möglichste Vervollkommnung dos Ganzen bezweckt. Diese ganze Auffassungs-weise ist auch ein Gewinn der stenographischen Neuzeit. Früher waren dieSysteme Gabelsbergers und Stolzes geschieden wie getrennte Welten, und ihro An-hänger hielten das von ihnen Vertretene für ein unabhängig von aller Ver-gangenheit Entstandenes, für das denkbar Vollkommenste. Jetzt sind derenWerke uns Schöpfungen wie die der andern Erfinder auch, die sich in denGang einer grofsen Eiitwickelnng einreihen. Und haben wir so auf der einenSeite verloren, indem wir die in den Gabelsbergerschen und Stolzeschen Kreisenübliche liberschwängliche Verehrung eines Meisters nicht kennen, so haben wirdoch auf der anderen Seite Höheres und Schöneres eingetauscht. Denn geradedieser Gedanke des Werdens, diu- Bntwickelung ist ein grofsartiger Ersatz fürjene engherzige Anschauung und ermöglicht uns, Gabelsborger und Stolze undFaulmann mitzufeiern und jedem das zu zollen, was ihm vor dem nüchternprüfenden Blicke der Geschichte gebührt.
Diese ganze Auffassungsweise birgt aber auch die Kraft zu einer nochlebensvolleren Ausgestaltung ihres Inhaltes in sich, und hat schon zu den An-sätzen einer stenographischen Wissenschaft geführt. Denn bei dieserkritischen und vergleichenden Betrachtung der verschiedenen Systeme hat maneingesehen, dafs man bezüglich der Wortschätzung ihrer Scbriftbestimmungen,und zwar der /eichen sowohl wie ihrer Verbindung, bisher fast ganz auf daspersönliche Ermessen des Einzelnen angewiesen war. An die Stelle solcher Ge-fühlsschätzungen gilt es einen sicheren Mafsstab zu setzen, wie ihn die strengeneuere Wissenschaft uns weist. Dieses naturwissenschaftliche Verfahren, wieDr. Steinbrink es nennt, hat man schon auf die Kurzschrift übertragen, hatbeobachtet, Versuche angestellt, gezählt und gemessen, und das Gefundene beider Behandlung einzelner Fragen verwertet. Dann hat man neuerdings be-gonnen, den Gegenstand der Kurzschrift, die Sprache, unter stenographischemGesichtspunkte zu betrachten, und in geradezu grofsartiger Weise ermittelt,wio oft jeder Laut, jede Lautverbindung, jede Silbe, jedes Wort in derdeutschen Sprache vorkommt. 10 Millionen Wörter sind in dieser Weiso aufdas Genaueste ausgezählt, ein grofsartiger Stoff, wenn Sie bedenken, dafs dieLutherische Bibel alten und neuen Testamentes nur 773 6G2 Wörter zählt. Ehredem Manne, der diesen Plan gefafstund mit eiserner Zähigkeit unter Aufopferungseiner Gesundheit verwirklicht hat, Herrn Küding in Berlin; auch an dieserStelle möge der Ruf nicht angehört verhallen, die Vollendung seines Werkeswenigstens durch die nötigen Geldspenden zu unterstützen. Daneben hat manauch schon den Mitteln der Kurzschrift, den Zeichen, seine Aufmerksamkeitzugewendet, und die Kürze, also die Herstellungsdauer jedes einzelnen Zeichensgenau festzustellen gesucht. In dieser Richtung' liegen schon Arbeiten vor vonDr. Droinhöfer, Prof. Fowler, Dr. Witsche, Prof. Paulmann, Dr. Brauns, Callen-
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