Die Banner — Frauengunst prachtvolle Zeichen —Habt ihr dem Vorstand uns'rer Stadt -vertraut,Mir wird das Glück, den Ehrenwein zu reichen,Nach alter Sitte öffentlich und laut.Ich trinke auf der Sänger Wohlergehen,Der Sangerhund ruög' blühend fortbestehen!
Nachdem der Becher die Runde gemacht, zogen die Direetoren der Vereine indem festlich geschmückten Saale der Gesellschaft „Verein" das Loos um die Reihen-folge und empfingen die Karten und Textbücher.
Nachdem so die feierliche Eröffnung des Festes, stattgefunden trennte sich dieVersammlung und die lieben Gäste suchten, geführt von den Düsseldorfer Freunden,die für sie bestimmten Wohnungen auf oder zerstreuten sich in die verschiedenenRestaurationen und Gasthöfe, wo in trauten Freundeskreisen der Becher freudig kreisteund schon jetzt manches heitere Lied aus sangeskundigem Munde erscholl.
Nach den Bestimmungen der Festordnung vereinigte die vierte Nachmittags-stunde fremde und einheimische Festgenossen im Hofe des Gymnasiums, von wo ausder Sängerzug sich in das Fcstlokal begeben sollte. Als nun die Vereinsbannerdurch eine Deputation und ein Ehrengeleit vom Rathhause abgeholt waren, ergriffehe der Zug sich in Bewegung setzte, einer unserer hochgestellten Künstler, der ge-feierte Andreas Achenbach, das Wort, um die fremden Gäste auch Namensder Kiinstlerschaft willkommen zu heissen. Er wies in einfachen und biedern Wortendarauf hin, wie Künstler und Sänger einander ebenbürtig seien, wie sie nur einund dasselbe Ziel, die Kunst, erstrebten und schloss mit einer freundlichen Ein-ladung an die Festgäste zum Besuche der Künstlergesellschaft „Malkasten," Einfremder Festgast aus. Würzburg dankte Namens der übrigen und fand sein achthumoristischer Vortrag allgemein die freundlichste Aufnahme und vermehrte die hei-tere Stimmung, die die ganze Gesellschaft belebte.
Durch die grösseren Strassen der Stadt, während alle Fenster mit schaulusti-gen Damen geziert waren, zogen jetzt die bunten Schaaren mit fliegenden Bannernund Fahnen zum Rathhause. Dort angelangt wurden die Ehrenpreise dem Zugeeingereiht und bevor die Kämpfer auszogen zum Streite, Sr. Majestät dem Königeein begeistertes Lebehoch gebracht. Der Zug bewegte sich durch den Hofgarten,am Jägerhofe vorbei, wo die Sänger Se. Hoheit den Fürsten von Hohenzollern jubelndbegrüssten, nach dem Geislerschen Lokale und nahm Besitz von der neuerbautenTonhalle. Man konnte es auf den fröhlichen Gesichtern der fremden Festgäste deut-lich lesen, wie das schöne Lokal und die zu ihrer Aufnahme hergerichtete Tonhalleihre Erwartungen weit übertraf und wie der herrliche Festplatz und seine schöneUmgebung ihre volle Anerkennung fand.
Vor einem zahllosen Auditorium, das bald alle Räume der Tonhalle, des Ritter-saales und des weitläufigen Gartens erfüllte, begann nun der Wettkampf um dieEhrenpreise, die auf der Tribüne der Tonhalle aufgestellt waren.
Unter diesen, sieben an der Zahl, zeichnete sich besonders der von dem Ge-meinderath der Stadt Düsseldorf ausgesetzte Ehrenpreis aus, ein Kunstwerk, dasseinem Verfertiger, dem Herrn Goldarbeiter Th, Schmitz, zur Ehre gereicht undden hohen Grad des Kunstfleisses bekundet, auf dem dieser Industriezweig in unsererVaterstadt steht. Das Kunstwerk ist ein l'/ a Fuss hoher Pokal im byzantinischenStyle. Der Deckel stellt die Figur der „Polyhymnia" dar, den Lorbeerkranz in derausgestreckten Rechten haltend, während die Linke eine Rolle mit der Inschrift „demVerdienste" zeigt. Die Figur lehnt sich an das Wappen der Stadt Düsseldorf. DieFelder des Pokals zeigen die Embleme der Musik, der Kunst und Wissenschaft, derMechanik und Gewerbe, des Handels und der Schiffahrt, des Ackerbaus u. s. w.Ein anderes Feld zeigt das Wappen des Männergesangvereins und die Inschriften„Ehrenpreis der Stadt Düsseldorf und „Gesang-Wettstreit 1852," Den Fuss schmückenniedliche Arabesken und sonstige geschmackvolle Verzierungen, Neben diesem