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Die Verbreitung und die Herkunft der Deutschen in Schlesien
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77] Die Verbreitung und die Herkunft der Deutschen in Sohlesien. 233

heit noch nicht ganz eingebüsst, nicht zurückbleiben. Rudolf Dreschererwähnt in seinem handschriftlich hinterlassenen Aufsatz alte stattlicheHäuser in Dörfern des Löwenberger Kreises (Mois, Höfel), in denender ganze Unterstock aus Stein aufgeführt ist, oder in denen Pferde-und Kuhstall mit dem Gadem darüber aus Stein gebaut sind, währendder Wohnraum unten aus Bolenwänden, oben aus Fachwerk besteht.Die steinernen Thür- und Fensterrahmen weisen nach Drescher durchSpitzbogen, Eselsrücken und Kantenabfassung noch auf das 16. Jahr-hundert. Lassen wir die Bauten aber auch aus dem 16. stammen, wojene Thür- und Fensterfassung sich auch noch reichlich findet, so ge-hören jene Bauernhäuser doch mit zu den ältesten, die man in Deutsch-land kennt.

Das am 1. Mai 1887 abgebrannte Geburtshaus des berühmtenGoldberger Schulrectors Valentin Trotzendorf im Alten Gute zu Troit-schendorf (Kreis Görlitz) trug im oberen Thürbalken die Jahreszahl1497, in der Wetterfahne 1623. Es war im unteren Stockwerk ge-mauert, hatte im Oberstock Fachwerk mit Lehmfüllung und war mitSchauben gedeckt.

In den wohlhabenden Bauerdörfern Nieder- und Mittelschlesiens,sowie in den deutschen Kreisen des südlichen Oberschlesiens hat derZiegelbau den Fachbau grösstenteils oder sogar ganz verdrängt. Esgibt grosse lange Dörfer, in denen alle Häuser samt Scheunen undStallungen die glatten, weissgetünchten Ziegelwände mit schmucklosenFenstern und Thüren und dem roten Ziegeldach zeigen. Wo die Geld-mittel nicht zum ganzen Neubau reichten, begnügte man sich vorläufigmit einzelnen Teilen.

Selbst in den Dörfern des höheren Gebirges hat sich der stil-und geschmacklose Ziegelbau in kleine Häuser eingedrängt. Doch sindhier der Wärme wegen die Bolenwände gerade an der Stube undKammer nicht selten geblieben, während der übrige Hausteil ge-mauert war.

Polizeiliche Vorschriften haben bei allen Neubauten die Schauben-und die Schindeldächer durch Fachwerkbedachung ersetzt. Das Schauben-(Stroh-) Dach ist oben am First ,mit Rasenstücken belegt, und die altenSchutzpflanzen des deutschen Hauses, Hauswurz und Johanniskraut,wuchern dort oben.

Natürlich ist nun auch der Schornstein (die Feuermauer) gemauert.Früher war er aus Balken und Brettern oder höchstens aus Lehm mitäusserer Holzverschalung aufgeführt.

Das Haus in und an dem Gebirge und in dem Vorlande derSudeten, auch in dem westlichen Flachlande ist in der Regel zweistöckig.Das gilt für den eigentlichen Bauerhof wie für die Gärtnerstellen. Inder mittelschlesischen Ebene, sowie in hochgelegenen Gebirgsdörfernherrscht das einstöckige Haus, indem übrigens die Anlage die gleicheist, d. h. neben den Wohnräumen liegen unter selbem Dache der Pferde-und Kuhstall x ).

') Abbildung eines solchen einstöckigen Bauernhauses aus Woischwitz beiBreslau, Fachbau mit Schaubendach, bei Schroller, Schlesien II, 397.