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Die Verbreitung und die Herkunft der Deutschen in Schlesien
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59] Die Verbreitung und die Herkunft der Deutschen in Schlesien. 215

sehende Verkleinerung der Namen und Hauptwörter, ja selbst derPronomina in le oder la *) sowie der durch Nasalierung erfolgte Schwunddes auslautenden n in Bildungssilben (Inf. assa, treiba, gissa, reita,ruffa, schlöfa, läba; Ptc. gesassa, genussa; dar Morga, die Junga, midolla Krefta, eini arschta Schlöfe) geben der Mundart einen eigentüm-lichen Klang, der sie von der im mittleren und niederen Flachlandescharf unterscheidet.

Besonders wichtig aber ist für unsere Ansicht, daaa eine fränkisch-thüringische Einwanderung bestimmend für das Deutsche in Schlesienwar, der Wortschatz. Darum führe ich zunächst eine Bei he vonWorten auf, die den fränkischen und thüringischen Bestandim Schlesischen unzweifelhaft beweisen'. Ostfranken, Hessen, Nassau,dann Thüringen und Meissen kennen dieselben Worte und Wortformen.Manche von ihnen leben auch im schwäbischen und bayrischen Gebiet.Wenn sich andere dagegen au^h im Niederdeutschen nachweisen lassen,so gründet sich dies auf die Eigenschaft des Mitteldeutschen als Mittlerzwischen Ober- und Niederdeutsch, als Brücke zwischen Nord und Süd,auf welcher der gegenseitige Verkehr geschieht.

aber Adj. schneefrei (Riesengebirge, südwestl. Grafschaft, auch in Nord-böhmen), ein obd. 2 ) Wort, das Schindler, bayr. Wörterb. I 2 , 13übrigens auch aus Franken anführt,fflbich, asbicht Adj. verkehrt; obd. und hessisch. — äbsch, eppsch

Adj. verkehrt, albern; hessisch, thüringisch, meissnisch.Aglaster, Schaläster, Scholäster f. Elster. —■ D.Wb. I, 189. Schweizer,IdiotiKon 1, 125. Die Vermittelung zwischen Aglaster und Schalasterbildet das Zipser Tschogelester.xllp m., Plur. die Eiber, Elper: das gespenstische elbische Wesen.Auch als Schelte gebraucht. — Zwar allgemein obd. und md., hierbesonders wegen der Pluralform eiber augemerkt, die gerade beidem Hessen Herbort v. Fritslar, liet v. Troie 756 vorkommt.Ameise, schlesisch Ornfie f. Auch oberlaus, und zipserisch; in Hessenömeisse, örnitze, westerwäld. oumetz, luxemburg. omes, elsäss. ömeis.Bäugel, Begel n. Ring, ring-(baug-)förmiges Gebäck. — Österreich. -bayrisch, Schmeller l 2 , 214. Auch in der Zips ist das Wort er-halten: Schröer, Wörterb. d. deutsch. Mundarten d. ungr. BerglandesS. 33.Boie f. Wiege (durch Holteis handschriftl. Nachträge zu einem Exem-plar meiner Beiträge zu e. schles. Wörterbuche verbürgt). —■ thürin-giscli-ostfränkisch: Lexer, Mhd. Wörterb. III, 36 Nachträge; From-mann, Mundarten VI, 130. Laistner, Archetypus der NibelungenS. 5. — boien, wiegen: Schultze, nordthüringisches Idiotikon 29.Born m. Brunnen, und zwar Quell- wie Zieh- und Schöpfbrunnen.Die herrschende schles. Wortform wie in Meissen, Thüringen, Ost-franken, Hessen, Wetterau (auch nd.). — D.Wb. 2, 244.Bück m. Hügel: über die Bücke führt der Weg von den obersten Höfenin Kolbnitz nach Nieder-Jägendorf (Kreis Jauer). Ein wesentlich

') Aus lc5, lin, lin.-) Obd. = oberdeutsch.