75"] Die Verbreitung und die Herkunft der Deutschen in Schlesien. 231
enthielt, aus Bolen wänden, die zwei andern Drittel (mit den Ställen)gleich dem obern Gadem in Fachbau ausgeführt waren. Es gab aberauch und gibt noch jetzt sehr viele Häuser nur aus Fachbau.
Wie beliebt dieser rasch und billig herzustellende Bindwerkbaunoch im 18. Jahrhundert war, beweisen die vielen evangelischen Kirchen,die nach der preussischen Eroberung Schlesiens in Städten und Dörfernder unmittelbaren Fürstentümer Schweidnitz, Jauer und Glogau errichtetwurden. Auch die drei durch den westfälischen Frieden vom Kaiserin den drei Fürstentumshauptstädten Schweidnitz, Jauer, Glogau zu-gelassenen sogenannten Friedenskirchen sind aus Fachwerk. Denn auchin den Städten ist diese Bauart, besonders für den Oberstock und fürdie Hinterwand von jeher üblich gewesen*) und erst in neuerer Zeitdurch massives Ziegelwerk grösstenteils ersetzt.
Zu der Zierlichkeit und Schönheit, welche man in niedersächsischenalten Städten an Fachwerkhäusern bewundert, hat man sich in Schlesiennicht aufgeschwungen. Doch fehlt es nicht hie und da an beschei-denen Hausbauten, die durch die Figuren der Ständerzimmerung nichtuneben erscheinen 2 ).
Die Balken der Fachbauten wurden gewöhnlich schwarz oderbraun, seltener rot gestrichen und die Lehmfelder weiss übertüncht.Die Streben zwischen den Ständern und Riegeln sind entweder einfachschräg gezogen, oder sie liegen im Andreaskreuz oder in Rautenform.Es kommen auch Fache ohne Streben vor.
In den Gebirgsgegenden, namentlich im Löwenberger, Goldberger,Schönauer Kreise, wurden die weissgetünchten Lehmfelder mit geome-trischen Figuren beritzt oder mit Sprüchen beschrieben. Manches davonhat sich bis in die Gegenwart erhalten.
Im Gebirge und im Vorlande, im westlichen Schlesien auch inder Ebene sind die Häuser gewöhnlich zweistöckig oder zweigadmig,wie es noch hie und da heisst. Der Oberstock tritt dann häufig umeinen Fuss über den unteren heraus, und im Giebel' wiederholt sichdann zuweilen dieselbe Ausladung. Mehr oder minder ausgeschnitzteTraghölzer oder auch ein Bogensims dienen als Träger. An dem Giebelund an den Dachrändern entwickelte sich dabei eine sonst bei uns wenighervortretende Liebe zu kunstartigem Schmuck.
Besondere Gelegenheit gewährte dazu die Laube oder Laube, wieder Erker hiess, der in der Mitte der vorderen Langseite des Hausesüber der Haus- und Pferdestallthür aus dem Oberstock hervorsprang.Das Wort Laube (mundartlich Lebe) ist jetzt veraltet und auf die Graf-schaft beschränkt. Dafür ist vom Queiss bis zum Eulengebirge der Simsverbreitet, um den Zobten und im Flachlande die Büne. Zuweilenruht die Laube auf einem gemauerten vorspringenden Unterbau, derdie Eingangsthüren zum Hause und zum Pferdestalle in sich hat. Inälteren Häusern war dieser vorspringende Erker aus Bolenwerk. Selten
1 ) Barthol. Stein irrte iu seiner Descriptio Silesiae (1512), wenn er Hausbauaus Holz und Lehm für das polnische. Backsteinbau für das deutsche Schlesien alsUnterschiede aufstellte.
2 ) Vgl. das Bolkenhainer Häuserbild bei Schroller, Schlesien, Land undLeute II. 172.