VV iihrond dor Erinnerungstage au die Neuerrichtung des deutsehen Reichesist mit Recht darauf hingewiesen worden, dai's diese Zeit auch für die deutseheKurzschrift einen Halte- und Wendepunkt bedeutet. Nicht nur bildete dasunter dem Schirme dos Friedens sich immer lebhafter gestaltende geistige undgewerbliche Loben einen mächtigen Hebel für eine früher ungeahnte Ver-breitung derselben; auch für ihre Fortbildung waren jene Tage von Gewicht.Denn damals entstand die noustolzesohe Schrift, und diese führte, wenigerin ihren Schriftänderungen, als durch den ihnen zu Grunde liegenden Geist,die sogenannten „Berliner Anschauungen", eine kleine Umwälzung in derinneren Entwickelung der deutschen Kurzschrift mit sieh. Und wenn wiruns schon oinmal in die Vergangenheit versenken, so werden uns zu Erinnerungs-tafeln auch das laufendo Jahr und dieser Monat, ja dor heutige Tag und dorhiesige Ort. Denn gerade vor hundert Jahren ist die deutsche Kurzschriftgeboren. Nachdom Friedrich Buschendorf in Leipzig auf sie hingewiesenund ihr Nahen verkündet hatte, führte Friedrich Mosengeil in Zillbaehsie ins Leben ein und leitete ihre ersten Schritte; beider Werke erschienenim Februar 1796. Damit begann der erste Abschnitt ihrer Geschichte, dieZeit der „geometrischen" Kurzschriftarten. Den zwoiten Abschnitt, dender „graphischen" Systeme, begründete dann der Mann, dessen Geburtstagauf den heutigen Tag, den 9. Februar, fällt: Franz Xaver Gabelsberger,der grofse Lehrmeister dor Deutschen auf stenographischem Gebiete, denwir ebenso verehren, wie die, welche sich heute noch nach seinem Namennennen. Denn der hiesige Ort erinnert uns daran, dafs sein Werk nichtunverändert blieb, dafs es nicht ein Schlul'sstein war, sondern erst den Anfangeiner neuen Entwickelung bezeichnete. Zu Solingen stellte ja 1877 Fer-dinand Schroy Fordorungon auf, welche Gabolsbergors Schrift den verändertenLebens- und Zoitvorhältnisson anpassen sollton, und die Grundgedanken dieser„Solinger Sätze" führten ihn nach weiteren 10 Jahren zur Herausgabe einerneuen Schrift, von deren Erfolgen die heutige Vorsammlung ein sprechenderBeweis ist.
Ich habe da Erinnerungen an die ganze Geschichte der deutschen Kurz-schrift in Ihnen geweckt, und Sie erwarten nun, dafs ich Ihnen auch die Ge-fühle und Gedankon vordolmetscho, die sich bei einem Rückblick auf dieses