Sängergrass überbrachte und nun der beste Bote von den Ufern des Rheines sein•wird, die Erfolge seiner Mission zu verkünden.
Der vierte Tag war im Programm lediglich der bildenden Kunst geweiht;nachdem die Musik in allen Formen während dreier Tage die herrlichstenGenüsse geboten, sollte nun die Malerei den würdigen Schluss bilden. Eswar dies die Aufgabe unserer berühmten Künstlergesellschaft „Malkasten.""Wie grossartig sie dieselbe zu lösen verstand, indem sie in innigster Verbin-dung mit der Musik „Die Macht des Gesanges" durch einen Cycluslebender Bilder darstellte, können wir nicht besser schildern, als durch Mit-tbeilung des poetischen Commentars, der, von einem Künstler gedichtet, inden Pausen zwischen den Tableaus gesprochen wurde.
HI© Macht des Gesanges.
Festspiel.
Erste Abtheilung.
(Höhle. Merlin, gefolgt -von einem Dämonen.)Merlin.Du verfolgst mich ? willst nicht weichen ?Lass mich, Schwätzer, wirst nichts erreichen,
Dämon.Sagt offen, hahe ich nicht recht?
Merlin.Geh, Du bist gemeiner Dinge Knecht,Dein Zauber ist nur eitel Spiel,Elendes Kunststück ohne höh'res Ziel,
Dämon,Da irrt Ihr, Bester, sehr.Gar manchem Manne fällt es schwer,Das zu erreichen, was ich biete;Es ist -von mir ja doch nur GüteUnd Lieb' zu Euch —Wir zwei sind ja im Grunde gleich,Nur dass durch zwei -verschied'ne ThürenDie Wege uns zum selben Ziele fuhren,
M o r I i n.Du irrst Dich, oder lügst, Geselle 1
Dämon.Da muss ich aber wahrlich lachen!Sie passen beide nicht die Fälle.Kh will es Euch begreiflich machen.Ihr liebt den Schein, den Glanz, den Klang,Ihr liebt das Wort, den Ton, den Sang,Ich lieb' die Wirklichkeit von jenen Dingen,Die Ihr euch freuet zu besingen.
Merlin.In dem Gesänge lebt der Dinge Geist. —
D ämon.Dass der Gesang -verklingt, sich leicht beweist,Die Dinge aber ewig bleiben;Ein Thor, der mit Besingen und BeschreibenSich da -vergnügt zufrieden stellt,Wo ihm der reiche Schatz der Welt
Mit seinen tausend HerrlichkeitenGeboten wird, und nicht -von weiten,Wie eine Taube auf dem Dach,Nein, ganz bequem und ohne Ungemach.
Merlin.Das sieht Dir gleich ; stets bleibt -verschlossenDas Hohe Dir und Deinen Zunftgenossen;Nur was mit Händen ihr erfasst,Was in die Tasche ihr könnt stecken,Was ihr befühlen könnt, beriechen, lecken,Begreifet ihr, was d'rüber geht, ihr hasst.
Dämon (für sich).Wie ärgert mich nur dieser Dünkel,0, wart', ich locke doch dich aus dem Winkel.Solch' schwellendes PoetenherzIst ein gedüngtes Feld für jeden Schmerz.
Merlin.Was brütest Du?
Dämon.Ich daehte so im Nn,Wie Ihr bei eurem steten Klimpern,Bei eurem Dichten, Klagen, ZimpernZuletzt doch Langeweil erregt,Wenn sich das Jugendfeu'r erst legt,Das jetzt noch einen gewissen GlanzVerleiht dem süssen Firlefanz,
Merlin (erzürnt).Du wagst es, Wicht, zu spotten meiner?
Dämon (heftig).Es fragt sich, wer von uns ist kleiner!
Merlin (drohend).Mein Zauber wird Dich gleich -vernichten!
Dämon (trotzend).Den meinen weiss ich auch zu richten,
Merlin (mächtig).Du sollst erliegen, winseln wie ein Hund!
Dämon (kühn).
Wohlan, es gilt, ich wett', Ihr geht zu Grund!