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Siedlungsarten in den Hochalpen
Entstehung
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412 Ferdinand Löwl, [14

Prozentsatz der Beckenbewohner lediglich dem Einflüsse der schönen,ertragreichen Flachböden von Umhausen und Längenfeld-Hnben zu-zuschreiben. Von den 1366 Bewohnern der Umhausener Thalstaffelhaben sich 255 oder 18,6 °/o und von den 1300 Bewohnern der schönenLängenfelder Au sogar 852 oder 65.5 °/o auf der ebenen Thalsohleniedergelassen. Beide Becken sind eben vortrefflich drainiert, da ihrRinnsal teils durch das Einschneiden der Ache selbst, teils durch dieunverdrossene und planmässige Arbeit der früher so oft von Ueber-schwemmungen heimgesuchten Anrainer festgelegt wurde.

Die örtlichen Anhäufungen von Gehängschutt rufen nicht nurSeebecken und Dammstufen hervor, sondern können mittelbar auch indem Felsgrunde des Thaies die Ausbildung staffeiförmiger Absätzeeinleiten. Jeder grosse Bergsturz entzieht die Thalstrecke, die erselbst bedeckt, und auch jene, die er in ein Seebecken verwandelt,auf lange Zeit der Erosion des Wasserlaufes, während er gleichzeitigdurch die Steigerung des Gefälles die Vertiefung des folgenden Thal-abschnittes beschleunigt ImMaurach", jener typischen Dammstufe,welche das Längenfelder vom Umhausener Becken scheidet, kannman sich hiervon durch den Augenschein überzeugen. Die OetzthalerAche hat nämlich hier nicht allein den äusseren Abfall des stauendenBergsturzes durchsägt, sondern ihr Bett auch schon 1520 m tief inden alten Thalgrund eingeschnitten. Eine solche Zerlegung des Rinn-sals in Abschnitte gesteigerter und in Abschnitte gebrochener Erosionkann unter günstigen Bedingungen, z. B. durch das wiederholte Ein-treten von Bergschlipfen und Bergstürzen an bestimmten, hierzu ver-anlagten Stellen der Gehänge, den Anstoss geben zur Ausbildung vonStufen, welche nach der Abräumung des oberflächlichen Schuttes alshohe, scharf ausgeprägte Felsstaffeln zu Tage treten. Auf diese Artdürfte sich der präglaciale Terrassenbau der meisten Hochthäler er-klären lassen. Die Wechsellagerung ungleich harter Schichtenreihenist, wie man in den Alpen an zahllosen Stellen beobachten kann, mitden Abweichungen des Thalgrundes von der normalen Gefällskurvenur ausnahmsweise in ursächlichen Zusammenhang zu bringen. Sehrverbreitet sind dagegen die sogenannten Ausgangsstufen, welche ander Mündung aller Seitenthäler, deren Vertiefung mit der des Haupt-thales nicht gleichen Schritt hält, zur Ausbildung gelangen müssen.Die Siedelungsart, welche der soeben beschriebenen Erosionsformentspricht, ist äusserst selten anzutreffen. In den unteren bewohntenAbschnitten der Thäler wird der Terrassenbau zumeist durch die Ver-teilung des Gehängschuttes und fast nie durch das Auftreten echterStufen bedingt; stösst man aber in dieser Region doch einmal auf eineFelsstaffel, so ist ihre Plattform gewiss mit Halden und Schuttkegelnbesetzt, welche sämtliche Niederlassungen an sich heranzogen. ReineStaffel-Siedelungen hat unter den 18 wiederholt angeführten Thälernnur das Rainthal bei Taufers, das Oetz-, Pitz- und das SchnalserThal aufzuweisen.