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Die Verbreitung und die Herkunft der Deutschen in Schlesien
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242 Karl Weinhold, [86

Dieselben Benennungen begegnen auch in der Oberlausitz. Im En-gadin kennt man die gleichartigen Fensleute; zu Marburg in Nieder-hessen zeigt man das Finisloch d. i. ein latinisirtes Fensloch. Die Venus-berge bei Eisenach und bei Rottenburg in Niederbayern, der Penibuckbei Ansbach enthalten dasselbe verdunkelte und daher hin und her ge-wandelte Wort, dessen Erklärung durch das thüringisch-fränkische Zeit-wort fsenern {phantasieren, schwärmen J ), mittelhochdeutsches vienen, alt-hochdeutsches feihnön (betrügen) geboten wird. Die fönischen Dingerlassen sich übersetzen trügerische Wichte, wofür alle elbisehen Geistergalten. Angeknüpft hat sich dann der Name Venediger, der für dieseFrd- und Berggeister und die mit ihnen vermischten italienischen Gold-und Edelsteingräber über Süd- und Norddeutschland verbreitet ist.

Ein trügerischer Berggeist des böhmischen und schlesischen Riesen-und Isergebirges ist der Rübezahl, der im übrigen Sudentenzuge öst-lich des Landeshuter Passes nicht erscheint. Eine Menge Spuk- undLandfahrergeschichten sind auf ihn übertragen worden.

Der elbische quälende Nachtgeist ist als Alp auch in Schlesienbekannt. Ein uraltes Spiel, bei dem die Eiben oder Elbentrötsche ge-fangen wurden, hat sich in Schlesien unter dem entstellten Namen hilt-pritschen gerade so erhalten, wie es in Hessen als hilpentritschen bisin unser Jahrhundert gespielt ward. In Schwaben kannte man es alsjagen des Elpentrötsch 2 ).

Von dem Alp erzählt man in Schlesien ebensoviel als von demfeurigen Drachen und dem schwarzen Huhne, die ihren BesitzernGeld und Getreide zutragen. Es sind Teufelstiere, die in die Gewaltder Hölle bringen. Christliche Mythologie spielt hier ebenso mit hereinals bei den Feuermännern, die man in Schlesien auch Leuchter nennt,und welche erlösungsfähige brennende Seelen sind.

Die Flüsse und Teiche sind vom Wassermann und von denWasserlixen oder Wasserlissen 3 ) bewohnt, von denen in Schlesiendasselbe erzählt wird, wie in anderen Ländern von diesen mythischenWasserelben.

Unter den Gebräuchen, die im altgermanischen Kultus ihreWurzeln haben, sind in Schlesien die Frühlingsgebräuche besonderstreu bewahrt worden.

Die Sommerankündigung in festlichen von Liedern begleiteten Um-zügen lebt in dem Sommersingen am Sonntag Lätare fort. Die ge-schmückten Tannenwipfel oder Tannenzweige, welche die Sommerkindertragen, bezeugen die wiederkehrende grüne Zeit. Unter den viel ent-stellten Liedchen sind noch solche erhalten, die es verkündigen, wie dieSingenden den lieben Sommer mit den mancherlei Blümlein und Zweig-lein bringen.

') Vgl. auch schlesisch fanzeln, Possen treiben. Oben S. 216 [60].

2 ) Meine Beiträge zu einem schles. Wörterb. 35 b . Vilmar, Kurhessisch.Idiotikon 168 f. Diefenbach in Kuhns Zeitschr. 7, 392.

8 ) Lixe (assimiliert Lichse zu Lisse) für Nixe, mit Tausch von 1 und n, wiein lympha und nympha.