Druckschrift 
Das Gesang- und Künstlerfest zu Düsseldorf : vollständige Festbeschreibung nebst erklärendem Texte zum Künstlerfeste
Entstehung
Seite
5
Einzelbild herunterladen
 

Hauptpreise sind noch mehre andere ebenfalls höchst kunstvoll gearbeitete und durchbesonders feine Gravirung ausgezeichnete Pokale beachtenswerth, namentlich einer,der aus dem Atelier des Herrn Jos, Stüttgen hervorgegangen ist,

Die Reihe der Gesangesvorträge eröffnete ein von Herchenbach gedichteter undvon W. Knappe componirter Willkommgruss, der von den vereinigten GesangvereinenDüsseldorfs vorgetragen wurde. Die Solostellen trug Herr Platzhoff unter allgemeinemBeifall meisterhaft vor. Am Schlüsse ertönte ein allgemeines Hoch, womit die Ver-sammlung die coneurrirenden Vereine bewillkommnete.

Den' Gesang - Wettstreit eröffneten dann die Städte und Ortschaften unter 3000Einwohner und trugen die in dem Textbuche verzeichneten Lieder vor in folgenderOrdnung: Der Männer-Gesang-Verein von Kaiserswerth, der Männer-Gesang-Vereinzu Volmerswerth, der Männer-Gesang-Verein zu Lobberich, der Männer-Gesang-Vereinzu Ratingen, der Männer-Gesang-Verein zu Wupperhoven. Es trat nun eine halb-stündige Pause ein, währenddessen die Gesellschaft sich in den schönen Garten-Anlagen erging und Bekannte und Freunde sich allerwärts begrüssten und bewill-kommneten. Gegen 8 Uhr rief ein Hornsignal zur Fortsetzung des Kampfes, an dem siehnun noch der Männer-Gesang-VereinApollo" zu Kaiserswerth, derLiederkranz" zuBergisch-Gladbach, dieLiedertafel" zu Graefrath, dieLiedertafel" zu Sonnborn, derGesang-VereinHarmonie" zu Dültgensthal und dieLiedertafel zu Dülken betheiligten.

Nachdem das letzte Lied verklungen, wogte die Menge zur Stadt, die unter-dessen in feenhafter Beleuchtung strahlte, zurück, die Massen lössten sich auf odersie setzten gruppenweise jedoch mit der grösten Ruhe und Ordnung ihren Weg fort.Die Vereine bildeten sich unterdessen zu einem Fackelzuge, der unter dem Klangeder Musik sich nun vom Festlokale aus, durch die hell erleuchteten und mit manchemsinnigen Transparente geschmückten Strassen auf den Markt begab, wo er sich auf-lösste und die Mitglieder an den im Oürten'schen Saale, so wie in der GesellschaftVerein" bereiteten Tafeln Platz nahmen.

Der erste Toast; ausgebracht von dem Vorsitzenden des Comitd's des Männer-gesang-Vereins, galtdem Allerhöchsten Beschützer der Kunst und Poesie, demhuldreichen Schirmherrn alles Guten und Schönen, der namentlich diesem Vereineseine besondere Zuneigung bewiesen, Sr, Majestät dem Könige." Daran anknüpfendbrachte Herr Lehrer Herchenbach den allgemein verehrten Repräsentanten des König-lichen Hauses, den beiden Fürsten , die in Düsseldorfs Mauern geweilt und nochweilen, den Bürgerfreunden und Protektoren der Künste und Gewerbe, dem PrinzenFriedrich von Preussen und dem Fürsten von Hohenzollern-Sigmaringen den zweitenToast. Der dritte galt denSängern und Künstlern," ausgebracht von Herrn DirektorDietze. Darauf antwortend erhob sich der hochverehrte Gast, der Barde unter denLieder-Componisten, Herr Capellmeister G. Reichardt von Berlin und erfreute undehrte die Gesellschaft mit folgenden schönen Worten, die er alseinen Tropfen au»der Quelle" bezeichnete:

Das schöne Gesangfest, das uns hiev vereinigt, erinnert mich an einegrosse historische That. Ich ineine den ersten Kreuzzug. "Wie dieser in Lo-thringen, zu welchem Belgien gehörte, seinen Ursprung hatte, und auf seinemZuge Alles mitnahm, was ihm in den Weg kam so auch der Kreuzzugder Liedertafeln, der so grosse Ausdehnung, so grossen Anklang gefunden»Auch er hat nichts Anderes zum Zweck, als ein gelobtes Land, Diesesgelobte Land liegt aber nicht jenseits des Meeres im fernen Asien, sondernes liegt in der Menschenbrust, ist überall wo Herzen schlagen und der Geistder Liebe waltet. Es ist das Reich der Töne, das unsichtbare Reich derKunst, in welcher die Heiterkeit als ein wohlthätiger Genius die Härten desLebens zu versöhnen strebt. Demnach wäre der Liedertafelzug im Ursprung