Druckschrift 
Siedlungsarten in den Hochalpen
Entstehung
Seite
9
Einzelbild herunterladen
 

9] Siedlungsarten in den Hochalpen. |0"

von den 5900 Bewohnern des Oetzthales

und zwar von den 5380 Bew. des Stammthaies : ) 123 , Gurgler Thaies. , 179 , Venter' 106 Sulzthaies 116 , Ochsengartenvon den 4170 Bewohnern des Pitzth'ales

1207 Bew. des Kaunser Thaies1300 , , Schnalser

174

oder

3

141

»

3

0

7

n

4

26

n

25

0

137

n

3

8

n

1

154

n

12

In einem so niederschlagreichen Gebirge wie den Alpen könnensich die Thalwände nicht lange als geschlossene Flächen erhalten.Das Regenwasser, welches über sie abläuft, spült Rillen aus, die sichnach unten hin vereinigen und so die Entstehung von Trichterthälchenanbahnen. Sobald aber ein Gehänge von solchen Tobein durchfurchtwird, erfolgt die Abfuhr des Gebirgsschuttes beinahe nur noch durchdie Klammen, welche aus den weiten Sammelbecken, den Karen, indas Hauptthal hinabziehen. Der schmale Saum von Sturzhalden,welcher den Fuss der Thalwände verhüllt, wird daher an der Mündungder Seitengräben von weit vorspringenden Schuttkegeln unterbrochen.Diese Tobeldeltas eignen sich in der Regel vortrefflich zur Besiedelung.Sie sind erstens viel sanfter geböscht als die Sturzhalden, bestehenzweitens nicht wie diese aus ungemischtem, grobem Gehängschutte,sondern auch aus feinerem Gruse und selbst aus erdigen Massen undermöglichen drittens durch den periklinen Abfall eine Berieselung ihrerganzen Oberfläche mit dem durch die Klamm herabrinnenden Wasser.Zu diesen drei schon in der Bildungsart gegebenen Vorzügen geselltsich noch eine klimatische Begünstigung von hohem Werte. Wie demThalbache, so ist der Rücken mächtiger, hoch ansteigender Schuttkegelauch den kalten Luftschichten entzogen, die sich im Herbste undWinter auf~HehY"Boderi~schlecht ventilierter Thäler ansammeln. Hannmachte uns in seiner grossen Arbeit über die Temperaturverhältnisseder österreichischen Alpenländer mit einem lehrreichen Beispiele be-kannt: Die Wasserscheide des Pusterthaies trägt einen der nördlichenThalwand entstammenden Schuttkegel, auf dessen Rücken das DorfToblach und an dessen Rande, 77 m tiefer, der Weiler Grätsch liegt.Der Höhenunterschied von 77 m reicht hin, die bekannte Erscheinungder Temperaturumkehr hervorzurufen und das Januarmittel von Toblachum 2 ° C. über das von Grätsch zu erhöhen.

Höhe April Juli Oktober Januar

Grätsch 1175 m 4.0° 14.4 4.6 -9.4Toblach 1252 , 3.8° 13.5 5.0 -7.3*)

Wie Toblach, so streben im Gebirge auch viele andere Dörfer,

J ) Bis Zwieselstein.

2 ) Hann, Die Temperaturverhältnisse der Österreich. Alpenländer, III. Teil,S. 61, 62, 97.