand im DWb.V 999 r. vlij 2623, ein nd. Wort, zu füllen, fllen, in Ordnung bringen, gehörig. Vgl. Lexer III401,403, DWb. HI ml , Schade, altd. Wb. 205. Vi t a. Ich, Theodor Ewald Meinerich, wurde geboren am 27. Mai 1858 zu Altenessen in der Rheinprovinz. Nachdem ich auf dem Gymnasium in Essen meine wissenschaftliche Vorbildung erhalten, bezog ich im Mai 1871) die Universität Leipzig, der ich bis zum Schlüsse des Sommersemesters 1883 angehörte. Im August desselben Jahres wurde ich als Lehrer an das Inländische Landes-Gymnasium Birkenruh berufen, an dem ich gegenwärtig mich wirke. Meine Studien wurden geleitet durch die Vorlesungen der Herren Professoren Zarncke, Hildebrand, Curtius, Ribbeck, Lipsius, Lange, Eckstein, Masius, Heinze, Drobisch, Voigt, Arndt, Brandes, Biedermann, Hirzel, Hermann. Drei Semester war ich ausserordentliches, vier Semester ordentliches Mitglied des von Herrn Prof. Zarncke geleiteten kgl. deutschen Seminars. Zwei Semester war ich Mitglied der grammatischen Gesellschaft des Herrn Prof. Curtius, vier Semester nahm ich Theil an den Uebungen des pädagogischen Seminars unter Leitung des Herrn Prof. Eckstein. Allen meinen hochverehrten Lehrern, vor allem dem Herrn Prof. Zarncke, der mich stets mit Rath und Tliat unterstützte, sage ich meinen wärmsten Dank. i] ■»« **wt * 4; fit i i'fii'r Bf ■." . ' : " }i 1 ; ji|ft ' '*'■<' '■ > " ' , '1 [Willi %ii . . ■ .. .; . ■« >^'*"*j-- ■ ^^ j ■ 1 ■ Bl J # ^ 3b " ! / - . "fl " I 1 -'iÄk * ■ R ■■ ijgJi"* ; J 4m t . 5»...-» BHjjfe. 1