59] Die Verbreitung und die Herkunft der Deutschen in Schlesien. 225
Vir haben in Schlesien zwei Dörfer Alzenau, eines im Gold-berger das andere im Brieger Kreise; ein drittes im Neisser Landeging unter. Sonst findet sich der Name nur einmal: im bayrischenUnterfranken. Von dort werden die Einwanderer gekommen sein, dieihn an drei Orten in Schlesien ihren Gründungen gaben.
Besonderen Wert für uns haben die Namen in —seifen, überwelches Wort früher (S. 220 [64]) gehandelt worden ist.
Wir haben in den Kreisen Löwenberg und Hirschberg die DörferFlachsenseifen, Görisseifen, Lauterseifen, Mühlseifen, Querseifen, Schmott-seifen, Steinseifen; Spiller im Kreise Löwenberg hiess ursprünglichSpülarsifen 1 ). Auch die Seifenhäuser in den Kreisen Löwenberg und.Schönau sowie Seifenau bei Goldberg gehören zum selben Namenkreise.
Im Habelschwerdter Kreise findet sich Stuhlseifen, im österreichi-schen Schlesien Braunseifen, Dornseifen, Rabenseifen, Stubenseifen,Vogelseifen; am böhmischen Abhang des Riesengebirges Hermannseifenund im ungrischen Berglande Metzenseifen. Die Bedeutung Bach fürseifen ergibt sich noch unmittelbar aus einer Reihe von Bachnamen:so dem Lauterseifen und roten Seifen im Löwenberger Kreise; den elfSeifen, aus denen die Elbe zusammenfliesst 2 ), dem Bach Steinseifen,der im Freiwalder Thal bei Waidenburg im Gesenke in die Bielegeht s ) u. a. — Im Westerwalde treffen wir nun die Dörfer Brucherte-seife, Grauseife, Rotenseife 4 ), und auch in Deutsch-Lothringen, KreisSaarlouis, kommt der Gemeindenamen Seifen vor. Der Schluss wirddaher gestattet sein, die mit —seifen bei uns, in Böhmen und in derZips benannten Dörfer auf mittelrheinische, fränkische Einwanderungzu gründen.
Auch die Dorfnamen in —hübel sind bemerkenswert: Giesshübel(Kreis Löwenberg), Krummhübel (Kreis Hirschberg), Steinhübel (KreisHabelschwerdt und Kreis Neisse), Grünhübel (Kreis Breslau). Zustim-mende Namen hat die Oberlausitz und Deutschböhmen. In Westfalenfinden wir Ortsnamen in — hövel (alts. huvila), in den Niederlandenin heuvel.
Die Wortform —hübel kommt, wie früher nachgewiesen ist(S. 218 [62]), in Hessen und am Rhein vor. Auch diese Namen werdenvon aus dem Westen kommenden Einwanderern gegeben worden sein.
Von den bayrischen Ortsnamen in —ing, den schwäbischen in—ingen haben wir in Schlesien keine Spur. Die auf uralte iamilien-ansiedelung weisenden Namen waren im Kolonistenlande nicht möglich,und dass sie selbst nicht hierher übertragen wurden, beweist, dass keineBayern oder Schwaben im Oderthal und den Nachbarländern einwan-derten. Von dem hessisch-thüringischen —ungen gibt das oben er-
') Registrum Wratislaviense. "
2 ) Prätorius, DaemonologiaRubenzalii 1, 41 1683): 1. derElb-Bnmn, "Weiss-brunn und Mehdel-Brunn; 2. der grosse Seiffen; 3. der Gold-Seiffen; 4. der grüneSeiffen; 5. der krumme Seiffen; 6. der Jehr-Seiffen; 7. der Wechsel-Seiffen; 8. derHirsch-Brunnen; 9. der rote Fluss; 10. der Sperber Seiffen; 11. der Quaritz-Seiffen.„Diese eilff Seiffen oder Flüsslein kommen alle zusammen oberhalb der grossenClausen, nicht weit von der berühmten Süber-Zeche, St. Peter genannt."
3 ) Prudlo, Höhenmessungen in Schlesien. Breslau 1837. S. 260. 262.
4 ) "Westerwäldisches Idiotikon von K. Chr. L. Schmidt S. 217.