85] Die Verbreitung und die Herkunft der Deutschen in Schlesien. 241
welche der Erlösung harrt, die von manchem Burschen versucht, ge-wöhnlich aber vereitelt ward. Der Kern der Sage ist der uralte Mythusvon der Befreiung der im Wolkenb&rge verschlossenen Sonnengöttin.
An Holle (Holda), wie in Franken und Thüringen die in Wolkenund Wasser herrschende Göttin hiess, die auch an dem häuslichen Lebender Menschen teilnahm und darum das weibliche Geschäft des Spinnensbehütete, hat sich eine entstellte Erinnerung in der Spillenholle (Spilla-hole) erhalten, wie im Eulengebirge und in der Grafschaft Glatz dasgespenstische alte Weib heisst, das fleissige Spinner belohnt und faulestraft. In andern schlesischen Gegenden heisst sie Spillendrulle, Spillen-lutsche, Spillenliese, Spillenmarte.
Ende des vorigen Jahrhunderts nannte man in Jauer und Liegnitzdas weibliche Schreckgespenst für Kinder die Popelholle '). Als Wolken-göttin zeigt sich Holle noch in der in Langenau bei Katscher erhaltenem"Redensart, die gebraucht wird, wenn es schneit: Frä Hülle schütteltdie Federn aus.
Riesensagen kennt Schlesien nicht.
Dagegen leben die Unterirdischen, die Zwerge unter verschiedenenNamen im Gebirge wie in der Ebene. Verbreitet ist die mitteldeutscheNamensform der Zwerge: Querge, Querxe, Querg-oder Quargmänn-lein. Sie hausen in Berg- und Felslöchern, den Querx- oder Quarg-löchern oder -steinen.
Den ehrenden Namen der Herrlein trugen sie im Eulengebirge,wo der Herrleberg bei Langenbielau die Erinnerung an sie erhält.
Das Dunkle, Erdfarbene ihrer Erscheinung bezeichnet der NameGraumännlein, der im Gebirge wie im Flachlande verbreitet ist undauch in Obersachsen und Niederhessen vorkommt.
Der Begriff des Verhüllten, Vermummten tritt auch in ihrerBenennung Popel heraus. Die Popel hausen in Bergen und Steinen,in Erd- und Wasserlöchern. Popelberge liegen in den Kreisen Hirsch-berg, Schönau, Bolkenhain, Schweidnitz; ein Popelstein auf der hohenEule und bei Gotschdorf (Kreis Hirschberg); in diesem ist ein Popel-loch. Popellöcher werden mehrfach im Riesengebirge gezeigt; eine tiefeStelle im obersten Iserlauf heisst die Popelteufe. Der gespenstischeHausgeist, mit dem die Kinder geschreckt werden, heisst der Popel-mann. Die Popelholle erwähnten wir vorhin. Wichtig für die Her-kunftsfrage ist nun, dass Popelberge und der Popelmann auch in Ost-franken vorkommen 2 ).
Im österreichischen Schlesien heissen die Zwerge auch Berg-männlein.
Ebendort sowie in den angrenzenden deutschen Strichen despreussischen Oberschlesiens nennt man sie auch Fenesleute, Fens-mannla oder -waiwla, Fenske Dinger. Gelehrt sein Wollende schreibenFenixleute oder gar Venusleute, Venusmänner oder -weiber.
Diese Wesen hausen in den Fenssteinen oder Fenslöchern.
') „In Schlesien heisst der männliche Unhold der Popelmann, der weiblichedie Popelhole." Flögel, Geschichte des Groteskkomischen. Liegnitz 1788, S. 24.2 ) Panzer, Beitrag zur deutschen Mythologie 2, 107. 109.