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an Stenographischem Feinblick und Erfindungsgabe keiner seiner Nachfolgerheran: er ist der g'rofse Meistor mit grofsen Gedanken und grofsen Mitteln,der einen Neubau mit Quadersteinen errielitot, sich dabei freilich um die Aus-gestaltung des Besonderen nicht kümmern kann. Seine Nachfolger sind diefeilenden Gesellen, die hier im Einzelnen ausbessern, dort den Bau weiterführenoder das Ganze nach den veränderten Anschauungen und Zeitverhältnissenwohnlicher zu gestalten suchen. Unter ihnen aber können wir immerhin zweiGruppen unterscheiden, und zwar bildet den Scheidopunkt hier die Aufstellungder neustolzeschen Schrift in den Jahren 18(18 bis 1872, also um die Zeitder Errichtung des deutschen Reiches. Wir gelangen somit zu einer Drei-teilung, die ich kurz kennzeichnen will.
Gabelsbergor beabsichtigte allerdings zunächst die Erfindung einerallgemein verwendbaren Schrift, bald aber gewann in seiner Kauimorthätigkeitdas Streben nach Kürze die Oberhand, und seine Schrift wurde eine Schriftfür Kammerstenographen, und zwar für wissenschaftlich gebildete Leute, dieFachmänner werden wollten, eine Redeschrift, die er bezeichnender Weise auchseine „Bedezeichenkunst" nannte. Der Gedanke nach lvürze des ein-zelnen Wortes beherrscht ihu vollständig, und zwar sucht er ihn bei jedemWorte in eigenartiger Weise zu verwirklichen; jedes Wort untersteht seineneigenen Gesetzen, ist ein Einzelding für sich, ein „Monogramm".
Die nachgabolsbergersche Kurzschrift setzt hier ein. Zunächstkommt das Streben nach Regolmäi'sigkeit und Genauigkeit derSchrift zur Geltung in den Arbeiten von Stolze (1841) und Arends (1850),dann in der Gabelsbergerschen Schule selbst in den bahnbrechenden Vorschlägenvon Albrecht (1856) und den hauptsächlich durch Rätzsch getragenen„Dresdener Beschlüssen" (1857), die aus der Zeichenkunst Gabelsbergers einSystem Gabelsberger-Albrecht-Rätzsch, oder, wenn wir statt derTheoretiker den Namen dessen setzen, der die Schriftänderung ins Lobeneinführte, ein System Gabelsborger-iläpe schaffen. Bezeichnete Gabels-bergers Werk die klassische Zeit der deutschen Kurzschrift, so haben wir hierderen Mittelalter, die Zeit der genauen Systeme, aber auch dio Zeit der gelehrtenund spitzfindigen Scholastiker. Der Begründer dieser Richtung ist Stolze,der eine genauo, dem Verkehre der Gebildeten dienende Kurzschrift schaffenwill, in der jedes Wort, auch aus seinem Zusammenhange herausgenommen,lesbar ist. Daher kehrt er gegenüber dem gemütlichen Baier Gabelsbergerden strammen Preufsen heraus, nennt auch seine Schrift mit Vorliebe die„preufsische", und will alles, auch die Kürzungen, in ein bis ins Einzelnstegenaues Regelwerk einzwängen, woraus sich dio Bilder der einzelnen Wörtergesetzmttfsig ableiten. Zugleich sucht er die Schrift auf eine wissenschaftlicheGrundlage zu stellen und macht den Bau der Sprache den kurzschriftlichen