232 Karl Weinbold, [76
"ist die in den Oberstock hineingezogene offene Laube (die Loggia desitalienischen Hauses).
Zuweilen war auch am Unterstock die Laube angebracht, wie dasoben (S. 230 [74]) erwähnte Kieslingswalder Bauernhaus zeigte l ), umdessen ganzen unteren, sowie um den oberen Gadem des im Winkelhervortretenden Hauserkers eine Laube läuft.
Als offene Bogengänge des Untergeschosses kannte auch das Stadt-haus die Lauben; namentlich waren sie am Ring (dem Hauptmarktplatz)üblich und zogen sich an der einen Seite desselben hin. Es war dieseine weitverbreitete in Nieder- und Oberdeutschland wie in Italien, fürHandelsverkehr und geschützten Lustgang geeignete Bauart, die früherwohl in den meisten schlesischen Städten sich fand, und von der sichmeines Wissens in Hirschberg, Jauer, Bolkenhain, Landeshut, Striegau,Waidenburg, Neurode, Landeck, in Trebnitz, Konstadt, Rosenberg grössereoder kleinere Reste bis in die Gegenwart erhalten haben. Für Schweidnitzzeugt ndch die höche Lebe, der Name des hohen Bürgersteiges auf derHohgasse, so wie das Kinderspiel der Lebelmann. Die Lauben selbstsind hier aber längst verschwunden, ebenso wie in Breslau, wo aberfrüher bestandene laubenartige Kaufhallen durch die alt vorkommendenAusdrücke die leinweterleubin, die huterleuben am ringe, die salzleuben(Leuben am Salzringe) verbürgt sind 2 ).
Leider haben die letzten Jahrzehnte auch an den Bauerhäuserndie Lauben arg hinweggeräumt. Nur der geschlossene Brkerbau überder Hausthür, der auf vier Pfosten ruht 3 ), hat sich aus Nützlichkeits-gründen bei Schmieden und Schenken oft erhalten, und ist im Gebirgesogar bei Neubauten zuweilen wieder angebracht worden.
Auf die offene Laube (die Büne, den Sims) tritt man aus demOberstock durch eine oder zwei Thüren. Seltener führt vom Hofe eineFreistiege hinauf.
Häufiger findet man diese schmale hölzerne Freitreppe vom Hofeauf den Gang (Büne), der sich über Pferde- und Kuhstall hinzieht undzu dem Heuboden führt, der über diesen Räumen hegt. In grösserenBauerhöfen, die einen Schafstall haben, geht auch an diesem einesolche Aussenstiege auf den Gang, der längs des Heubodens hinläuft,der über dem Schafstall liegt.
Solche Gänge (Bünen) finden sich in ganz gleicher Art an denHaupt- und an den Nebengebänden im oberlausitzischen und oster-ländischen Bauernhofe, wie die von G. Landau veröffentlichten Ab-bildungen beweisen *).
Hie und da hat sich Stein- oder Ziegelbau schon recht früh inTeilen des schlesischen Bauerhauses eingedrängt. Als man in denStädten und auf den Rittersitzen den alten Holzbau durch Steinhäuserzu verdrängen begann, wollte der wohlhabende Bauer, der seine Frei-
a ) Schroller, Schlesien, Land und Leute I, 160.
2 ) A. Schultz, Topographie Breslaus. Zeitschr. f. Gesch. Schles. X, 242.244. 250.
3 ) Die Abbildung eines Hauses mit solcher Laube bei Meitzen, Der Bodenund die landwirtechaftl. Verhältnisse des preuss. Staates, II, 139.
4 ) Korrespondenzblatt des Gesamtvereins, Januar 1862, Beil. S. 5. 9.