daher beim ersten Auftreten der Kurzschrift ein Überwiegen der Kürze aufKosten der Genauigkeit und Einfachheit, in der weiteren Entwickelung aberein Vordrtogen jeder dieser Fordorangen auf Koston und oft zum Nachteileder anderen, endlich ein Streben nach einem Gleichgewichte aller, das zugleicheine Vervollkommnung und Fortbildung der ganzen Schrift in sich schliefst.In England war Willis (1(>()2), ein Geistlicher wio Mosengeil, der Vater derneueren Kurzschrift: er fordert Kürze der Schrift, und zur Erreichung der-selben verwendet er schon einfache Zeichen für die Konsonanten und einesinnbildliche Darstellung der Vokale. Die Genauigkeit und Deutlichkeit führtedann Byrom 1741 in die Kurzschrift ein und stellte sie zugleich auf einewissenschaftliche Grundlage; die Einfachheit brachte Taylor 178(i zur Geltungund zugleich zur grül'sten Entfaltung, freilich auf Kosten der Deutlichkeit.Alle Forderungen erblickt England jetzt ausgeglichen in der weltumspannendenSchrift Pitmans, der sog. „Phonographie".
Die deutsche Kurzschrift nahm jene Aufgabe von der englischenihrer Zeit auf und suchte sie zunächst in der überkommenen Art zu lösen.Dann aber schlug sie einen andern, selbständigen Weg oin, und auch hiererblicken wir jene Stufenfolge: dio Zeit der Kürze, die dor Genauigkeit, dieder Einfachheit. Den Namen Willis, Byrom, Taylor stehen hier gegen-über dio Namen Gabelsborger, Stolze, Faul mann, und den Versucheiner Einigung erblicken wir in der von uns vertretenen „Vereinfachten deutschenKurzschrift" von Ferdinand Schrey.
Wir haben somit die innere Geschichte der deutschen Kurzschrift inzwei Hauptabschnitte zu gliedern: in dio Zeit dor „geomotrischon"und dio der „graphischen" oder „kursiven" Systeme. Die Scheide bildet dasWork Gabolsbergers, das 1834 erschien. Zunächst oin Wort über die Kenn-zeichen dieser Schriftarten. Dor äufsoro Unterschied ist dor, dafs dio Zeichendor geometrischen Kurzschrift aus den einfachsten geometrischen Linien, dorgradon Linie, dorn Kreis und Beinen Teilen bestehen; damit ist eine vielfachsteil und von links nach rechts gezogene Schrift gegeben. Der Gegensatz„steile oder aufrechte" und „schräge oder geneigte Schrift" würde indesnicht das richtige trotten, denn auch dio Zeichen dor graphischen Systeme kannman so gut wie dio der gewöhnlichen Schrift in steiler Richtung schreiben.Dor Unterschied liegt vielmehr darin, dafs dio geometrischen Systeme droiverschiedene Richtungen der Schrift, die aufrechte, die links- und die rechts-schräge, können und in gleichem Mafse Vorworten. Dio graphische Kurzschrifttrifft unter diesem Zeichenschatze eine Auslose und benutzt verwiegend nurZeichen mit dorsolbon, je nach dor Schreibart dos Einzelnen mehr oderweniger geneigten, selbst gradon Richtung; höchstens gestattet sie zweiSchriftrichtungen, indem der linksschräge grade Zug noch eine, sich übrigens