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Jahrhundert deutscher Kurzschrift uns aufdrängen. Es ist freilichschwer, den Inhalt desselben in der kurzen, mir zugemessenen Spanne Zeitzusammenzufassen; ich kann nur die springenden Punkte berühren. Zurleichtern Auffassung wage ich es daher, den reichen Stoff unter zwei ver-schiedenen Gesichtspunkten zu betrachten, die in der Wirklichkeit freilich sichgegenseitig durchdringen und ergänzen, ja voraussetzen, und deren Trennungdaher etwas gewaltsam erscheinen mag. Zunächst werfen wir einen Blick aufdie innere, dann auf die äufsere Geschichte der deutschen Stenographie.Unter der inneren verstehe ich dabei die Entwickelung des kurzschriftlichenGedankens in den verschiedenen Systemen, unter der äufseren das Hinaus-treten der Kurzschrift auf den Markt des Lebens: dort die Ausbildung, hierdie Ausbreitung derselben.
Mosen geil nannton wir den Vater der deutschen Kurzschrift, und seinemAndenken lassen Sie mich wenigstens einige Worte widmen. Er entstammteiner Lehrer- und Pfarrersfamüie: 210 Jahre hatten seine Vorfahren als Lehrergewirkt, bis sein Vater Geistlicher wurde. Auch der Sohn, unser FriedrichMosengoil, war eine Zeit lang Lehrer gewesen an der Forstschule (Jottaszu Zillbach, diesem idyllischen Walddorf von Sachsen-Woimar, und wie Cottader Vater, und Zillbach durch ihn die Geburtsstätte der deutschen Forstwissen-schaft wurde, so wurde sein Fround Mosengeil der Vater, und Zillbach durchihn die Goburtsstätto der deutschen Kurzschrift. In den Wäldern „an derZillbach" entstand das erste Stenographiosystem Mosengoils, das er im Fe-bruar 1796 der Öffentlichkeit übergab. Der Vater rief dann unsern Mosen-geil zu seiner Unterstützung an seinen Pfarrsitz, und kaum sollte er ebenfallsPfarrer werden, als das Moininger Herzogshaus ihn zum Lehrer und Er-zieher des jungen Herzogs Bernhard auserkor. Auch nach dessen Regierungs-antritt blieb er sein Freund und Ratgebor, und schlofs sein Leben 1839 alsOberkonsistorialrat zu Meiningon. Dor weiteren Entwickelung seines KindesStenographie war er mit Liebe gefolgt. Als, durch ihn angeregt, Horstigauch ein evangelischer Geistlicher, 1797 seine „vereinfachte Deutsche Steno-graphie" veröffentlicht hatte, erkannte Mosengeil neidlos deren Vorzüge an undarbeitete danach seine Schrift um. Dieses sein zweites System gab er 1819heraus, als das erwachende öffentliche Loben der Pflege der Kurzschrift gröfsernErfolg versprach.
Mosengeil war nicht dor Begründer der neueren Kurzschrift über-haupt. Sie war in England entstanden und grofs geworden. Dio Aufgabeder Kurzschritt ist Ihnen bekannt: sie soll eine kurze und doch genaue unddabei einfache Schrift bieten: möglichst kurz, möglichst genau möglichst ein-fach. Diese Forderungen stehen im Widerspruch mit einander: dio Genauigkeitwiderstrebt der Kürze, und beide hemmen die Einfachheit. Wir beobachtet!