244 KaTl Weinhold, Die "Vei-. ~Ka4 u. die Herkunft der Deutsehen in Schlesien. [88
aaohsen besonders vorkommenden Osterfeuer erscheinen nur im Leob-schützer Kreise ').
Die Pfingstfeuer, deren Vorkommen in Schlesien ich nur ausJ. G. Berndt (Versuch zu einem schlesischen Idiotikon. Stendal 1787)kenne, sind ganz erloschen.
Allen diesen Feuern, die auf Bergen und freien Plätzen ange-zündet werden, mass der fromme Glaube der Vorzeit segnende Wirkungauf Gedeihen und Wachsthum des Lebens in Menschen, Tieren undPflanzen zu, und abwehrende Kraft gegen feindliche, das Leben schä-digende Mächte.
So konnte voff' der Höhe des Sommers getrost der Ernte entgegengesehen "w erden, an deren Einbringung sich Bräuche anknüpften, indenen Spuren von Dankopfern für die Gottheit bis in die Gegenwartfortleben. Namentlich die an die letzte Garbe des Feldes (den altenMann, die Weizenalte, die Weizenbraut) sich lehnende Feier ist nochnicht ganz erloschen.
Auch hier erscheint fester Zusammenhang der deutschen Schlesiermit den Vettern „im Reich" draussen. Wie .vermindert und erschüttertaucli das bäuerliche Leben und damit die alte Bauernsitte seit der Mittedes Jahrhunderts bei uns wie anderwärts ist, wir haben das vollsteRiecht zur Behauptung, dass in unserem Lande echtes deutsches Wesendurch viele Jahrhunderte auch in den Sitten und Bräuchen des Hirtenund des Ackermanns gewaltet hat, in treuem Gedächtnis dessen, dasdie Vorfahren einst hierher getragen haben.
Beziehungen des deutschen Schlesiens zu dem von uns umschrie-benen ostdeutschen Ländergebiet«, Beziehungen zu Main- und Rhein-franken, Hessen und Thüringen hegen auch hier dem kundigen Augeoffen, so gut wie in den Sagen und dem Aberglauben, so gut wie imBau von Haus und Hof, wie in den Namen der Orte und Leute, sogut wie endlich in der Mundart.
Ein guter Teil der deutschen Schlesier hat ein Recht darauf, dieFranken und Thüringer als Vettern von alter Zeit zu begrüssen.
') Vgl. oben S. 213 [57].