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Die Verbreitung und die Herkunft der Deutschen in Schlesien
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230 Karl Weinliold, [74

über das deutsche wie über das slavische. Der Waldreichtum desLandes in alter Zeit machte ihn möglich. Er gab überdies wärmereWohn- und Stallräume als der Fachbau, der nur dünne und durch-lässige Wände, namentlich bei der Lehmfüllung gewährt. Das Bauern-haus nicht bloss, sondern auch nicht selten der Rittersitz haben bis indas 17. Jahrhundert hinein, wenn nicht ganz, so doch teilweise Schrot-wände gehabt, wie Schloss Vogelsang bei Nimptsch für die Adelshäuserbeweist, das in seiner noch bestehnden Gestalt 1604 erbaut ist, undauf einem steinernen Unterstock einen oberen Gadem (Stockwerk) ausSchrotbau zeigt 1 ). Wie beliebt diese Zimmerung überhaupt gewesen,konnten die Gartenzäune in der südlichen Grafschaft Glatz bezeugen,welche bis in dieses Jahrhundert • hinein aus starken BolenWänden mitkleinem Schindeldach bestunden 2 ).

Schrotbauhäuser finden sich heute noch in dem Gebirge und wer-den auch noch in den Waldgegenden Oberschlesiens und der rechten Oder-seite vorkommen. Bereits gegen Ende des 18. Jahrhunderts waren siesehr zurückgedrängt. Zimmermann in seinen Beiträgen zur Beschrei-bung Schlesiens führt sie auf in den polnischen Dörfern des Leob-schützer und des Brieger Kreises. Im Ohlauer und Breslauer warensie zu seiner Zeit schon selten, ebenso im Freistädter. Dagegen be-stunden sie noch häufig in den Waldgegenden von Oels und Trebnitz.

Die schönsten und anziehendsten Muster von Schrotbau gebenbis heute die sogenannten Holzkirchen in Oberschlesien, welche dengotischen Baustil auf die Holztechnik unter Berücksichtigung klimati-scher Verhältnisse angewandt haben. Im Jahre 1687 waren im Archi-diakonat Oppeln neben 122 gemauerten noch 268 hölzerne Kirchen,und neben sechs massiven Kapellen neun hölzerne vorhanden. Im Jahre1871 vermochte H. Luchs noch fast 200 in Oberschlesien und auf derrechten Oderseite des Breslauer Regierungsbezirkes aufzuzählen 3 ).

Manche grosse Bauerhäuser der südlichen Grafschaft haben bisüber die Mitte unsers Jahrhunderts schöne Muster des Blockverband-baus gegeben, wie er sich an dem Wohnhause mit malerischer Wir-kung hier zu Lande entwickelt hatte. Ein schönes Haus aus Kieslings-walde, Kr. Habelschwerdt, das leider jetzt verschwunden ist, in Abbildungnach Dreschers Aufnahme bei Schroller, Schlesien 1, 160. Auch immittel- und niederschlesischen Gebirge und in dem vorgelagerten Hügel-lande waren sie zu finden.

Meist aber waren Schrot- und Fachwerkbau in der Weise ver-einigt, dass von dem Unterstock das Drittel, welches die Wohnräume

' ') Schlesiens Vorzeit in Bild und Schrift (Breslau 1868, I, 167) gibt eineAnsicht dieses Gebäudes.

2 ) Vierteljahrsschrift f. Geschichte und Heiroatskunde der Grafschaft GlatzIV, 289 (Habelschwerdt 1884).

3 ) H. Luchs, Die oberschlesischen Holzkirchen und Verwandtes in denNeuen schles. Provinzialblättern (Rübezahl) 1871, S. 109 — 121, dazu die Nachträgeebenda, 1872, S. 71 ff.; ferner: Luchs, Zur Kunsttopographie Schlesiens in Schle-siens Vorzeit, II, 11—31. Seine klaren Darlegungen des Stils dieser Schrotbau-kirchen sind die beste objektivste Widerlegung der Phantasie des Herrn R. Hen-ning (Das deutsche Haus, Strassburg 1882, S. 87 ff.), dass sich in diesen Kirchender wandalisch-nordische Hallen- und Tempelbaustil erhalten habe.