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Siedlungsarten in den Hochalpen
Entstehung
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4U8 Ferdinand Löwl. My

Weiler und Einschichten ohne Rücksicht auf die Erschwerung desVerkehrs den Wurzeln der Schuttkegel zu, um der Strahlungskältedes Thalgrundes zu entrinnen und gleichzeitig wenn es sich umdie Nordseite des Thaies handelt besser und länger besonnteFlächen aufzusuchen.

Der ökonomische Wert eines Schuttkegels hängt natürlich zu-nächst von der Gesteinsbeschaffenheit des Sammelgebietes ab. Untersonst gleichen Umständen steht er in verkehrtem Verhältnisse zurLänge der schuttliefernden Erosionsfurche. Entwickelte Seitenthälerbesitzen kräftige Wasserläufe, welche die Seigerung der Geschiebebesorgen, die feineren Sinkstoffe in den Hauptbach schwemmen undvor ihrer Mündung nur den groben Schotter ablagern. Je unent-wickelter, je kürzer und steiler ein Trichterthälchen ist, desto leichterwird der im Kare aufgespeicherte Detritus durch heftige Regengüsseals Schlammstrom oder Muhre durch die Klamm hinabgewälzt. Da dasWasser im Schlamme gebunden ist und keine Seigerung bewirkenkann, bleiben am Ausgange des Grabens auch die feineren, erdigenStoffe liegen: die Tobel düngen ihre Schuttkegel. Für die mensch-lichen Siedelungen wird" dieses gewaltthätige Meliorationsverfahren sehroft verhängnisvoll, der Grund und Boden aber kann dabei nur ge-winnen. Wie die Polder und Marschen des Nordseestrandes, so bietenauch die Schutt- und Muhrkegel des Hochgebirges in der einen Handgesteigerten Ertrag, in der anderen gesteigerte Gefahr. Hier wie dorthat der Mensch den Kampf aufgenommen und unverzagt bestanden.So oft ihm Feld und Haus vermuhrt werden, so oft ergreift er wiederumBesitz von dem verjüngten Grunde.

In allen Hochthälern, aus deren Gehängtobeln ansehnliche Muhr-kegel hervorquellen, kann man beobachten, dass sich die Siedelungenvon den Halden zurückziehen und auf dem fruchtbaren Schwemmlandeder Erosionstrichter zusammendrängen. Manche Thalgründe habenüberhaupt fast keine anderen als Schuttkegel-Siedelungen aufzuweisen.In dem obersten Seitenthäle des Vinstgaues z. B., in dem bei Graunin einer Seehöhe von 1500 m ausmündenden Langtauferer Thale,dessen entwaldeter, vpn Tobein zerfressener Nordhang den Thalbodenvon Malag bis Pedross mit einer geschlossenen Reihe von Mulirkegelnüberschüttete, haben sich von den 404 Bewohnern nur 56 auf dem amAusgange erhaltenen Reste einer Terrasse und 10 auf dem schmalenBoden selbst niedergelassen; die übrigen 338, also 84 °/o der Gesamt-bevölkerung, wohnen auf Schuttkegeln.

Ein ebenso merkwürdiges Beispiel liefert das Thal, welches derin die Rienz mündende Valser Bach in den Granitkern von Franzens-feste und in den nördlich anstossenden Schieferstreifen einschnitt. Weraus dem Pusterthale in diesen wilden Seitengraben eindringt, stösstim Ausgange desselben zunächst auf eine Halden-Siedelung die dreiobersten Häuser von Mühlbach und hat sodann eine enge, zwischenschroffen Granitmauern herabziehende Schlucht zu durchschreiten, welchefür Niederlassungen keinen Raum bot. Nach einer halben Stundescharfen Anstiegs betritt man den schmalen Boden, auf welchem dasValserHeilbad" liegt. Dahinter thut sich allmählich eine freundliche